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Versicherung

VAVplus erklärt: UVG-Unfallversicherung im vereinfachten Verfahren

Seit dem 1. Januar 2025 gibt es VAVplus: das vereinfachte Abrechnungsverfahren plus UVG-Unfallversicherung. Eine Abrechnung, eine Anlaufstelle, ein Verfahren. Dieser Artikel erklärt, was sich ändert, was es kostet und für wen es sich lohnt. So detailliert wie sonst nirgends.

Das Wichtigste in Kürze

  • 1VAVplus ist seit 1. Januar 2025 verfügbar und kombiniert das vereinfachte Abrechnungsverfahren (VAV) mit UVG-Unfallversicherung in einem einzigen Verfahren.
  • 2Die UVG-Versicherung läuft über SOLIDA Versicherungen AG. Die Gesellschaft ist bereits seit der Einführung des UVG 1984 als Unfallversicherer etabliert.
  • 3BU-Prämie 2026: 0,505% des Bruttolohns. NBU-Prämie (ab 8h/Woche): 1,432%. Deutlich günstiger als die meisten Standalone-Policen.
  • 4Maximaler versicherter Lohn: CHF 22'680 pro Arbeitnehmer/Jahr, CHF 60'480 Gesamtlohnsumme pro Haushalt.
  • 5Anmeldung über die kantonale Ausgleichskasse. VAVplus als Option auf dem Formular ankreuzen. Aktuell in 19 von 26 Kantonen verfügbar.

Was ist VAVplus?

VAVplus steht für 'Vereinfachtes Abrechnungsverfahren plus'. Es ist eine Erweiterung des seit 2008 bestehenden vereinfachten Abrechnungsverfahrens (VAV), das Privathaushalten erlaubt, Sozialversicherungsbeiträge über einen pauschalen Quellensteuersatz abzurechnen.

Das Neue: Seit dem 1. Januar 2025 können Arbeitgeber im vereinfachten Verfahren die UVG-Unfallversicherung direkt über die Ausgleichskasse mitversichern, sofern die eigene Ausgleichskasse VAVplus anbietet. Das ist aktuell bei 19 der 26 kantonalen Ausgleichskassen der Fall. Der Versicherungsträger ist SOLIDA Versicherungen AG mit Sitz in Zürich (Saumackerstrasse 35, 8048 Zürich).

Konkret bedeutet das: Sie melden Ihre Haushaltshilfe bei der Ausgleichskasse an, wählen VAVplus, und die UVG-Versicherung wird automatisch aktiviert. Keine separate Versicherung, kein zusätzlicher Papierkram, keine zweite Rechnung.

Rechtsgrundlage

SOLIDA wurde 1984 von einem Grossteil der damaligen Schweizer Krankenkassen als UVG-Partner gewählt und übernimmt diese Rolle bis heute im vereinfachten Verfahren. Die Rechtsgrundlage bilden die Änderungen im BGSA (Bundesgesetz gegen Schwarzarbeit) und der VOSA (Verordnung über Massnahmen gegen Schwarzarbeit).

Eine Abrechnung, eine Anlaufstelle, ein Verfahren. Das ist VAVplus.

VAV vs. VAVplus: Was ist neu?

Das bisherige vereinfachte Verfahren (VAV) hatte eine grosse Lücke: Keine Unfallversicherung. VAVplus schliesst sie.

Altes VAV (vor 2025)

  • Nur AHV/IV/EO/ALV und Quellensteuer abgedeckt
  • UVG-Unfallversicherung muss separat abgeschlossen werden
  • Zwei Abrechnungen, zwei Anlaufstellen
  • UVG-Mindestprämie oft CHF 100+ bei Privatversicherern

VAVplus (seit Januar 2025)

  • AHV/IV/EO/ALV, Quellensteuer UND UVG in einem Verfahren
  • UVG automatisch über SOLIDA Versicherungen AG versichert
  • Eine Abrechnung, eine Anlaufstelle (Ausgleichskasse)
  • UVG-Prämie proportional zum Lohn: ab wenigen Franken pro Jahr

Wie viel kostet VAVplus?

