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Verfahren & Sozialversicherung

Vereinfachtes Verfahren: Was Ihnen niemand über die Nachteile erzählt

Zwei Frauen mit Brille gehen am Küchentisch gemeinsam Unterlagen durch, eine zeigt mit dem Finger auf ein Blatt
Eine Abrechnung pro Jahr klingt verlockend, doch die Nachteile liegen bei der Steuer, den Lohngrenzen und der Jahresrechnung.

Das vereinfachte Abrechnungsverfahren klingt verlockend: eine Abrechnung pro Jahr, die Steuer gleich dabei, wenig Papierkram. Die AHV-Beiträge sind dabei dieselben wie im ordentlichen Verfahren. Die Nachteile liegen woanders: bei der Steuer von 5 %, bei den Lohngrenzen und bei der Jahresrechnung. Dieser Artikel zeigt ehrlich, wo die Grenzen liegen und wann das ordentliche Verfahren die bessere Wahl ist.

Sie haben eine Putzfrau gefunden, 4 Stunden pro Woche, CHF 30/Stunde. Die Ausgleichskasse bietet das «vereinfachte Verfahren» an. Klingt perfekt, und oft ist es das auch. Doch dann fragt Ihre Putzfrau, warum ihr 5 % Steuer abgezogen werden, obwohl sie Schweizerin ist und sonst kaum Steuern zahlt. Was steckt dahinter?

Antwort in 30 Sekunden

Das vereinfachte Verfahren kürzt keine Sozialbeiträge: AHV/IV/EO (10.6 %) und ALV (2.2 %) sind gleich hoch wie im ordentlichen Verfahren und zählen gleich für die Rente. Die echten Nachteile sind die Steuer von 5 % für alle Angestellten, harte Lohngrenzen und eine einzige Rechnung pro Jahr.

  • Die 5 % ziehen Sie vom Lohn Ihrer Angestellten ab. Sie sind endgültig, gelten auch für Schweizerinnen und können mehr sein als ihre normale Steuer.
  • Nur bis CHF 22'680 Jahreslohn pro Person und CHF 60'480 für den ganzen Haushalt. Wird eine Grenze überschritten, rechnet die Kasse das ganze Jahr ordentlich ab.
  • Alle Angestellten im Haushalt laufen im selben Verfahren. Freiwillig wechseln geht nur auf den 1. Januar.

Was ist das vereinfachte Abrechnungsverfahren?

Das vereinfachte Abrechnungsverfahren steht im Bundesgesetz gegen die Schwarzarbeit (BGSA, Art. 2 und 3). Es soll kleine Anstellungen im Haushalt einfach machen: Sie rechnen einmal pro Jahr mit der Ausgleichskasse ab, und die Kasse zieht zugleich eine Quellensteuer von 5 % ein (Art. 37a DBG).

Die Sozialbeiträge ändern sich dadurch nicht: AHV/IV/EO 10.6 % und ALV 2.2 %, je zur Hälfte von Ihnen und von der Angestellten getragen, dazu der kantonale Beitrag an die Familienausgleichskasse. Die 5 % kommen als Steuer dazu und gehen vom Lohn der Angestellten ab. Möglich ist das bis CHF 22'680 Jahreslohn pro Person und CHF 60'480 Lohnsumme im ganzen Haushalt.

Das Verfahren gilt seit 2008. Die Idee: Wer eine Putzfrau ein paar Stunden pro Woche beschäftigt, soll sie ohne grossen Aufwand korrekt anmelden können. Machen Sie den 60-Sekunden-Eignungs-Check, um zu sehen, ob es für Ihre Situation noch passt.

5 %
Quellensteuer, vom Lohn der Angestellten
CHF 22'680
Max. Jahreslohn pro Person
12.8 %
AHV/IV/EO + ALV, in beiden Verfahren gleich
1×
Rechnung pro Jahr, keine Akontozahlungen

Die Vorteile - fair und ehrlich

Ja, das vereinfachte Verfahren hat echte Vorteile. Wir verschweigen sie nicht:

Extrem einfach: eine Abrechnung pro Jahr bei der Ausgleichskasse, Sozialbeiträge und Steuer auf derselben Rechnung
In der Regel kein Lohnausweis: Ihre Angestellte erhält von der Kasse eine Bescheinigung über die abgelieferte Steuer
Steuer erledigt: Mit den 5 % ist die Steuer auf diesen Lohn endgültig bezahlt, auch für Schweizerinnen
Keine Akontozahlungen: Sie zahlen einmal, im Nachhinein, statt während des Jahres
Gleicher Schutz: AHV/IV/EO und ALV wie im ordentlichen Verfahren, die Beiträge zählen voll für ihre Rente

So weit, so gut. Aber jetzt kommt der Teil, den die meisten weglassen.

