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Rechte deiner Nanny

13. Monatslohn, Ferien & Krankheit: Was deiner Nanny zusteht (Schweiz)

Eine Nanny hat dieselben Rechte wie jede andere Arbeitnehmerin in der Schweiz - und ein paar Spezialregeln, die du als Familie kennen solltest. Hier ist die kompakte Übersicht: Ferien, 13. Monatslohn, Krankheit, Unfall, Schwangerschaft und Feiertage.

Lesedauer: 6 min · Stand: April 2026

Das musst du wissen

  • Ferien: 4 Wochen pro Jahr ist gesetzliches Minimum (5 für Nannies unter 20).
  • 13. Monatslohn: keine Pflicht - aber im Markt üblich, fairer Standard und Bindung an die Familie.
  • Krankheit: Lohnfortzahlung nach Berner/Basler/Zürcher Skala - von 3 Wochen bis 6 Monate je nach Dienstalter.
  • Unfall (UVG): Berufsunfall immer Pflicht, Nichtberufsunfall ab 8 Stunden/Woche.

Ferien - Mindestens 4 Wochen, oft 5

Das Schweizer Arbeitsrecht (OR Art. 329a) garantiert jeder Arbeitnehmerin mindestens 4 Wochen bezahlte Ferien pro Jahr. Bei jüngeren Nannies (unter 20 Jahre, bis Ende des Jahres in dem sie 20 werden) sind es 5 Wochen.

In der Praxis liegen Nanny-Verträge oft über dem Minimum. Familien, die langfristig Bindung suchen, geben 5 Wochen ab Tag 1 - besonders bei erfahrenen FaBe-Nannies. Ein Pluspunkt im Vertragsverhandlung-Markt.

Bei Stundenlohn (typisch für Teilzeit-Nannies): Du zahlst den Ferienzuschlag direkt mit jeder Lohnzahlung. 4 Wochen entsprechen 8.33% Zuschlag, 5 Wochen 10.64%. Beispiel: Nanny zahlt CHF 30/h netto = CHF 32.50/h brutto inkl. Ferienzuschlag.

Wichtig: Ferien dürfen NICHT in Geld abgelöst werden, ausser bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses. «Wir nehmen keine Ferien, dafür mehr Lohn» ist rechtlich nicht erlaubt. Auch wenn du den Ferienzuschlag im Stundenlohn auszahlst, muss die Nanny die Wochen physisch frei nehmen - der Zuschlag ersetzt das Geld, nicht die Erholung.

Pflicht-Ferien nach Alter

Bis 20 Jahre5 WochenAb 20 Jahre4 WochenAb 50 Jahre + 20 Dienstjahre5 Wochen (empfohlen)

Im Vertrag kannst du grosszügiger sein - das ist deine Bindungsstrategie.

13. Monatslohn - Pflicht oder Tradition?

Anders als oft vermutet ist der 13. Monatslohn in der Schweiz keine gesetzliche Pflicht - es ist eine vertragliche Vereinbarung. Du musst ihn nur zahlen, wenn er im Arbeitsvertrag steht oder du ihn jahrelang ohne Vorbehalt bezahlt hast (dann ist er stillschweigend vereinbart).

Im Nanny-Markt ist er praktisch Standard. Bei Vollzeit-Anstellungen ohne 13. fühlt sich der Lohn schnell zu tief an - gute Nannies werden andere Familien wählen, die den 13. zahlen.

💡 Praxistipp: Pro-rata-13. statt nichts

Bei Teilzeit-Nannies und Stundenlohn ist der 13. selten - der Stundenlohn deckt es ab. Bei Monatsanstellungen empfehle ich: schreibe «13. Monatslohn pro rata» rein. Wenn die Nanny im November eintritt, erhält sie einen anteiligen 13. (1/12 des Monatslohns × 2 Monate). Faire Geste, kostet kaum.

Wann auszahlen? Üblich ist Dezember (mit Dezember-Lohn) oder gesplittet auf Juni/Dezember. Halte das im Vertrag fest, damit es keine Diskussionen gibt.

Den 13. Monatslohn klären

Anna

online

Guten Tag, darf ich kurz fragen, ist bei uns ein 13. Monatslohn vorgesehen?

