Recht
Putzfrau krank gemeldet: Wie lange läuft die Lohnfortzahlung wirklich?

Die Putzfrau ist krank - wie lange zahlen Sie weiter? Im ersten Dienstjahr je nach Kanton 3 Wochen oder 1 Monat. Ab dem zweiten Jahr gehen die Regeln weiter auseinander - in Zürich 8 Wochen, in Bern 1 Monat, in Basel 2 Monate. Wer die falsche Tabelle anwendet, zahlt entweder zu wenig und riskiert Nachforderungen - oder zu viel.
Im 1. Dienstjahr zahlen Sie den Lohn bei Krankheit je nach Kanton 3 Wochen oder 1 Monat weiter. Danach steigt die Dauer mit den Dienstjahren, nach der Skala oder der NAV-Tabelle Ihres Arbeitskantons.
- Im 2. Dienstjahr: Bern 1 Monat, Zürich 8 Wochen, Basel 2 Monate - es zählt der Arbeitsort
- Die Dauer gilt pro Dienstjahr für alle Krankheitsfälle zusammen, nicht pro Krankheit
- KTG-Versicherung: in 15 Kantonen Pflicht, in 5 freiwillig, bis zu 720 Tage zu 80%
Berner Skala
Wie lange läuft der Lohn weiter?
Je länger die Anstellung, desto länger die Lohnfortzahlung zu 100%, pro Dienstjahr für alle Krankheitsfälle zusammen. Hier die Berner Skala.
- Dienstjahr 121 Tage· 3 Wochen
- ab Dienstjahr 230 Tage· 4 Wochen
- ab Dienstjahr 360 Tage· 9 Wochen
- ab Dienstjahr 590 Tage
- ab Dienstjahr 1017 Wochen120 Tage
- ab Dienstjahr 1521 Wochen150 Tage
- ab Dienstjahr 2026 Wochen180 Tage
Die meisten Kantone rechnen anders: mit der Basler oder Zürcher Skala oder mit der eigenen Tabelle ihres Normalarbeitsvertrags. Der Rechner weiter unten kennt alle 26.
Gesetzliche Grundlage: Art. 324a OR
Die Lohnfortzahlungspflicht bei Krankheit ist in Art. 324a des Obligationenrechts (OR) verankert. Der Artikel besagt: Der Arbeitgeber muss dem Arbeitnehmer bei unverschuldeter Verhinderung an der Arbeitsleistung - darunter Krankheit - den Lohn für eine beschränkte Zeit weiterzahlen. Bei einem Unfall übernimmt dagegen grösstenteils die Unfallversicherung; wann sie Pflicht ist und wer sie abschliesst, erklärt der Leitfaden zur Unfallversicherung im Haushalt.
Diese Pflicht gilt, wenn das Arbeitsverhältnis mehr als drei Monate gedauert hat oder für mehr als drei Monate eingegangen ist (Art. 324a Abs. 1 OR). Ab wann genau, regelt der Normalarbeitsvertrag (NAV) des Arbeitskantons: in Basel-Stadt, Solothurn, Glarus oder im Tessin ab dem ersten Tag, in Luzern, Zug oder St. Gallen erst nach der Probezeit.
Art. 324a OR gibt jedoch nur für das 1. Dienstjahr eine feste Dauer vor (3 Wochen), danach spricht er nur von einer "angemessenen längeren Zeit". Die Gerichte haben dafür drei Skalen entwickelt. Für Hausangestellte legen viele kantonale NAV die Dauer aber selbst fest.
Die Lohnfortzahlung ist nur ein Teil Ihrer Pflichten, wenn die Putzfrau krank ist - welche Schritte beim Arztzeugnis und bei der Krankmeldung sonst noch anfallen, zeigt unser ausführlicher Ratgeber.
Wichtig für Privathaushalte
Die drei Skalen im Vergleich
Die Gerichte wenden je nach Region eine von drei Skalen an. Alle drei steigen mit den Dienstjahren, unterscheiden sich aber deutlich. Die Dauer gilt jeweils pro Dienstjahr, für alle Krankheitsfälle zusammen.