Die Nachteile - was Sie wirklich wissen sollten

Hier wird es ehrlich. Die meisten Webseiten hören bei den Vorteilen auf. Wir nicht.

1Die 5 % können mehr sein als ihre normale Steuer

Die Pauschale ist eine Steuer, kein Sozialbeitrag, und sie ist endgültig: keine Abzüge, keine Rückerstattung. Ist Ihre Stelle ihr einziges oder fast einziges Einkommen, läge ihre normale Steuer oft tiefer, manchmal bei null. Hat sie weitere Einkünfte, ist die Pauschale dagegen meist günstiger. Der Check weiter unten rechnet es für Ihren Kanton aus.

2Lohndeckel: CHF 22'680 pro Jahr und Person

Das vereinfachte Verfahren gilt nur bis CHF 22'680 Jahreslohn pro Angestellte, mit Ferienentschädigung und Kost und Logis. Bei CHF 30/Stunde und 15 Stunden/Woche sind das bereits CHF 23'400. Sie überschreiten die Grenze, und die Kasse rechnet das ganze Kalenderjahr ab 1. Januar ordentlich ab, nicht erst ab dem Monat der Überschreitung. Viele Arbeitgeber merken das zu spät.

3Alle oder keine

Das Verfahren gilt für alle Angestellten Ihres Haushalts gemeinsam, und alle Löhne zusammen dürfen CHF 60'480 im Jahr nicht übersteigen. Kommt eine Nanny mit mehr als CHF 22'680 Jahreslohn dazu, wechselt auch die Putzfrau ins ordentliche Verfahren. Einzeln aussteigen kann keine Angestellte, auch nicht wegen der Steuer.

4Eine Rechnung für das ganze Jahr

Im vereinfachten Verfahren gibt es keine Akontozahlungen. Sie melden die Lohnsumme bis zum 30. Januar des Folgejahres und zahlen dann Beiträge und Steuer für zwölf Monate innert 30 Tagen. Legen Sie das Geld monatlich zur Seite. Wer die Fristen verpasst, riskiert Verzugszinsen und den Ausschluss aus dem Verfahren.

5Sie haften für die Steuer

Die 5 % ziehen Sie jeden Monat vom Lohn ab und liefern sie über die Kasse ab. Vergessen Sie den Abzug, schulden Sie die Steuer trotzdem: Als Arbeitgeber haften Sie dafür (AHV-Merkblatt 2.07). Halten Sie den Abzug deshalb von Anfang an im Arbeitsvertrag und auf jeder Lohnabrechnung fest.

6Wechseln nur auf den 1. Januar

Freiwillig wechseln Sie das Verfahren nur auf Beginn eines Kalenderjahres. Merkt Ihre Angestellte im Frühling, dass die 5 % für sie zu viel sind, gilt das ordentliche Verfahren frühestens ab dem nächsten Januar. Sprechen Sie deshalb vor der Anmeldung mit ihr über die Steuer.

Lohnt sich die 5-Prozent-Pauschale für Ihre Angestellte?

Die Pauschale zahlt nicht der Haushalt, sondern die Angestellte. Vier Angaben, und Sie sehen, ob das ordentliche Verfahren für sie günstiger wäre.

Aufenthaltsstatus

Einkommen

Pauschale 5 %: CHF 50.00 pro Monat, endgültig, keine Abzüge, keine Rückerstattung.

Ordentlicher Quellensteuertarif A0 Zürich: CHF 2.10 pro Monat (0.21 %).

Quelle: ESTV-Quellensteuertarife 2026, Tarif A0 (alleinstehend, ohne Kinder, ohne Kirchensteuer), zwischen den Tabellenpunkten geschätzt.

Anatomie

Der Monat, in dem das Verfahren kippt

Lohnkonto 2026

Eine Haushaltshilfe, ein Arbeitgeber

Monatslohn (CHF 30 × 15 Std./Woche)CHF 1'950
Kumuliert nach OktoberCHF 19'500
Kumuliert nach NovemberCHF 21'450
Grenze vereinfachtes VerfahrenCHF 22'680
Kumuliert nach DezemberCHF 23'400
Abrechnung für das ganze Jahrordentliches Verfahren
  1. CHF 30 in der Stunde bei 15 Stunden pro Woche sind CHF 1'950 im Monat. Bis November bleiben Sie darunter, im Dezember sind Sie bei CHF 23'400.