16:15

Guten Tag Anna, gern: Wir vereinbaren einen 13. Monatslohn, ausbezahlt im Dezember. Die Ferien (5 Wochen) sind im Monatslohn schon enthalten, Sie beziehen sie wie besprochen. Ich halte beides im Vertrag fest.

16:32

Super, vielen Dank für die klare Info!

16:35
Nachricht

Krankheit - die drei Skalen

Wenn deine Nanny krank wird, hast du als Arbeitgeberin Lohnfortzahlungspflicht (OR Art. 324a). Die Dauer richtet sich nach dem Dienstalter und der angewandten kantonalen Skala - Berner Skala, Basler Skala oder Zürcher Skala. Welche gilt, hängt von deinem Wohnkanton ab. Sie unterscheiden sich nur in den ersten Jahren leicht.

DienstjahrBerner SkalaBasler SkalaZürcher Skala
1. Jahr3 Wochen3 Wochen3 Wochen
2. Jahr1 Monat2 Monate8 Wochen
3. Jahr2 Monate2 Monate9 Wochen
5. Jahr3 Monate3 Monate13 Wochen
10. Jahr4 Monate4 Monate17 Wochen
20. Jahr6 Monate6 Monate25 Wochen

Während der Lohnfortzahlung erhält deine Nanny 100% des Lohns. Eine Krankentaggeld-Versicherung (KTG) übernimmt das Risiko: Du zahlst typisch 1.5-2.5% des Lohns für die Versicherung, die ab Tag 4 (oder nach Karenzfrist) 80% des Lohns für bis zu 730 Tage übernimmt. Bei längerer Krankheit ohne KTG zahlst du selbst.

📋 Arztzeugnis ab welchem Tag?

Üblich: ab dem 3. Krankheitstag verlangst du ein Arztzeugnis. Halte das im Vertrag fest. Tipp: bei Mehrtages-Krankheiten frühzeitig nachfragen - viele Familien kennen ihre Pflichten nicht und haben dann keine KTG.

Unfall - Berufsunfall immer Pflicht, Nichtberufsunfall ab 8 Stunden/Woche

Deine Nanny ist von der ersten Arbeitsstunde an obligatorisch gegen Berufsunfall (BU) versichert - unabhängig vom Pensum. Arbeitet sie mehr als 8 Stunden pro Woche bei dir, kommt zusätzlich die Pflicht zur Nichtberufsunfall-Versicherung (NBU) hinzu (UVG, Bundesgesetz über die Unfallversicherung).

  • Berufsunfall (BU): Während der Arbeit und auf dem Arbeitsweg. Du als Arbeitgeber zahlst die Prämie - vollumfänglich.
  • Nichtberufsunfall (NBU): Freizeit. Pflicht ab 8h/Woche bei demselben Arbeitgeber. Prämie darf auf die Nanny überwälzt werden (oft 1.0-1.5% des Lohns).
  • Leistungen: Heilkosten, Taggelder (80% des Lohns), Invalidenrente, Hinterbliebenenrente.

Seit 2025: Im vereinfachten Verfahren kannst du die UVG über VAVplus mitversichern (bei der Anmeldung wählbar) - in Kantonen, die VAVplus anbieten; sonst schliesst du sie separat ab.

Schwangerschaft & Mutterschaft

Wird deine Nanny schwanger, gelten besondere Schutzregeln. Die wichtigsten Punkte:

  • Kündigungsschutz während der gesamten Schwangerschaft + 16 Wochen nach der Geburt (OR Art. 336c).
  • Mutterschaftsentschädigung: 14 Wochen, 80% des Lohns (max. CHF 220/Tag), Voraussetzung: 9 Monate AHV vor Geburt + 5 Monate Erwerbstätigkeit.
  • Stillpause am Arbeitsplatz: bis zum 1. Lebensjahr des Kindes als bezahlte Arbeitszeit (90 Minuten pro Tag bei 7h-Tag).
  • Risiko-Beruf? Heben von schweren Kindern (>5kg) oder Säuglingen kann je nach Schwangerschaftswoche eingeschränkt sein. SECO-Mutterschutzverordnung.

