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Sonderfall

Zwei Kantone, ein Haushalt: Anmeldung am Wohnsitz, Lohn und Feiertage am Arbeitsort

Familie beim Umzug: Frau und kleiner Junge packen im Flur einen Umzugskarton aus, ein Mann steht lächelnd in der Tür
Nach einem Umzug wechselt die Zuständigkeit mit Ihrem Wohnsitz zur Ausgleichskasse des neuen Kantons.

Arbeitet Ihre Angestellte in einem anderen Kanton, als Sie wohnen, gilt beides gleichzeitig: Die Ausgleichskasse Ihres Wohnkantons zieht die Beiträge ein, Mindestlohn, Feiertage und Kündigungsfristen kommen aus dem Kanton, in dem geputzt wird.

Antwort in 30 Sekunden

Anmelden und Beiträge zahlen Sie bei der Ausgleichskasse Ihres Wohnkantons, nicht dort, wo geputzt wird (Wegleitung WKB Rz. 1061, Art. 119 Abs. 2 AHVV). Mindestlohn, bezahlte Feiertage und Kündigungsfristen richten sich nach dem Kanton des Arbeitsorts.

  • Eine Anmeldung reicht: bei der Kasse Ihres Wohnkantons. Die Familienausgleichskasse hängt am selben Anschluss.
  • Lohnboden, Feiertage, Kündigungsfristen: nach dem Kanton, in dem gearbeitet wird.
  • Was viele übersehen: Im ordentlichen Verfahren geht die Quellensteuer an den Kanton, in dem die Angestellte wohnt (Art. 107 DBG).

Welcher Kanton gilt? Der 10-Sekunden-Check

Wohnsitz und Arbeitsort auswählen: Sie sehen sofort, welche Kasse und welcher Mindestlohn gelten.

Qualifikation der Angestellten

Regel: AHV/IV/EO, ALV und Familienzulagen richten sich nach dem Wohnsitz des Arbeitgebers; NAV- und kantonale Mindestlöhne nach dem Ort, an dem gearbeitet wird.

Drei Orte, drei Regeln

Ihr Wohnsitz: die Ausgleichskasse

Zuständig für Hausdienstpersonal ist in der Regel die Ausgleichskasse des Kantons, in dem Sie als Arbeitgeber wohnen (Wegleitung über die Kassenzugehörigkeit, WKB Rz. 1061). Rechnen Sie bereits mit einer anderen Kasse ab, etwa als Selbständige, dürfen Sie Ihre Hausangestellte dort mitanmelden (Art. 119 Abs. 2 AHVV). Der FAK-Beitragssatz folgt demselben Anschluss (Art. 12 FamZG).

Der Arbeitsort: Lohn und Arbeitsbedingungen

Der kantonale Normalarbeitsvertrag für die Hauswirtschaft gilt für Arbeit, die in diesem Kanton geleistet wird. Er regelt Arbeits- und Ruhezeiten, Feiertage, Probezeit und Kündigungsfristen. Ein kantonaler Mindestlohn (GE, NE, TI; BS und JU unter 5 Std./Woche) gilt ebenfalls am Arbeitsort. Putzt Ihre Angestellte in Ihrem Ferienhaus im Tessin, gilt für diese Stunden der Tessiner CNL, auch wenn Sie in Zürich wohnen und dort abrechnen.

Der Wohnort der Angestellten: die Quellensteuer

Im vereinfachten Verfahren zieht die Ausgleichskasse pauschal 5 % ab, da stellt sich keine Kantonsfrage. Im ordentlichen Verfahren gelten Tarif und Steueramt des Kantons, in dem die Angestellte bei der Lohnzahlung wohnt (Art. 107 DBG), also in der Regel weder Ihrer noch der des Arbeitsorts. Mehr dazu in unserem Ratgeber zur Quellensteuer.

Bundesrecht, überall gleich: AHV-Sätze, Unfallversicherung, vereinfachtes Verfahren.

Wann fällt das auseinander?

Bei den meisten Haushalten nie: Man wohnt und lässt putzen am selben Ort. Auseinander fällt es in vier Situationen:

  • Sie haben eine Zweitwohnung oder ein Ferienhaus in einem anderen Kanton und lassen dort reinigen.
  • Ihre Angestellte betreut die Wohnung Ihrer Eltern oder eine vermietete Wohnung in einem anderen Kanton.
  • Sie sind umgezogen, das Arbeitsverhältnis läuft aber am alten Ort weiter.
  • Sie wohnen knapp an einer Kantonsgrenze und der Einsatzort liegt auf der anderen Seite.

Was Sie praktisch tun

Eine Familie lädt am Strassenrand vor den Bergen ihr Auto aus, auf dem Weg zwischen zwei Wohnorten
Ein Haushalt, zwei Kantone: Angemeldet wird im Wohnkanton, Mindestlohn und Fristen richten sich nach dem Arbeitsort.
  1. Melden Sie sich bei der Ausgleichskasse Ihres Wohnkantons an, nur dort, nicht doppelt.

  2. Nehmen Sie Mindestlohn, Feiertage und Kündigungsfrist aus dem Kanton des Arbeitsorts und schreiben Sie den Arbeitsort in den schriftlichen Arbeitsvertrag.

  3. Arbeitet sie regelmässig in zwei Kantonen, gilt für jeden Einsatzort der dortige NAV. Lassen sich die Stunden nicht sauber trennen, nehmen Sie den für die Angestellte günstigeren Ansatz.