  2. Die Grenze liegt bei CHF 22'680 Jahreslohn, pro Arbeitnehmerin und pro Arbeitgeber. Sie zählt das Kalenderjahr, nicht die zwölf Monate ab Beginn.

  3. Der Wechsel gilt nicht erst ab Dezember. Die Kasse rechnet das ganze Jahr ab 1. Januar ordentlich ab: gleiche Sozialbeiträge, aber normale Besteuerung statt der 5 %, und die Pensionskasse kann dazukommen.

  4. Deshalb ist die Zahl, die Sie im Auge behalten müssen, die kumulierte Jahressumme, nicht der Monatslohn.

Der häufigste Irrtum

Viele Seiten schreiben, das vereinfachte Verfahren bedeute tiefere AHV-Beiträge und damit eine kleinere Rente. Das stimmt nicht. Die Beiträge sind gleich hoch wie im ordentlichen Verfahren und werden ebenso dem AHV-Konto Ihrer Angestellten gutgeschrieben. Die 5 % sind eine Steuer und kommen obendrauf.

Gleiche AHV-Beiträge, gleiche Rente. Der Unterschied ist die Steuer.

Vereinfachtes vs. Ordentliches Verfahren

Hier der direkte Vergleich, damit Sie eine fundierte Entscheidung treffen können:

Vereinfachtes Verfahren

  • •AHV/IV/EO 10.6 % und ALV 2.2 %, je zur Hälfte
  • •Dazu 5 % Quellensteuer für alle, endgültig
  • •Max. CHF 22'680 pro Person und CHF 60'480 pro Haushalt
  • •Alle Angestellten im selben Verfahren
  • •Eine Rechnung pro Jahr, keine Akontozahlungen
  • •In der Regel kein Lohnausweis

Ordentliches Verfahren

  • •AHV/IV/EO 10.6 % und ALV 2.2 %, je zur Hälfte
  • •Quellensteuer nur ohne C-Bewilligung, nach kantonalem Tarif; Schweizerinnen versteuern selbst
  • •Keine Lohnobergrenze
  • •Pensionskasse Pflicht über CHF 22'680 Jahreslohn
  • •Akontobeiträge während des Jahres
  • •Lohnausweis jedes Jahr

Mehr zum ordentlichen Verfahren und den einzelnen Schritten lesen Sie in unseren Artikeln Putzfrau anmelden und AHV-Anmeldung für Ihre Haushaltshilfe. Einen Vergleich der Abrechnungsoptionen finden Sie unter Vereinfacht oder ordentlich: der direkte Vergleich.

→ Schwellenwerte 2026: die komplette Referenztabelle

Wann Sie auf das ordentliche Verfahren wechseln sollten

Das vereinfachte Verfahren ist nicht per se schlecht. Aber es passt nicht für jede Situation. Hier unsere ehrliche Empfehlung:

1

Ein Lohn übersteigt CHF 22'680 im Jahr

Dann ist das vereinfachte Verfahren nicht mehr möglich, und zwar für das ganze Jahr. Bei CHF 30/Stunde reichen dafür gut 14.5 Stunden pro Woche. Planen Sie Lohnerhöhungen deshalb auf den Jahreswechsel, nicht erst wenn die Ausgleichskasse nachfragt.

2

Die 5 % kosten Ihre Angestellte mehr als die normale Steuer

Das kommt vor, wenn Ihre Stelle ihr einziges oder fast einziges Einkommen ist. Im ordentlichen Verfahren wird der Lohn dann normal besteuert. Für Sie als Arbeitgeber kostet das keinen Franken mehr, nur etwas mehr Abrechnungsaufwand.

3

Eine zweite Angestellte kommt dazu

Zählen Sie die Löhne aller Angestellten zusammen. Liegt die Summe über CHF 60'480 oder verdient eine davon mehr als CHF 22'680, gilt für alle das ordentliche Verfahren.

4

Sie wollen die Kosten übers Jahr verteilen

Im ordentlichen Verfahren zahlen Sie Akontobeiträge während des Jahres statt einer grossen Rechnung im Nachhinein. Das ist etwas mehr Papier, dafür kein grosser Betrag auf einmal.

AK-Finder: deine kantonale Ausgleichskasse

Die AHV-Anmeldung läuft über die Ausgleichskasse deines Wohnkantons. Wähle deinen Kanton - du bekommst die zuständige Kasse, das Online-Portal und das Anmeldeformular.

Zürich

SVA Zürich

Online-Portal: AHVeasyFAK-Beitrag (Arbeitgeber): 1.025%
Website der Kasse+41 44 448 50 00

Quelle: offizielle Angaben der kantonalen Ausgleichskassen.

