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Ratgeber Nanny

Nanny-Vertrag: Diese 10 Klauseln regeln auch den Alltag

Was gehört in Ihren Nanny-Vertrag?

Essen oder Zimmer bei Ihnen?
Kommt bei Ihnen vor

6 Klauselnzusätzlich zu Lohn, Probezeit und Kündigung:

  1. 1Garantierte Stunden
  2. 2Ferien: wer bestimmt
  3. 3Abende und Überstunden
  4. 5Krankes Kind
  5. 7Aufgaben
  6. 10Fotos und Kameras

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Alle Mustersätze ↓
Zwei unterschriebene Exemplare eines Arbeitsvertrags auf einem Holztisch, daneben zwei blaue Kugelschreiber
Zwei Exemplare, beide unterschrieben: eines für die Familie, eines für die Nanny.

Lohn, Probezeit und Kündigung stehen in jeder Vorlage. Gestritten wird über anderes: über die Woche, in der die Familie verreist, den Abend, der länger dauert, das kranke Kind. Hier sind 10 Klauseln dafür, je mit Mustersatz zum Kopieren und dem Gesetzesartikel dahinter.

Was jede Vorlage regelt, und was fehlt

Gedruckt: was in jeder Vorlage steht, mit den Werten Ihres Kantons. Blau eingefügt: die 10 Klauseln, um die es danach geht.

Arbeitsvertrag Kinderbetreuung

Kanton Zürich

  1. § 1

    Parteien, Arbeitsort, Beginn

  2. § 2

    Bruttolohn pro Stunde oder Monat
    13. Monatslohn: nur wenn vereinbart

    8. Essen und Zimmer
  3. § 3

    Probezeit: 1 Monat, Kündigungsfrist darin 3 Tage

  4. § 4

    Überstunden: 25 % Zuschlag, nach NAV bei Vollzeit erst über 43 Stunden pro Woche, bei Teilzeit keiner (Art. 5 Abs. 4, 23, 24 Abs. 2)

    1. Garantierte Stunden3. Abende und Überstunden6. Pensum bei Schulstart
  5. § 5

    Ferien: 4 Wochen im Jahr, bis 20 Jahre 5 Wochen, ab 50 Jahren 5 Wochen, ab 60 Jahren 6 Wochen, ab dem 11. Dienstjahr 5 Wochen
    Bezahlter Feiertag: 1. August

    2. Ferien: wer bestimmt4. Reisen mit der Familie
  6. § 6

    Lohn bei Krankheit und Unfall (Art. 324a/324b OR)

    5. Krankes Kind
  7. § 7

    AHV, Unfallversicherung, über CHF 22'680 Jahreslohn auch BVG

    9. Autofahrten
  8. § 8

    Kündigungsfrist: 1 Monat im 1. Dienstjahr, 2 Monate bis zum 9. Dienstjahr, 3 Monate ab dem 10. Dienstjahr, je auf Ende Monat

  9. § 9

Ort, Datum, Unterschriften beider Parteien

Zürich: Ergänzend gilt der kantonale NAV (NAV ZH), soweit Sie schriftlich nichts anderes vereinbaren. Dieser NAV erfasst Arbeit, die überwiegend im Haushalt besteht; ob er auch für reine Kinderbetreuung gilt, ist nicht abschliessend geklärt.

Werte aus dem OR und dem kantonalen Normalarbeitsvertrag (NAV), Stand Oktober 2026. Nennen beide eine Kündigungsfrist, steht hier die längere. Mindestlöhne und übliche Löhne: Nanny-Lohnrechner.

Die 10 Klauseln, je mit Mustersatz

Werte in eckigen Klammern passen Sie an. Was das Gesetz zwingend vorschreibt, gilt auch ohne Klausel; im Vertrag steht es dann für beide sichtbar.

  1. Garantierte Stunden und fester Wochenplan

    Braucht die Familie die Nanny an einem vereinbarten Tag nicht, bleibt der Lohn geschuldet, und sie muss die Stunden nicht nachholen (Art. 324 OR). Minusstunden oder eine «Stundenbank» sind damit ausgeschlossen; die Swiss Nanny Association hält fest: Solche Stunden nacharbeiten zu lassen, ist verboten.

    Mustersatz

    Die Arbeitszeit ist [Montag, Dienstag und Donnerstag] von [7.30 bis 18.00 Uhr]. Diese Stunden sind garantiert: Braucht die Familie die Nanny nicht, wird der Lohn trotzdem bezahlt, und die Stunden werden weder abgezogen noch nachgeholt.