Praktisch: Schwangerschaft ist für viele Familien ein emotionaler Moment - die Nanny sucht oft auch nach der Geburt zurückzukehren. Halte den Job offen, wenn möglich. Dauerhafte Bindung beginnt bei genau diesen Momenten.

Feiertage - kantonal verschieden

Anders als in vielen Ländern hat die Schweiz keine bundeseinheitliche Feiertags-Regelung. Jeder Kanton hat seine eigene Liste - und die unterscheidet sich erheblich.

KantonBezahlte Feiertage
Zürich9 Tage
Bern8 Tage
Genf9 Tage (inkl. Jeûne genevois)
Basel-Stadt10 Tage (inkl. 1. Mai)
Zug13 Tage
Tessin14 Tage

Liegt der Feiertag auf einem Arbeitstag deiner Nanny, zahlst du den Lohn weiter - ohne Arbeit. Bei Stundenlohn ist das nicht im Ferienzuschlag enthalten und muss separat verrechnet werden (oder im Stundenlohn-Pauschal abgegolten sein, was im Vertrag klar stehen muss).

Tipp: 1. August (Bundesfeiertag) ist in allen Kantonen bezahlter Feiertag - der einzige bundesweit garantierte Tag.

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Häufige Fragen

Muss ich der Nanny den 13. Monatslohn zahlen, auch wenn er nicht im Vertrag steht?
Nein, nicht zwingend. Der 13. ist freiwillig, sofern er nicht vertraglich oder durch jahrelange vorbehaltlose Zahlung vereinbart wurde. Aber: ohne 13. wirst du gegenüber Familien, die ihn anbieten, Mühe haben, gute Nannies zu finden. Ich empfehle ihn auf jeden Fall.
Bekommt meine Nanny Lohn, wenn sie wegen ihres eigenen kranken Kindes nicht kommt?
Ja, bis zu 3 Tage pro Krankheitsfall (OR Art. 329h, bezahlter Betreuungsurlaub). Bei längerer Pflege des eigenen Kindes greift in einigen Kantonen Familienzulagen-Recht - aber das ist keine direkte Lohnfortzahlung von dir.
Wie viele Ferien darf die Nanny am Stück nehmen?
Mindestens 2 zusammenhängende Wochen pro Jahr (OR Art. 329c). Den Rest könnt ihr aufteilen. In der Praxis nimmt eine Vollzeit-Nanny meist 2-3 Wochen im Sommer und 1 Woche zwischen den Jahren.
Was, wenn die Nanny am Feiertag eigentlich gearbeitet hätte?
Bei festen Wochentagen (z.B. Nanny arbeitet immer Mo-Mi) und der Feiertag fällt auf einen Arbeitstag → bezahlt frei. Bei flexiblen Schichten halte im Vertrag fest, ob Feiertage als bezahlte Tage zählen oder nachgeholt werden.
Ist die KTG-Versicherung wirklich nötig?
Nicht obligatorisch - aber dringend empfohlen. Bei einer Nanny-Anstellung kann eine 3-monatige Krankheit dich CHF 12'000+ kosten. Eine KTG (CHF 50-80/Mt.) deckt das ab. Im vereinfachten Verfahren ist sie meist nicht inkludiert, im regulären kannst du sie separat abschliessen.
Was, wenn die Nanny Mutterschaftsurlaub nimmt - wer zahlt?
Während der 14 Wochen erhält sie 80% des Lohns (max CHF 220/Tag) aus der Mutterschaftsentschädigung des Bundes - nicht von dir. Du füllst nur das Formular aus. Manche Familien zahlen freiwillig die fehlenden 20% - das ist eine Geste der Bindung, kein Muss.

Quellen

  • Schweizerisches Obligationenrecht (OR), Art. 324a (Lohnfortzahlung), Art. 329a (Ferien), Art. 336c (Kündigungsschutz)
  • Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG), SR 832.20 - 8h-Pflichtschwelle gilt nur für die Nichtberufsunfallversicherung (NBU)
  • Erwerbsersatzgesetz (EOG) - Mutterschaftsentschädigung 14 Wochen, 80% Lohn
  • Berner/Basler/Zürcher Skala - Bundesgericht-Praxis seit BGE 113 II 64

Beträge und Sätze Stand 2026.

Salvador Jovells

Salvador Jovells, Gründer von Clino

Geprüft Juli 2026