Rechtsmythos
Scheinselbständigkeit bei der Putzfrau: Warum ein Gewerbeschein Sie nicht schützt

Scheinselbständig heisst: auf dem Papier selbständig, in Wirklichkeit angestellt. Schreibt Ihre Putzfrau Rechnungen, hat sie einen Gewerbeschein oder eine UID-Nummer, prüft die AHV trotzdem, wie tatsächlich gearbeitet wird. Hier steht, was sie prüft, wer bei einer Umstufung zahlt und was Sie heute tun.
Meistens müssen Sie sie trotzdem anmelden. Putzt sie bei Ihnen zu Hause, zu Ihren Zeiten und ohne eigenes Unternehmerrisiko, ist sie für die AHV Ihre Angestellte, auch mit Rechnung, Gewerbeschein oder UID-Nummer. Die Ausgleichskasse entscheidet im Einzelfall nach den tatsächlichen Verhältnissen.
- Stuft die Kasse sie nachträglich als Angestellte ein, zahlen Sie beide Beitragshälften in der Regel bis 5 Jahre zurück, dazu 5 % Verzugszins (Art. 14 und 16 AHVG).
- Ist sie bei ihrer Kasse als Selbständige angemeldet, lassen Sie sich die Bestätigung zeigen, und zwar für Reinigung in Privathaushalten: Die Anerkennung gilt pro Tätigkeit.
- Fehlt diese Bestätigung, melden Sie sie ab jetzt an und bereinigen die Vergangenheit.
Die Grundfrage mit Test in 6 Fragen beantwortet unser Ratgeber «Selbständig oder anstellen?». Hier geht es um den Fall, dass sie bereits als Selbständige auftritt.
Die 5 Mythen
Klicken Sie auf einen Mythos, um die rechtliche Wahrheit zu sehen:
Was die AHV prüft: vier Kriterien
Die AHV prüft vier Merkmale: wer die Weisungen gibt, ob sie in Ihrem Haushalt mit Ihren Mitteln arbeitet, ob sie ein Unternehmerrisiko trägt und ob sie persönlich kommen muss. Was jedes Merkmal im Alltag heisst, erklärt unser Ratgeber «Selbständig oder anstellen?». Für die Putzfrau, die jede Woche kommt, steht es sogar wörtlich im Gesetz:
Gesetzesgrundlage
«Als Einzelarbeitsvertrag gilt auch der Vertrag, durch den sich ein Arbeitnehmer zur regelmässigen Leistung von stunden-, halbtage- oder tageweiser Arbeit (Teilzeitarbeit) im Dienst des Arbeitgebers verpflichtet.»
Art. 319 Abs. 2 OR
Treffen diese Kriterien zu, ist sie Ihre Angestellte, egal was auf der Rechnung steht. Die echte Ausnahme: Eine Reinigungsfirma schickt Ihnen eine ihrer Angestellten. Dann sind Sie Kunde, und die Firma rechnet die Beiträge ab.
Unsicher, ob das auf Ihren konkreten Fall zutrifft? Unser Tool zur Anstellungsprüfung gibt Ihnen in wenigen Minuten die Antwort.
Die Konsequenzen bei einer Kontrolle
Stuft die Ausgleichskasse Ihre Putzfrau nachträglich als Angestellte ein, etwa nach einer Kontrolle oder einem Unfall, geht die Rechnung an Sie als Arbeitgeber:
Die Kasse fordert beide Hälften der AHV/IV/EO- und ALV-Beiträge bei Ihnen ein, auch den Anteil, den Sie nie vom Lohn abgezogen haben (Art. 14 AHVG), rückwirkend in der Regel bis 5 Jahre, nach einer Straftat 7 (Art. 16 AHVG). Dazu kommen 5 % Verzugszins pro Jahr. Was das für Ihren Haushalt ausmacht, rechnet der Risiko-Rechner für unangemeldete Putzfrauen durch.
UVG-Ersatzprämien

Was Gerichte sagen
In diesem Fall entschied das Bundesgericht, dass Telefonistinnen ('Telefon-Hostessen') eines Zuger Telekiosks unselbständig erwerbstätig waren, nicht selbständig. Massgebend sind die tatsächlichen Umstände, nicht die vertragliche Bezeichnung. Dieselben Abgrenzungskriterien gelten auch für Reinigungskräfte in Privathaushalten.
Auch wenn eine Reinigungskraft eine eigene Firma angemeldet hat, gilt nach ständiger bundesgerichtlicher Praxis ein unselbständiges Arbeitsverhältnis, sobald die tatsächlichen Umstände (Weisungsgebundenheit, kein Unternehmerrisiko) dies zeigen. Die vertragliche oder gewerberechtliche Bezeichnung ist nicht massgebend.
Was Sie stattdessen tun sollten
Erst die Bestätigung, dann die Anmeldung. Richtig angemeldet kostet Sie das 6.4 % des Bruttolohns für AHV/IV/EO und ALV, dazu Familienzulagen und Verwaltungskosten je nach Kanton. Wie die Anmeldung Schritt für Schritt geht, zeigt der Leitfaden zur Anmeldung. Haben Sie bisher auf Rechnung bezahlt, lesen Sie zuerst, wie Sie das ab jetzt ruhig bereinigen.
Nach der Bestätigung der Kasse fragen
Bitten Sie sie um die Bestätigung ihrer Ausgleichskasse, dass sie für Reinigung in Privathaushalten als Selbständige anerkannt ist. Liegt sie vor, bewahren Sie eine Kopie auf. Gewerbeschein, UID-Nummer oder Rechnung ersetzen sie nicht.
Vereinfachtes Verfahren nutzen
Fehlt die Bestätigung, melden Sie sie bei der Ausgleichskasse Ihres Wohnkantons an. AHV, IV, EO, ALV und Quellensteuer laufen dort in einem Abzug.
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Nachfragen statt raten: die Bestätigung
Maria
online
Soll ich Ihnen wieder eine Rechnung schreiben? Ich habe ja einen Gewerbeschein.
17:02Danke, Maria. Haben Sie von Ihrer Ausgleichskasse eine Bestätigung, dass Sie für Reinigung in Privathaushalten als Selbständige anerkannt sind?
17:20Nein, so etwas habe ich nicht.
17:24Dann melde ich Sie ab nächstem Monat richtig bei uns an. So sind Sie unfall- und sozialversichert, und für uns beide ist es sauber geregelt.
17:31Quellen & weiterführende Informationen
- 1OR Art. 319 - Definition Arbeitsvertrag - fedlex.admin.ch
- 2BSV - AHV-Beitragssätze & Beitragspflicht - bsv.admin.ch
- 3AHV-Informationsstelle - Sozialversicherungen für Hausangestellte - ahv-iv.ch
- 4SECO - Arbeitsrecht - seco.admin.ch
- 5SVA Zürich - Selbständigerwerbende: Anerkennung pro Tätigkeit - svazurich.ch
- 6AHVG Art. 14 und 16 - Beitragsbezug und Nachforderung - fedlex.admin.ch
Schluss mit Scheinselbständigkeit
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