    Mehr dazu: Die Gratis-Vorlage mit dieser Klausel

  2. Ferien: wer den Zeitpunkt bestimmt

    Die Familie bestimmt, wann die Nanny Ferien hat, muss aber auf ihre Wünsche Rücksicht nehmen, und mindestens 2 Wochen müssen am Stück sein (Art. 329c OR). Einige NAV (LU, OW, AG, JU) verlangen ohne schriftliche Abrede eine Einigung über den Zeitpunkt. Verreist die Familie ausserhalb dieser Ferien, läuft der Lohn weiter. Die Swiss Nanny Association rät Nannys, 2 Wochen selbst zu wählen.

    Mustersatz

    Die Nanny hat [4] Wochen bezahlte Ferien pro Jahr. [2] Wochen legt die Familie fest und teilt sie bis zum [31. Januar] mit, die übrigen wählt die Nanny in Absprache mit der Familie. Verreist die Familie ausserhalb dieser Ferien, läuft der Lohn weiter.

    Mehr dazu: Wenn die Familie verreist

  3. Abende, Babysitting und Überstunden

    Überstunden muss die Nanny leisten, soweit sie ihr zumutbar sind. Sie werden mit 25 % Zuschlag bezahlt, ausser ein schriftlicher Vertrag oder der kantonale NAV regelt es anders; Freizeit statt Geld geht nach OR nur mit ihrem Einverständnis (Art. 321c OR). Die NAV weichen in beide Richtungen ab: Zürich und Obwalden streichen den Zuschlag bei Teilzeit, andere verlangen mehr, etwa für Nachtarbeit. Der Mustersatz hält die 25 % schriftlich fest.

    Mustersatz

    Abende und Wochenenden gehören nicht zur vereinbarten Arbeitszeit. Zusätzliche Einsätze werden mindestens [3] Tage im Voraus abgemacht und mit [25] % Zuschlag bezahlt oder, wenn die Nanny einverstanden ist, innert [3] Monaten mit gleich viel Freizeit ausgeglichen. Die Stunden werden jeden Monat schriftlich festgehalten.

    Mehr dazu: Abende und Überstunden richtig bezahlen

  4. Reisen mit der Familie

    Nimmt die Familie die Nanny mit, zahlt sie alle notwendigen Auslagen, auswärts auch Unterkunft und Verpflegung (Art. 327a OR). Lohn, vereinbarte Stunden und mindestens 1 Tag frei pro Woche (Art. 329 OR) gelten auch am Meer; manche NAV geben mehr, Zürich etwa 2 freie Tage pro Woche.

    Mustersatz

    Begleitet die Nanny die Familie auf Reisen, übernimmt die Familie Reise, Unterkunft und Verpflegung. Reisetage gelten als Arbeitstage. Ein Arbeitstag hat [8] Stunden; mehr Stunden sind Überstunden. Die Nanny hat pro Woche mindestens [1] Tag ganz frei und ein eigenes Zimmer.

    Mehr dazu: Mit der Nanny verreisen

  5. Krankes Kind, in beiden Familien

    Ist ein Kind der Familie krank und lassen die Eltern die Nanny deshalb zu Hause, ist der Lohn geschuldet (Art. 324 OR). Ist ihr eigenes Kind krank, hat sie Anspruch auf bezahlten Urlaub: bis 3 Tage pro Fall und höchstens 10 Tage im Jahr (Art. 329h OR).

    Mustersatz

    Ist ein Kind der Familie krank, betreut die Nanny es wie vereinbart oder wird bezahlt freigestellt. Ist ein Kind der Nanny krank, erhält sie bezahlten Urlaub nach Art. 329h OR (bis 3 Tage pro Fall, höchstens 10 Tage im Jahr). Sie meldet sich so früh wie möglich.

    Mehr dazu: Krankes Kind, kranke Nanny

Nanny kniet im Flur neben einem kleinen Jungen, bereit zum Rausgehen, eine Jacke am Haken, der Kinderwagen im Vordergrund
Der Alltag läuft ohne Vertrag. Er zählt an dem Tag, an dem etwas anders kommt.
  1. Kindergarten oder Schule: das Pensum

    Weniger Stunden, weil das Kind in den Kindergarten kommt, kann die Familie nicht einfach anordnen: Es braucht das Einverständnis der Nanny oder eine Änderungskündigung mit der vollen Kündigungsfrist. Steht der Wechsel schon im Vertrag, erübrigt sich beides. Ändern sich Stunden oder Lohn, müssen Sie das der Nanny spätestens 1 Monat nach Inkrafttreten schriftlich mitteilen (Art. 330b Abs. 2 OR).

