13. Monatslohn, Ferien & Krankheit: Was deiner Nanny zusteht (Schweiz)
Eine Nanny hat dieselben Rechte wie jede andere Arbeitnehmerin in der Schweiz - und ein paar Spezialregeln, die du als Familie kennen solltest. Hier ist die kompakte Übersicht: Ferien, 13. Monatslohn, Krankheit, Unfall, Schwangerschaft und Feiertage.
Das musst du wissen
- ✓Ferien: 4 Wochen pro Jahr ist gesetzliches Minimum (5 für Nannies unter 20).
- ✓13. Monatslohn: keine Pflicht - aber im Markt üblich, fairer Standard und Bindung an die Familie.
- ✓Krankheit: Lohnfortzahlung nach Berner/Basler/Zürcher Skala - von 3 Wochen bis 6 Monate je nach Dienstalter.
- ✓Unfall (UVG): Berufsunfall immer Pflicht, Nichtberufsunfall ab 8 Stunden/Woche.
Ferien - Mindestens 4 Wochen, oft 5
Das Schweizer Arbeitsrecht (OR Art. 329a) garantiert jeder Arbeitnehmerin mindestens 4 Wochen bezahlte Ferien pro Jahr. Bei jüngeren Nannies (unter 20 Jahre, bis Ende des Jahres in dem sie 20 werden) sind es 5 Wochen.
In der Praxis liegen Nanny-Verträge oft über dem Minimum. Familien, die langfristig Bindung suchen, geben 5 Wochen ab Tag 1 - besonders bei erfahrenen FaBe-Nannies. Ein Pluspunkt im Vertragsverhandlung-Markt.
Bei Stundenlohn (typisch für Teilzeit-Nannies): Du zahlst den Ferienzuschlag direkt mit jeder Lohnzahlung. 4 Wochen entsprechen 8.33% Zuschlag, 5 Wochen 10.64%. Beispiel: Nanny zahlt CHF 30/h netto = CHF 32.50/h brutto inkl. Ferienzuschlag.
⚠ Wichtig: Ferien dürfen NICHT in Geld abgelöst werden, ausser bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses. «Wir nehmen keine Ferien, dafür mehr Lohn» ist rechtlich nicht erlaubt. Auch wenn du den Ferienzuschlag im Stundenlohn auszahlst, muss die Nanny die Wochen physisch frei nehmen - der Zuschlag ersetzt das Geld, nicht die Erholung.
Pflicht-Ferien nach Alter
Im Vertrag kannst du grosszügiger sein - das ist deine Bindungsstrategie.
13. Monatslohn - Pflicht oder Tradition?
Anders als oft vermutet ist der 13. Monatslohn in der Schweiz keine gesetzliche Pflicht - es ist eine vertragliche Vereinbarung. Du musst ihn nur zahlen, wenn er im Arbeitsvertrag steht oder du ihn jahrelang ohne Vorbehalt bezahlt hast (dann ist er stillschweigend vereinbart).
Im Nanny-Markt ist er praktisch Standard. Bei Vollzeit-Anstellungen ohne 13. fühlt sich der Lohn schnell zu tief an - gute Nannies werden andere Familien wählen, die den 13. zahlen.
💡 Praxistipp: Pro-rata-13. statt nichts
Bei Teilzeit-Nannies und Stundenlohn ist der 13. selten - der Stundenlohn deckt es ab. Bei Monatsanstellungen empfehle ich: schreibe «13. Monatslohn pro rata» rein. Wenn die Nanny im November eintritt, erhält sie einen anteiligen 13. (1/12 des Monatslohns × 2 Monate). Faire Geste, kostet kaum.
Wann auszahlen? Üblich ist Dezember (mit Dezember-Lohn) oder gesplittet auf Juni/Dezember. Halte das im Vertrag fest, damit es keine Diskussionen gibt.
Den 13. Monatslohn klären
Anna
online
Guten Tag, darf ich kurz fragen, ist bei uns ein 13. Monatslohn vorgesehen?
16:15Guten Tag Anna, gern: Wir vereinbaren einen 13. Monatslohn, ausbezahlt im Dezember. Die Ferien (5 Wochen) sind im Monatslohn schon enthalten, Sie beziehen sie wie besprochen. Ich halte beides im Vertrag fest.
16:32Super, vielen Dank für die klare Info!
16:35Krankheit - die drei Skalen
Wenn deine Nanny krank wird, hast du als Arbeitgeberin Lohnfortzahlungspflicht (OR Art. 324a). Die Dauer richtet sich nach dem Dienstalter und der angewandten kantonalen Skala - Berner Skala, Basler Skala oder Zürcher Skala. Welche gilt, hängt von deinem Wohnkanton ab. Sie unterscheiden sich nur in den ersten Jahren leicht.
| Dienstjahr | Berner Skala | Basler Skala | Zürcher Skala |
|---|---|---|---|
| 1. Jahr | 3 Wochen | 3 Wochen | 3 Wochen |
| 2. Jahr | 1 Monat | 2 Monate | 8 Wochen |
| 3. Jahr | 2 Monate | 2 Monate | 9 Wochen |
| 5. Jahr | 3 Monate | 3 Monate | 13 Wochen |
| 10. Jahr | 4 Monate | 4 Monate | 17 Wochen |
| 20. Jahr | 6 Monate | 6 Monate | 25 Wochen |
Während der Lohnfortzahlung erhält deine Nanny 100% des Lohns. Eine Krankentaggeld-Versicherung (KTG) übernimmt das Risiko: Du zahlst typisch 1.5-2.5% des Lohns für die Versicherung, die ab Tag 4 (oder nach Karenzfrist) 80% des Lohns für bis zu 730 Tage übernimmt. Bei längerer Krankheit ohne KTG zahlst du selbst.