Berner Skala
Die älteste und am häufigsten zitierte Skala. Für Hausangestellte gilt sie in Aargau, Nidwalden, Glarus, Graubünden, Tessin, Wallis, Genf und Jura.
| 1. Dienstjahr | 3 Wochen |
| 2. Dienstjahr | 1 Monat |
| 3.-4. Dienstjahr | 2 Monate |
| 5.-9. Dienstjahr | 3 Monate |
| 10.-14. Dienstjahr | 4 Monate |
| 15.-19. Dienstjahr | 5 Monate |
| 20.+ Dienstjahr | 6 Monate |
Basler Skala
Schon im 2. Dienstjahr 2 Monate. Für Hausangestellte gilt sie in Basel-Landschaft. Basel-Stadt gibt nach seinem NAV schon im 1. Dienstjahr 1 Monat, danach dieselben Stufen.
| 1. Dienstjahr | 3 Wochen |
| 2. Dienstjahr | 2 Monate |
| 3. Dienstjahr | 2 Monate |
| 4.-10. Dienstjahr | 3 Monate |
| 11.-15. Dienstjahr | 4 Monate |
| 16.-20. Dienstjahr | 5 Monate |
| 21.+ Dienstjahr | 6 Monate |
Zürcher Skala
Ab dem 2. Dienstjahr jedes Jahr 1 Woche mehr. Schwyz, Zug und Thurgau wenden sie ohne Obergrenze an, Zürich nach seinem NAV bis höchstens 6 Monate.
| 1. Dienstjahr | 3 Wochen |
| 2. Dienstjahr | 8 Wochen |
| 3. Dienstjahr | 9 Wochen |
| 4. Dienstjahr | 10 Wochen |
| 5.-9. Dienstjahr | je +1 Woche/Jahr |
| 10.-14. Dienstjahr | je +1 Woche/Jahr |
| 15.+ Dienstjahr | je +1 Woche/Jahr |
Die Zürcher Skala steigt linear: im 5. Dienstjahr 11 Wochen, im 10. Dienstjahr 16 Wochen, im 15. Dienstjahr 21 Wochen usw. Im Kanton Zürich ist bei 6 Monaten Schluss.
Berner & Zürcher Skala
- •Berner Skala: 1 Monat im 2. Dienstjahr
- •Zürcher Skala: 8 Wochen im 2. Dienstjahr, danach jedes Jahr 1 Woche mehr
Basler Skala
- •Schon im 2. Dienstjahr 2 Monate
- •Gilt in Basel-Landschaft; Basel-Stadt rechnet ab dem 2. Dienstjahr gleich
Welcher Kanton wendet welche Skala an?
Massgebend ist der Normalarbeitsvertrag (NAV) des Arbeitskantons. Er druckt eine der drei Skalen ab, eine eigene Tabelle oder gar keine; dann gilt die Skala der regionalen Gerichtspraxis:
Berner Skala
Aargau, Nidwalden (im NAV abgedruckt); Glarus, Graubünden, Tessin, Wallis, Genf, Jura (NAV ohne eigene Tabelle). Genf, Wallis und Jura schreiben zusätzlich eine Krankentaggeldversicherung vor.
Basler Skala
Basel-Landschaft (in den ersten 3 Monaten insgesamt höchstens 1 Woche)
Zürcher Skala
Schwyz, Zug, Thurgau (ohne Obergrenze); Zürich (höchstens 6 Monate)
Eigene Tabelle im NAV
Bern, Luzern, Uri, Obwalden, Freiburg, Solothurn, Basel-Stadt, Schaffhausen, Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden, St. Gallen, Waadt (ab 20 Std. pro Woche eine höhere Tabelle), Neuenburg. Die meisten davon geben schon im 1. Dienstjahr 1 Monat. Der Rechner unten kennt jede Tabelle; für die Waadt zeigt er die Tabelle unter 20 Std. pro Woche.
Berechnungsbeispiele mit echten Zahlen
Damit die Skalen greifbar werden, hier drei konkrete Szenarien:
Lohnfortzahlung berechnen
Kanton und Dienstjahr wählen. Sie sehen sofort, wie lange der Lohn bei Krankheit weiterläuft.
Bei vollem Lohn (100%), insgesamt pro Dienstjahr für alle Krankheitsfälle zusammen. Mit einer Krankentaggeld-Versicherung (KTG) läuft es meist länger, dafür zu 80%.
Nächste Frage: Wer rechnet die Krankheitstage korrekt in die Lohnabrechnung ein?