    Mustersatz

    Ab [August 2027], wenn [Lina] in den Kindergarten kommt, beträgt die Arbeitszeit [25] Stunden pro Woche zum gleichen Stundenlohn. Den neuen Wochenplan legen die Parteien bis zum [31. März 2027] schriftlich fest.

    Mehr dazu: Pensum reduzieren, aber richtig

  2. Aufgaben: Kinder ja, Haushalt nur, wenn abgemacht

    Geschuldet ist, was im Vertrag steht. Die Swiss Nanny Association betont: Leichte Hausarbeiten sind eine Zusatzaufgabe und müssen immer vorher klar besprochen und vereinbart werden. Zeigen Sie im Probetag, was Sie erwarten.

    Mustersatz

    Die Nanny betreut [2] Kinder (Alter [2] und [5]): begleiten, spielen, Mahlzeiten der Kinder, Wäsche und Zimmer der Kinder. Weitere Hausarbeiten gehören nur dazu, wenn sie hier aufgeführt sind: [Geschirrspüler ausräumen].

    Mehr dazu: Was der Probetag zeigen soll

  3. Essen und Zimmer

    Wohnt die Nanny bei Ihnen, gehören Kost und Logis zum Lohn, sofern nichts anderes vereinbart ist (Art. 322 OR), und die AHV bewertet sie mit CHF 33 im Tag (Art. 11 AHVV). Der Vertrag sollte sagen, ob dieser Wert im Bruttolohn steckt oder dazukommt. Die Tafel unten rechnet ihn in Franken um.

    Mustersatz

    Die Nanny wohnt im Haushalt der Familie in einem eigenen Zimmer und erhält volle Verpflegung. Dieser Naturallohn wird mit CHF 990 im Monat bewertet (CHF 33 × 30 Tage, Art. 11 AHVV) und [ist im Bruttolohn von CHF 4'800 enthalten].

    Mehr dazu: Kost und Logis in Franken

  4. Autofahrten mit den Kindern

    Wer fährt, muss Kinder unter 12 Jahren richtig sichern, im Kindersitz, ausser sie sind mindestens 150 cm gross (Art. 3a VRV). Fährt sie mit Ihrem Einverständnis ihr eigenes Auto, zahlt die Familie anteilig zum Gebrauch für die Arbeit Betrieb, Unterhalt, Abnützung, Steuern und Haftpflichtprämie (Art. 327b OR). Mit einem ausländischen Führerausweis braucht sie nach 12 Monaten Wohnsitz in der Schweiz einen Schweizer Ausweis (Art. 42 VZV).

    Mustersatz

    Die Nanny fährt die Kinder mit dem Auto der Familie [nur zu Schule, Kursen und Arzt]. Die Familie stellt passende Kindersitze und klärt mit ihrer Versicherung, ob die Nanny als Lenkerin gedeckt ist. Bei einem Schaden am Auto trägt die Familie den Selbstbehalt, ausser die Nanny hat grob fahrlässig gehandelt.

    Mehr dazu: Unfallversicherung für die Nanny

  5. Fotos, Kameras und Schweigepflicht

    Die Familie muss die Persönlichkeit der Nanny schützen und darf über sie nur Daten bearbeiten, die das Arbeitsverhältnis betreffen (Art. 328 und 328b OR). Eine Kamera in der Wohnung muss die Nanny kennen, und ihr Zweck muss für sie erkennbar sein (Art. 6 DSG). Umgekehrt gehören Fotos der Kinder nicht auf ihre Social-Media-Konten.

    Mustersatz

    Die Nanny veröffentlicht keine Fotos oder Videos der Kinder und gibt keine Informationen über die Familie weiter, auch nicht nach Ende des Arbeitsverhältnisses. Kameras in der Wohnung sind der Nanny bekannt: [im Wohnzimmer], nie in ihrem Zimmer oder im Bad.

Essen und Zimmer: was die AHV dafür rechnet

Was die Nanny bei Ihnen isst oder wo sie schläft, ist Lohn in Naturalien und zählt zum AHV-Lohn, auch wenn kein Franken fliesst. Stellen Sie zusammen, was sie bekommt.