Die UVG-Prämien bei VAVplus sind proportional zum Bruttolohn. Das macht einen enormen Unterschied für Privathaushalte mit kleinen Pensen:

0,505%
BU-Prämie 2026 (Berufsunfall)
1,432%
NBU-Prämie 2026 (ab 8h/Woche)
bis 74%
Ersparnis vs. Standalone-UVG
19/26
Kantone bieten VAVplus als Opt-in an
CHF

Beispiel 1: Putzfrau, 4h/Woche, CHF 25/h = CHF 5'200 Jahreslohn. BU-Prämie via VAVplus: CHF 26.26 pro Jahr. Zum Vergleich: Die meisten Standalone-UVG-Policen verlangen eine Mindestprämie von CHF 100.

CHF

Beispiel 2: Haushaltshilfe, 8h/Woche, CHF 20/h = CHF 8'320 Jahreslohn. BU-Prämie: CHF 42.02. NBU-Prämie (da 8h+): CHF 119.14. Total: CHF 161.16 pro Jahr. Für die komplette Unfallversicherung.

CHF

Bei kleinen Pensen unter CHF 5'000 Jahreslohn wird der Kostenvorteil besonders deutlich: Sie zahlen nur, was proportional anfällt, statt eine Mindestprämie, die den effektiven Bedarf bei Weitem übersteigt.

Bei kleinen Pensen zahlen Sie mit VAVplus nur wenige Franken pro Jahr. Statt einer Mindestprämie von CHF 100+.

Wer zahlt die Prämie?

BU-Prämie: immer der Arbeitgeber. NBU-Prämie (ab 8h/Woche): darf dem Arbeitnehmer über den Lohnabzug belastet werden, wenn im Arbeitsvertrag vereinbart.

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In 3 Schritten anmelden

Die Anmeldung für VAVplus läuft über Ihre kantonale Ausgleichskasse. Der Prozess ist bewusst einfach gehalten:

1

Bei der kantonalen Ausgleichskasse registrieren

Melden Sie sich als Arbeitgeber bei der AHV-Ausgleichskasse Ihres Kantons an. Falls Sie bereits im vereinfachten Verfahren angemeldet sind, können Sie per 1. Januar des nächsten Jahres auf VAVplus wechseln.

2

VAVplus auf dem Formular ankreuzen

Auf dem Anmeldeformular wählen Sie die Option 'VAVplus' (oder 'Vereinfachtes Abrechnungsverfahren plus UVG'). Damit wird die UVG-Versicherung über SOLIDA automatisch aktiviert.

3

Fertig: UVG läuft automatisch

Die Ausgleichskasse übermittelt Ihre Daten an SOLIDA Versicherungen AG. Die UVG-Deckung beginnt sofort, die Prämien werden zusammen mit den Sozialversicherungsbeiträgen abgerechnet.

Kündigungsfrist beachten

Wichtig: Bestehende UVG-Policen müssen zuerst gekündigt werden. Beachten Sie die Kündigungsfrist Ihres aktuellen UVG-Versicherers (in der Regel 3 Monate zum Jahresende). Der Wechsel zu VAVplus ist jeweils per 1. Januar möglich.

Grenzen und Einschränkungen

VAVplus ist eine exzellente Lösung, aber nicht für jeden Anwendungsfall. Kennen Sie die Grenzen:

CHF 22'680
Max. Lohn pro Arbeitnehmer/Jahr
CHF 60'480
Max. Gesamtlohnsumme pro Haushalt/Jahr

Was bedeutet das praktisch?

Für die grosse Mehrheit der Privathaushalte (Putzfrau, Babysitter, Gartenhilfe mit Teilzeitpensum) sind diese Grenzen kein Problem. Die Lohnobergrenzen betreffen nur Vollzeit-Hausangestellte.

Wer sollte VAVplus nutzen?

Die Entscheidung ist in den meisten Fällen eindeutig:

Ideal für

  • Privathaushalt + Arbeitnehmer verdient weniger als CHF 22'680/Jahr: VAVplus ist die optimale Lösung. Ein Verfahren, ein Ansprechpartner, die günstigsten Prämien.
  • Bestehende VAV-Nutzer: Wechseln Sie per 1. Januar auf VAVplus, um die UVG-Versicherung zu integrieren und eine separate Police zu sparen.