Anmelden, Clino rechnet sie ein →Beispiel 1: Putzfrau im Aargau, 1. Dienstjahr
Maria arbeitet seit 8 Monaten als Haushaltshilfe, 6 Stunden pro Woche, CHF 30/Stunde. Sie wird für 4 Wochen krank.
Die 4. Woche ist nicht gedeckt. Maria erhält für diese Woche keinen Lohn, es sei denn, eine KTG-Versicherung besteht. Im Kanton Bern wären alle 4 Wochen gedeckt: Dort gibt der NAV schon im 1. Dienstjahr 1 Monat.
Beispiel 2: Haushaltshilfe in Basel, 2. Dienstjahr
Ana arbeitet seit 14 Monaten im Haushalt, 10 Stunden pro Woche, CHF 28/Stunde. Sie wird für 6 Wochen krank.
Die gesamten 6 Wochen sind voll gedeckt. Nach der Berner Skala (1 Monat) wären es nur gut 4 Wochen.
Beispiel 3: Nanny in Zürich, 5. Dienstjahr
Laura arbeitet seit 4,5 Jahren als Nanny, 20 Stunden pro Woche, CHF 32/Stunde. Sie wird für 3 Monate krank.
Mit der in Zürich obligatorischen Krankentaggeldversicherung sind alle 3 Monate zu 80% gedeckt: Sie zahlen die ersten 30 Tage (ca. CHF 2'200), danach zahlt die Versicherung.
Je länger das Arbeitsverhältnis dauert, desto länger die Lohnfortzahlung - aber die Unterschiede zwischen den Kantonen können mehrere Monate betragen.
Krankentaggeldversicherung (KTG): in 15 Kantonen Pflicht
Eine Krankentaggeldversicherung kann die gesetzliche Lohnfortzahlung nach Art. 324a OR ersetzen, sofern sie gleichwertig oder besser ist. Das ist in der Praxis fast immer der Fall, da KTG-Policen standardmässig 720 Tage Leistung bieten.
Ob Sie eine abschliessen MÜSSEN, entscheidet der Normalarbeitsvertrag des Kantons, in dem gearbeitet wird. In 15 Kantonen, darunter Zürich, Bern, Luzern, St. Gallen, Solothurn und Genf, verlangt er sie. In 5 weiteren stellt er sie ausdrücklich frei, in 6 kennt er sie gar nicht. Wo sie Pflicht ist, tragen Sie ohne Police nicht nur das Risiko: Sie haften für genau die Leistungen, welche die Versicherung erbracht hätte. Welche Versicherungen für Ihre Haushaltshilfe sonst noch Pflicht sind, beantwortet der kurze Sozialversicherungs-Check.
Wann lohnt sich eine KTG-Versicherung?
- ✓Ab dem 2. Dienstjahr - das Risiko steigt mit den Jahren
- ✓Bei mehr als 8 Stunden pro Woche - höhere Lohnkosten im Krankheitsfall
- ✓Bei Nannys und Vollzeit-Haushaltshilfen - oft hohe Monatslohnkosten
- ✓Wenn Sie Planungssicherheit wollen - fixe Prämie statt unerwarteter Lohnfortzahlung
Ohne KTG (Art. 324a OR)
- •Dauer abhängig von Kanton und Dienstjahren
- •Arbeitgeber trägt volles Risiko
- •Ab 3 Wochen, steigt mit den Dienstjahren
- •100% des Lohns
- •Keine Prämien, aber unplanbares Risiko
Mit KTG-Versicherung
- •Bis zu 720 Tage Deckung
- •Versicherung trägt das Risiko
- •Wartefrist: meist 30 oder 60 Tage
- •80% des Lohns
- •Prämie ca. 1-3% des Bruttolohns
Wichtig bei KTG
So hilft Clino bei der Lohnfortzahlung
Clino automatisiert die Berechnung der Lohnfortzahlung für Ihren Privathaushalt:
Clino erkennt automatisch den Kanton und die geltende Skala
Dienstjahre werden laufend nachgeführt
Bei Krankheit berechnet Clino die exakte Lohnfortzahlungsdauer
Die Lohnabrechnung weist die Fortzahlung korrekt aus
Sie erhalten eine Erinnerung, wenn das Ende der Lohnfortzahlung naht
Direkt starten in Ihrem Kanton
Alle Infos zu Ausgleichskasse, Beiträgen und Anmeldung.