Kost und Logis

pro TagCHF 10.00
Tage pro Woche
5

CHF 216.65im Monat zählen zum AHV-Lohn

Ansätze nach Art. 11 AHVV, in Kraft seit 2007. Ein Monat zählt Tage pro Woche × 52 ÷ 12, bei 7 Tagen pro Woche 30 Tage.

Ob dieser Betrag im Bruttolohn steckt oder dazukommt, gehört in den Vertrag: Mustersatz 8.

Für die Nanny: 4 Fragen vor der Unterschrift

  • Sind meine Stunden garantiert, auch wenn die Familie verreist?
  • Wer bestimmt, wann ich Ferien habe?
  • Wie werden Abende und Überstunden bezahlt?
  • Steht ein Bruttolohn im Vertrag, und bin ich bei der AHV angemeldet?

Die Swiss Nanny Association ist ein gemeinnütziger Verein, der Nannys und Au-pairs mit Informationen, Ressourcen, Weiterbildung und Beratung zu fairen Arbeitsbedingungen in der Schweiz unterstützt. Beratungsanfragen erhält sie nach eigenen Angaben jeden Tag, auch von Nicht-Mitgliedern. Für Informationen und Ressourcen: swissnanny.org

Häufige Fragen

Muss der Nanny-Vertrag schriftlich sein?

Nein, ein Arbeitsvertrag gilt auch mündlich (Art. 320 OR). Spätestens 1 Monat nach Beginn müssen Sie der Nanny aber schriftlich mitteilen: Parteien, Beginn, Funktion, Lohn mit Zuschlägen und Wochenstunden (Art. 330b OR). Für manche Abweichungen verlangt das Gesetz die Schriftform, etwa beim Überstundenzuschlag oder für eine längere Probezeit (Art. 321c Abs. 3, 335b Abs. 2 OR); die meisten NAV verlangen sie für Abweichungen von ihren Regeln. Die Swiss Nanny Association rät Familien zum schriftlichen Vertrag.

Gibt es eine Vorlage für den Nanny-Vertrag?

Ja. Die Vorlage für den Nanny-Arbeitsvertrag ist gratis, hat 14 Paragraphen auf Deutsch und enthält garantierte Stunden ohne Stundenbank. Im Clino-Konto erstellen Sie den Vertrag in 6 Sprachen, auf Wunsch zweisprachig, mit den Regeln Ihres Kantons.

Darf die Familie bestimmen, wann die Nanny Ferien macht?

In der Regel ja. Der Arbeitgeber legt den Zeitpunkt fest, muss aber auf ihre Wünsche Rücksicht nehmen, und mindestens 2 Wochen müssen zusammenhängen (Art. 329c OR). Einige NAV (LU, OW, AG, JU) verlangen ohne schriftliche Abrede eine Einigung über den Zeitpunkt. Kündigen Sie die Ferien früh an. Ein fairer Mittelweg: 2 Wochen bestimmt die Familie, die übrigen wählt die Nanny (Mustersatz 2).

Was gilt, wenn wir die Nanny eine Woche nicht brauchen?

Der Lohn bleibt geschuldet, und die Nanny muss die Stunden nicht nachholen (Art. 324 OR), ausser Sie haben diese Woche rechtzeitig als ihre Ferien festgelegt. Anrechnen lassen muss sie sich nur, was sie dadurch spart, in dieser Zeit anderswo verdient oder absichtlich zu verdienen unterlässt.

Gilt das auch für ein Au-pair oder die Grosseltern?

Für ein Au-pair gelten eigene Regeln, etwa beschränkte Stunden und ein Sprachkurs: Au-pair in der Schweiz aufnehmen, und für ein Jahr in der Romandie: Au-pair-Jahr im Welschland. Bezahlen Sie die Grosseltern für die Betreuung, kann daraus ein Arbeitsverhältnis werden; was dann gilt, steht in Grosseltern für die Kinderbetreuung bezahlen.

Hilft der Staat bei den Kosten der Nanny?

Über die Steuern: Die Betreuungskosten sind bei der direkten Bundessteuer bis CHF 25'800 pro Kind abziehbar (2026), die Kantone haben eigene Grenzen (Steuerabzug-Rechner für die Nanny). Ob es Betreuungsgutscheine auch für eine Nanny gibt, hängt vom Wohnort ab: Betreuungsgutscheine und Nanny.

Vertrag aufsetzen, Nanny anmelden

Clino bereitet den Vertrag mit den Regeln Ihres Kantons vor, dazu die AHV-Anmeldung und jeden Monat die Lohnabrechnung.

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Salvador Jovells

Salvador Jovells, Gründer von Clino