Nicht geeignet für

  • Privathaushalt + Arbeitnehmer verdient mehr als CHF 22'680/Jahr: Sie können das vereinfachte Verfahren nicht nutzen. Melden Sie sich regulär bei der Ausgleichskasse an und schliessen Sie eine separate UVG-Versicherung ab.
  • Gewerblicher Betrieb: VAVplus ist nicht verfügbar. Nutzen Sie die Suva (wenn Branche zugeordnet) oder einen zugelassenen UVG-Privatversicherer.

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4 Fragen helfen Ihnen, die richtige Unfallversicherung für Ihre Haushaltshilfe zu finden.

1. Wie viele Stunden pro Woche arbeitet Ihre Haushaltshilfe bei Ihnen?

2. Arbeitet Ihre Haushaltshilfe bei mehreren Arbeitgebern?

3. Wie wichtig ist Ihnen ein einfacher Abschluss ohne Offertvergleich?

4. Hat Ihre Haushaltshilfe bereits eine private Unfallversicherung?

Häufige Fragen zu VAVplus

Ist VAVplus in allen Kantonen verfügbar?
Nein, noch nicht überall. VAVplus wird von 19 der 26 kantonalen Ausgleichskassen als Opt-in bei der Anmeldung angeboten (Stand 2026). In den übrigen sieben Kantonen (UR, NE, FR, SH, AR, AI, GR) haben wir aktuell keine Möglichkeit gefunden, UVG über VAVplus mitzuversichern. Dort schliessen Sie die UVG-Versicherung separat bei einem privaten Unfallversicherer ab. Ob Ihre Ausgleichskasse VAVplus führt, erfahren Sie direkt bei ihr oder bei Clino.
Kann ich meinen bestehenden UVG-Versicherer behalten und trotzdem VAVplus nutzen?
Nein. Bei VAVplus läuft die UVG-Versicherung ausschliesslich über SOLIDA Versicherungen AG. Eine bestehende UVG-Police muss gekündigt werden, bevor VAVplus aktiviert werden kann.
Was passiert bei einem Unfall: an wen wende ich mich?
Bei einem Unfall melden Sie diesen Ihrer kantonalen Ausgleichskasse. Diese leitet die Meldung an SOLIDA weiter. SOLIDA übernimmt die Abwicklung: Heilungskosten, Taggeld und ggf. Rentenleistungen gemäss UVG.
Kann ich von VAV auf VAVplus wechseln?
Ja. Wenn Sie bereits im vereinfachten Verfahren angemeldet sind, können Sie per 1. Januar des nächsten Jahres auf VAVplus umstellen. Informieren Sie Ihre Ausgleichskasse rechtzeitig vor Jahresende. Stichtag für den Wechsel ist der 31. Dezember.
Deckt VAVplus auch Nichtberufsunfälle (NBU)?
Ja, wenn Ihr Arbeitnehmer mindestens 8 Stunden pro Woche bei Ihnen arbeitet. In diesem Fall ist die NBU-Versicherung über VAVplus/SOLIDA automatisch enthalten. Bei weniger als 8 Stunden pro Woche laufen Freizeitunfälle über die Krankenkasse (KVG) des Arbeitnehmers.

Quellen

  • AHV-Merkblatt 2.07: Vereinfachtes Abrechnungsverfahren (ahv-iv.ch/p/2.07.d); für die kantonale Verfügbarkeit von VAVplus verweist das Merkblatt auf die jeweils zuständige Ausgleichskasse. Wir haben das für alle 26 Kantone einzeln nachgeprüft.
  • CHSS-Artikel: Neues vereinfachtes Abrechnungsverfahren plus (sozialesicherheit.ch)
  • SVA St. Gallen: Information zu VAVplus
  • AK Basel-Stadt: Vereinfachtes Verfahren
Salvador Jovells

Salvador Jovells, Gründer von Clino

Geprüft Juli 2026