Schule und Betreuung in der Schweiz: der Eltern-Guide nach Alter
Wer neu in der Schweiz ist, merkt es spätestens am ersten Schultag: Das System geht davon aus, dass mittags jemand am Tisch steht und am Mittwochnachmittag jemand zu Hause ist. Hier ist, was der Staat in welchem Alter übernimmt, welche Lücke bleibt, wenn ihr beide arbeitet — und was das Füllen kostet, Kanton für Kanton.
Die Schule betreut dein Kind nicht bis Feierabend. Vor dem 4. Geburtstag gibt es gar kein staatliches Angebot, danach lassen Kindergarten und Primarschule in den grössten Städten 21 bis 28 Stunden pro Woche offen — plus 12 bis 15,5 Wochen Schulferien bei üblichen 5 Wochen Ferien der Eltern.
- 0–4: alles privat — Kita CHF 80–135/Tag Vollkosten, Tagesmutter CHF 8–14/Std., Nanny ab ca. CHF 29/Std. Arbeitgeberkosten
- 4–12: Blockzeiten, Mittagslücke und freie Nachmittage — Hort/Tagesschule kostet je nach Stadt bis CHF 100–400 pro Woche (Maximaltarif)
- Ferien: 13 Wochen Schulferien minus 5 Wochen Eltern-Ferien — ohne Plan fehlen 6–9 Wochen pro Jahr
Das gilt, wenn
ihr beide arbeitet und die Betreuung nicht komplett über Familie oder Nachbarschaft lösen könnt
Was der Staat wann übernimmt — und was nicht
Vier Phasen, vier sehr unterschiedliche Ausgangslagen. Die Kurzfassung: Erst ab dem Kindergarten übernimmt der Staat etwas, und richtig entspannt wird es erst in der Oberstufe.
Vor dem Kindergarten: du bist komplett selber zuständig
Die 50-Stunden-Woche (Mo–Fr, 08:00–18:00)
- Stufe
- Kita / privat organisiert
- Zeiten
- Kita ca. 07:00–18:00 — wenn ihr einen Platz habt
- Typische Kosten
- Kita CHF 80–135 pro Tag Vollkosten
Vor dem Kindergarten: du bist komplett selber zuständig
Was der Staat übernimmt
Die Lücke
Was Eltern nutzen
Kindergarten: obligatorisch, aber nur halbe Tage
Was der Staat übernimmt
Die Lücke
Was Eltern nutzen
Primarschule: Blockzeiten und das 15.30-Uhr-Problem
Was der Staat übernimmt
Die Lücke
Was Eltern nutzen
Oberstufe: die Lücke schliesst sich
Was der Staat übernimmt
Die Lücke
Was Eltern nutzen
Deckungsgrade als Modell: Betreuungsfenster 50 Std. pro Woche; Kindergarten mit 20 Std. Präsenz angenommen, Primarschule mit 25 Std. (Mittel der 10 grössten Schulstädte), Oberstufe symbolisch. Details in der Studie «Das 15.30-Uhr-Problem».