📋 Arztzeugnis ab welchem Tag?
Üblich: ab dem 3. Krankheitstag verlangst du ein Arztzeugnis. Halte das im Vertrag fest. Tipp: bei Mehrtages-Krankheiten frühzeitig nachfragen - viele Familien kennen ihre Pflichten nicht und haben dann keine KTG.
Unfall - Berufsunfall immer Pflicht, Nichtberufsunfall ab 8 Stunden/Woche
Deine Nanny ist von der ersten Arbeitsstunde an obligatorisch gegen Berufsunfall (BU) versichert - unabhängig vom Pensum. Arbeitet sie mehr als 8 Stunden pro Woche bei dir, kommt zusätzlich die Pflicht zur Nichtberufsunfall-Versicherung (NBU) hinzu (UVG, Bundesgesetz über die Unfallversicherung).
- ●Berufsunfall (BU): Während der Arbeit und auf dem Arbeitsweg. Du als Arbeitgeber zahlst die Prämie - vollumfänglich.
- ●Nichtberufsunfall (NBU): Freizeit. Pflicht ab 8h/Woche bei demselben Arbeitgeber. Prämie darf auf die Nanny überwälzt werden (oft 1.0-1.5% des Lohns).
- ●Leistungen: Heilkosten, Taggelder (80% des Lohns), Invalidenrente, Hinterbliebenenrente.
Seit 2025: Im vereinfachten Verfahren kannst du die UVG über VAVplus mitversichern (bei der Anmeldung wählbar) - in Kantonen, die VAVplus anbieten; sonst schliesst du sie separat ab.
Schwangerschaft & Mutterschaft
Wird deine Nanny schwanger, gelten besondere Schutzregeln. Die wichtigsten Punkte:
- ●Kündigungsschutz während der gesamten Schwangerschaft + 16 Wochen nach der Geburt (OR Art. 336c).
- ●Mutterschaftsentschädigung: 14 Wochen, 80% des Lohns (max. CHF 220/Tag), Voraussetzung: 9 Monate AHV vor Geburt + 5 Monate Erwerbstätigkeit.
- ●Stillpause am Arbeitsplatz: bis zum 1. Lebensjahr des Kindes als bezahlte Arbeitszeit (90 Minuten pro Tag bei 7h-Tag).
- ●Risiko-Beruf? Heben von schweren Kindern (>5kg) oder Säuglingen kann je nach Schwangerschaftswoche eingeschränkt sein. SECO-Mutterschutzverordnung.
Praktisch: Schwangerschaft ist für viele Familien ein emotionaler Moment - die Nanny sucht oft auch nach der Geburt zurückzukehren. Halte den Job offen, wenn möglich. Dauerhafte Bindung beginnt bei genau diesen Momenten.
Feiertage - kantonal verschieden
Anders als in vielen Ländern hat die Schweiz keine bundeseinheitliche Feiertags-Regelung. Jeder Kanton hat seine eigene Liste - und die unterscheidet sich erheblich.
| Kanton | Bezahlte Feiertage |
|---|---|
| Zürich | 9 Tage |
| Bern | 8 Tage |
| Genf | 9 Tage (inkl. Jeûne genevois) |
| Basel-Stadt | 10 Tage (inkl. 1. Mai) |
| Zug | 13 Tage |
| Tessin | 14 Tage |
Liegt der Feiertag auf einem Arbeitstag deiner Nanny, zahlst du den Lohn weiter - ohne Arbeit. Bei Stundenlohn ist das nicht im Ferienzuschlag enthalten und muss separat verrechnet werden (oder im Stundenlohn-Pauschal abgegolten sein, was im Vertrag klar stehen muss).
Tipp: 1. August (Bundesfeiertag) ist in allen Kantonen bezahlter Feiertag - der einzige bundesweit garantierte Tag.
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Jetzt einrichtenHäufige Fragen
Muss ich der Nanny den 13. Monatslohn zahlen, auch wenn er nicht im Vertrag steht?
Bekommt meine Nanny Lohn, wenn sie wegen ihres eigenen kranken Kindes nicht kommt?
Wie viele Ferien darf die Nanny am Stück nehmen?
Was, wenn die Nanny am Feiertag eigentlich gearbeitet hätte?
Ist die KTG-Versicherung wirklich nötig?
Was, wenn die Nanny Mutterschaftsurlaub nimmt - wer zahlt?
Quellen
- Schweizerisches Obligationenrecht (OR), Art. 324a (Lohnfortzahlung), Art. 329a (Ferien), Art. 336c (Kündigungsschutz)
- Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG), SR 832.20 - 8h-Pflichtschwelle gilt nur für die Nichtberufsunfallversicherung (NBU)
- Erwerbsersatzgesetz (EOG) - Mutterschaftsentschädigung 14 Wochen, 80% Lohn
- Berner/Basler/Zürcher Skala - Bundesgericht-Praxis seit BGE 113 II 64
Beträge und Sätze Stand 2026.