Häufige Fragen
Wie lange muss ich meiner Putzfrau bei Krankheit den Lohn weiterzahlen?
Das hängt vom Arbeitskanton und den Dienstjahren ab. Im 1. Dienstjahr sind es je nach Kanton 3 Wochen oder 1 Monat, im 2. Dienstjahr zum Beispiel 1 Monat in Bern, 8 Wochen in Zürich und 2 Monate in Basel. Die Dauer gilt pro Dienstjahr für alle Krankheitsfälle zusammen. Den Wert für Ihren Kanton zeigt der Rechner in diesem Artikel.
Was ist die Berner Skala bei der Lohnfortzahlung?
Die Berner Skala ist eine von der Rechtsprechung entwickelte Richtlinie für die Dauer der Lohnfortzahlung nach Art. 324a OR. Sie beginnt bei 3 Wochen im 1. Dienstjahr und steigt stufenweise auf 6 Monate ab dem 20. Dienstjahr. Für Hausangestellte gilt sie in 8 Kantonen, darunter Aargau, Tessin und Genf; die übrigen rechnen mit der Basler oder Zürcher Skala oder mit der eigenen Tabelle ihres NAV.
Berner Skala Lohnfortzahlung Tabelle - welche Dauer gilt?
1. DJ: 3 Wochen, 2. DJ: 1 Monat, 3.-4. DJ: 2 Monate, 5.-9. DJ: 3 Monate, 10.-14. DJ: 4 Monate, 15.-19. DJ: 5 Monate, 20.+ DJ: 6 Monate. Diese Werte gelten pro Dienstjahr, für alle Krankheitsfälle zusammen.
Lohnt sich eine Krankentaggeldversicherung für meine Haushaltshilfe?
In 15 Kantonen stellt sich die Frage nicht: dort verlangt der kantonale Normalarbeitsvertrag die KTG. Wo sie freiwillig ist, lohnt sie sich besonders ab dem 2. Dienstjahr. Die Prämie liegt bei rund 1-3% des Bruttolohns, wird in der Regel hälftig geteilt und deckt bis zu 720 Tage zu 80% des Lohns. Das ist deutlich mehr als die gesetzliche Lohnfortzahlung.
Gilt die Lohnfortzahlung auch bei Stundenlohn?
Ja. Auch bei Stundenlohn besteht die volle Lohnfortzahlungspflicht. Massgebend ist der Durchschnittslohn der letzten 12 Monate (oder seit Stellenantritt, falls kürzer). Auch die Ferienentschädigung zählt mit; welcher Prozentsatz beim Stundenlohn gilt, hängt von den Ferienwochen ab.
Was passiert, wenn die Lohnfortzahlung aufgebraucht ist?
Nach Ablauf der Lohnfortzahlung besteht keine weitere Zahlungspflicht des Arbeitgebers. Die Arbeitnehmerin kann allenfalls Leistungen der Krankenversicherung (Taggeld, sofern privat versichert) oder Sozialhilfe beantragen. Eine KTG-Versicherung würde in diesem Fall bis zu 720 Tage weiterzahlen. Was bei einer langen Krankheit danach kommt, bis hin zur IV, zeigt der Leitfaden zu Taggeld und IV.
Quellen & weiterführende Informationen
- 1OR Art. 324a - Lohnfortzahlung bei Verhinderung des Arbeitnehmers. fedlex.admin.ch
- 2NAV Hauswirtschaft (SR 221.215.329.4). fedlex.admin.ch
- 3Bundesgericht - Rechtsprechung zu Lohnfortzahlungsskalen. bger.ch
- 4SECO - Arbeitsrecht und Arbeitsverhältnisse. seco.admin.ch
Lohnfortzahlung automatisch berechnen
Clino kennt die korrekte Skala für Ihren Kanton und berechnet die Lohnfortzahlung automatisch. Kein Nachschlagen, keine Fehler. Testen Sie es mit unserem Kostenrechner.
Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel bietet allgemeine Informationen zur Lohnfortzahlung bei Krankheit und den verschiedenen Skalen in der Schweiz. Er ersetzt keine rechtliche Beratung. Die genauen Bestimmungen können je nach Kanton, Arbeitsvertrag und Einzelfall variieren. Für spezifische Fragen konsultieren Sie bitte eine Fachperson. Informationen basieren auf Art. 324a OR, Stand 2026.