Clino führt Sie durch beide Verfahren

Clino prüft, welches Verfahren für Ihren Haushalt gilt, warnt Sie, bevor ein Lohn die Grenze erreicht, und bereitet Anmeldung, monatliche Lohnabrechnungen und die Jahresmeldung für Sie vor. Für CHF 19.90/Monat.

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Häufige Fragen

Ist das vereinfachte Verfahren illegal?
Nein. Es ist ein offizielles Verfahren aus dem Bundesgesetz gegen die Schwarzarbeit (BGSA, Art. 2 und 3), die 5 % stützen sich auf Art. 37a DBG. Ihre Angestellte ist damit genauso bei AHV, IV, EO und ALV versichert wie im ordentlichen Verfahren. Die Frage ist nicht, ob es legal ist, sondern ob es für Ihre Situation passt.
Bekommt meine Haushaltshilfe im vereinfachten Verfahren weniger AHV-Rente?
Nein. Bei CHF 18'000 Jahreslohn gehen in beiden Verfahren CHF 1'908 an AHV/IV/EO und CHF 396 an die ALV, je zur Hälfte von Ihnen und von ihr. Der ganze Lohn wird ihrem AHV-Konto gutgeschrieben. Im vereinfachten Verfahren gehen ihr zusätzlich CHF 900 Quellensteuer ab; das ist Steuer, nicht Rente.
Kann ich mitten im Jahr vom vereinfachten zum ordentlichen Verfahren wechseln?
Freiwillig nur auf den 1. Januar; sprechen Sie rechtzeitig mit Ihrer Ausgleichskasse. Anders ist es, wenn ein Lohn die Grenze von CHF 22'680 überschreitet: Dann rechnet die Kasse das ganze Jahr ordentlich ab. Alle Unterschiede im Überblick: vereinfachtes und ordentliches Verfahren im Vergleich.
Warum empfehlen Ausgleichskassen das vereinfachte Verfahren?
Weil es für kleine Anstellungen im Haushalt am wenigsten Aufwand macht: eine Abrechnung pro Jahr, die Steuer gleich dabei. Gespart wird Arbeit, nicht Schutz: Die Sozialbeiträge sind dieselben. Ob die 5 % für Ihre Angestellte günstig sind, ist eine andere Frage, und die klären Sie am besten mit ihr.
Muss meine Putzfrau dem vereinfachten Verfahren zustimmen?
Nein. Das Verfahren wählen Sie als Arbeitgeber, und es gilt für alle Angestellten Ihres Haushalts. Weil die 5 % aber von ihrem Lohn abgehen, sprechen Sie vorher mit ihr. Wäre das ordentliche Verfahren für sie günstiger, können Sie auf den nächsten 1. Januar wechseln.
Was passiert, wenn ich die Lohngrenze von CHF 22'680 überschreite?
Dann rechnet die Ausgleichskasse das ganze Kalenderjahr ab 1. Januar im ordentlichen Verfahren ab, nicht nur die Monate danach. Die Sozialbeiträge bleiben gleich hoch, aber statt der 5 % gilt die normale Besteuerung, und die Pensionskasse kann Pflicht werden. Behalten Sie den Jahreslohn im Blick, oder nutzen Sie Clino, das Sie vor der Grenze warnt.
Gelten die 5 % Quellensteuer auch für Schweizerinnen?
Ja. Im vereinfachten Verfahren zahlen alle Angestellten die 5 %, auch Schweizerinnen und Personen mit C-Bewilligung, und niemand kann einzeln darauf verzichten. Dafür ist die Steuer auf diesen Lohn damit erledigt; sie erhält von der Kasse eine Bescheinigung. Wie die Quellensteuer sonst funktioniert: Quellensteuer für Haushaltshilfen.
Reicht das vereinfachte Verfahren auch für eine Nanny?
Nur für eine Teilzeit-Nanny. Ihr Jahreslohn darf CHF 22'680 nicht übersteigen, mit Ferienentschädigung und bei einer Live-in-Nanny mit Kost und Logis. Eine Vollzeit-Nanny liegt fast immer darüber. Bis zu wie vielen Stunden es passt: vereinfachtes Verfahren für die Nanny.
Wer zahlt die 5 %: ich oder meine Angestellte?
Ihre Angestellte. Sie ziehen die 5 % von ihrem Bruttolohn ab und zahlen sie mit der Jahresrechnung an die Ausgleichskasse. Ihr eigener Anteil an den Sozialbeiträgen ist derselbe wie im ordentlichen Verfahren, dazu kommt wie immer der Beitrag an die Familienausgleichskasse.

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Quellen & weiterführende Informationen

Salvador Jovells

Salvador Jovells, Gründer von Clino