  4. Der eidgenössische NAV Hauswirtschaft mit seinen Mindestlöhnen gilt schweizweit ausser in Genf, und erst ab durchschnittlich 5 Stunden pro Woche beim gleichen Arbeitgeber.

Das Beispiel, an dem es sichtbar wird: Tessin

Der Tessiner CNL für das Hauspersonal gewährt in Art. 18 neun bezahlte Feiertage. Das kantonale Arbeitsinspektorat rechnet das für Angestellte im Stundenlohn in einen Zuschlag von 3.6 % auf den Grundlohn um. Nach Bundesrecht bezahlt wäre nur der 1. August, also 0.4 %. Wohnen Sie in Zürich und lassen im Tessin putzen, rechnen Sie bei der SVA Zürich ab und schulden trotzdem die Tessiner Feiertage.

Und die Unfallversicherung?

Sie ist Bundesrecht und kennt keine kantonale Zuständigkeit. Berufsunfälle sind ab der ersten Stunde zu versichern, Nichtberufsunfälle ab 8 Stunden pro Woche beim gleichen Arbeitgeber. Alle 26 Ausgleichskassen bieten die UVG über das vereinfachte Verfahren (VAVplus) bei der Anmeldung an, aber nur, wenn Sie sie ankreuzen.

Häufige Fragen

Muss ich mich in beiden Kantonen anmelden?

Nein. Ein Arbeitsverhältnis, eine Ausgleichskasse: die Ihres Wohnkantons. Eine zweite Anmeldung am Arbeitsort wäre falsch und führt zu doppelten Beitragsforderungen.

Ich habe zwei Wohnungen. Welche zählt als Wohnsitz?

Der Ort, an dem Sie mit der Absicht dauernden Verbleibens leben (Art. 13 ATSG, Art. 23 ZGB), in der Regel dort, wo Sie angemeldet sind und Steuern zahlen. Die Zweitwohnung ändert die Ausgleichskasse nicht. Sie bestimmt nur, welcher NAV und welcher Mindestlohn für die Stunden dort gelten.

Zählt nur der Kanton oder auch die Stadt?

Beim Mindestlohn zählt auch die Gemeinde des Arbeitsorts: Ein städtischer Mindestlohn gilt nur für Arbeit in dieser Stadt, nicht im ganzen Kanton. In der Stadt Luzern gilt seit dem 1. Januar 2026 ein Mindestlohn von CHF 22.75 pro Stunde. Stadt Zürich (CHF 23.90) und Winterthur (CHF 23.00) haben einen beschlossen, er ist aber noch nicht in Kraft. Bis dahin gilt dort wie im übrigen Kanton der NAV, für Angestellte ohne Ausbildung CHF 20.35 pro Stunde.

Welcher FAK-Satz gilt, wenn die Kantone auseinanderfallen?

Der Ihres Wohnkantons, weil die Familienausgleichskasse am selben Anschluss hängt wie die AHV (Art. 12 FamZG). Die Familienzulagen selbst richten sich nach der Situation der angestellten Person.

Ich bin umgezogen. Was passiert mit dem laufenden Arbeitsverhältnis?

Die Zuständigkeit wechselt mit Ihrem Wohnsitz zur Ausgleichskasse des neuen Kantons. Melden Sie den Wechsel beiden Kassen mit Datum, damit die Jahresabrechnung sauber aufgeteilt wird. Bleibt der Arbeitsort gleich, ändert sich am NAV nichts.

Und wenn die Angestellte im Ausland wohnt?

Dann ist für die Quellensteuer im ordentlichen Verfahren der Kanton zuständig, in dem Sie als Arbeitgeber wohnen (Art. 107 Abs. 1 lit. b DBG). Für Grenzgängerinnen gelten je nach Land Sonderregeln. Für NAV und Mindestlohn bleibt es beim Arbeitsort.

Woher weiss ich, welcher kantonale NAV genau gilt?

Jeder Kanton veröffentlicht seinen NAV für die Hauswirtschaft in der kantonalen Gesetzessammlung; das kantonale Arbeitsinspektorat gibt Auskunft. Der eidgenössische NAV regelt nur die Mindestlöhne, alles andere kommt aus dem kantonalen.

Quellen

Zuständigkeit der Ausgleichskasse

Wegleitung über die Kassenzugehörigkeit der Beitragspflichtigen (WKB), Rz. 1061: zuständig für Hausdienstpersonal ist in der Regel die Kasse des Wohnsitzkantons des Arbeitgebers; wer bereits mit einer anderen Kasse abrechnet, kann dort abrechnen (Art. 119 Abs. 2 AHVV). Der FAK-Anschluss folgt Art. 12 FamZG.

Tessiner Feiertage

CNL per il personale domestico, Art. 18 (neun Feiertage) und die Guida applicazione CNL des Ufficio dell'ispettorato del lavoro, die daraus 3.6 % auf den Stundenlohn ableitet. Der CNL gilt nach Art. 1, solange nicht schriftlich davon abgewichen wird.

Quellensteuer

Art. 107 Abs. 1 DBG: zuständig ist der Kanton, in dem die Arbeitnehmerin bei Fälligkeit des Lohns Wohnsitz oder Aufenthalt hat. Im vereinfachten Verfahren gilt der Pauschalsatz von 5 % (Art. 37a DBG, Art. 11 Abs. 4 StHG). Wohnt sie im Ausland, ist der Kanton des Arbeitgebers zuständig (Art. 107 Abs. 1 lit. b DBG).

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Salvador Jovells

Salvador Jovells, Gründer von Clino