Eine Schulwoche in echt
3. Klasse, Betreuungsfenster 08:00–18:00. Navy = Schule, Lime = ihr organisiert.
Lücke pro Woche
24.4Std.
Das entspricht 58% eines Vollzeitpensums.
Schulpräsenz
25.6 Std.
Schulschluss
15.05–15.55 · 2 freie Nachmittage
Hort/Tagesschule (Maximaltarif)
CHF 194/Schulwoche
Rechne eure Betreuungslücke
Alter, Kanton, eure beiden Pensen — der Rechner zeigt, wie viele Stunden pro Woche offen bleiben und was Hort, Tagesmutter oder Nanny zum Füllen kosten.
Betreuungslücken-Rechner
Alter, Kanton und eure Pensen — wie viele Stunden bleiben offen, und was kostet das Füllen?
Eure Betreuungslücke
19.5Std. pro Woche
an 4 gemeinsamen Arbeitstagen
Was das Füllen pro Monat kostet
Hort / Tagesschule
Maximaltarif der Stadt, einkommensabhängig oft deutlich tiefer
CHF 672/Monat
Tagesmutter
CHF 8–14/Std. pro Kind, hier mit CHF 10 gerechnet
CHF 844/Monat
Nanny (angestellt)
CHF 25/Std. brutto + Ferienzuschlag + Sozialabgaben, ein Lohn für alle Kinder
CHF 2'468/Monat
Und dann sind da noch die Schulferien
13 Wochen Schulferien in deinem Kanton. Deckt ihr als Paar 5 + 5 eigene Ferienwochen ab, davon 3 gemeinsam, bleiben rund 6 Wochen ohne Schule und ohne freie Eltern.
Ferienhort/Tagesferien kosten je nach Stadt CHF 200–525 pro Woche und Kind, eine Vollzeit-Nanny-Woche rund CHF 1'169.
Steuerabzug nicht vergessen: Kinderdrittbetreuungskosten sind abziehbar: beim Bund bis CHF 25'800, im Kanton Zürich bis CHF 25'300 pro Kind und Jahr.
Wird es eine Nanny oder Tagesmutter im Angestelltenverhältnis, bist du Arbeitgeber — AHV ab dem ersten Franken. Clino bereitet Lohnabrechnung, Anmeldung und Vertrag vor, für CHF 19.90/Monat.
Nanny anmelden — so geht'sModellrechnung: Betreuungsfenster Mo–Fr 08:00–18:00 (50 Std.), Schulpräsenz aus offiziellen Stundenplänen der 10 grössten Schulstädte (3. Klasse); Kindergarten mit 20 Std. Präsenz angenommen. Lücke = beste Staffelung eurer freien Tage. Tatsächliche Tarife sind einkommensabhängig und kommunal verschieden.
Das Vokabular, das dir niemand erklärt
Acht Begriffe, die in jedem Gemeinde-Merkblatt stehen und in keinem Wörterbuch:
Kita / Krippe
Ganztages-Kinderbetreuung vor dem Kindergarten, meist 7–18 Uhr. Privat oder kommunal, Platz nicht garantiert.
Tagesmutter / Tagesfamilie
Betreuung im Haushalt der Betreuerin, meist über eine Tagesfamilien-Organisation vermittelt und pro Stunde und Kind abgerechnet.
Blockzeiten
Garantierte Unterrichts-/Betreuungszeit am Vormittag, ca. 08:00–12:00 — die Antwort der Deutschschweiz auf «Schule bis 11:50 wäre unplanbar».
Mittagstisch
Betreutes Mittagessen in Schule oder Gemeinde. Kostet je nach Stadt CHF 6 (Zürich Tagesschule) bis CHF 36 (Lausanne) pro Mittag.
Hort
Betreuung vor und nach dem Unterricht, typisch bis 18:00/18:30. Anmeldung pro Modul, Tarif meist einkommensabhängig.
Tagesschule
Schule mit integrierter Betreuung über den ganzen Tag. Zürich baut sie flächendeckend auf — der gebundene Mittag kostet dort CHF 6.
Randzeiten
Die Stunden vor 08:00 und nach 18:00, die kein öffentliches Angebot abdeckt — der klassische Nanny- und Babysitter-Slot.
Ferienhort / Tagesferien
Ferienbetreuung der Stadt, wochenweise buchbar (CHF 200–525 pro Woche und Kind). Achtung: nicht jede Gemeinde bietet sie an, und die Plätze sind begrenzt.

Euer Weg zur Lösung
Wie alt ist euer (jüngstes) Kind?
«Wir nehmen einfach ein Au-pair»
Die 13 Wochen, über die niemand vorher spricht
Das Jahr in 52 Wochen
Schulferien vs. eure eigenen Ferien — was übrig bleibt, ist euer Planungsproblem.
13 Wochen Schulferien in deinem Kanton
6
Wochen offen
Modell: ihr habt als Paar 2 × 5 Wochen Ferien, 3 davon gemeinsam als Familie — macht 7 gedeckte Ferienwochen.
Eine offene Woche kostet: Ferienhort/Tagesferien CHF 200–525 pro Kind, Camps CHF 230–700, eine Vollzeit-Nanny-Woche rund CHF 1'169.
Verlass dich dabei nicht blind auf das öffentliche Angebot: Im Kanton Zürich bieten 22% der Gemeinden gar keine Ferienbetreuung an, und nur 8% decken die ganzen Ferien ab. Die Plätze der Sommerwochen sind im Frühling weg.
Der Januar-Trick

Das Kleingedruckte
Ab wann ist mein Kind wo obligatorisch?
Die Schulpflicht beginnt in den meisten Kantonen mit dem Kindergarten ab dem vollendeten 4. Altersjahr; als Stichtag gilt üblicherweise der 31. Juli. Wer kurz danach Geburtstag hat, wartet ein Jahr. Die Details (ein oder zwei obligatorische Kindergartenjahre, Rückstellungsmöglichkeiten) sind kantonal — massgebend ist das Schulamt deiner Gemeinde.
Öffentliche Schule und Kindergarten sind gratis. Alles davor und alles daneben — Kita, Hort, Mittagstisch, Ferienbetreuung — kostet, meist einkommensabhängig.
Habe ich Anspruch auf einen Betreuungsplatz?
Kommt darauf an, wo du wohnst. Einige Städte kennen eine echte Platzgarantie für die schulergänzende Betreuung (Zürich, Genf, Winterthur), viele Gemeinden nur eine bedarfsabhängige Pflicht — und auf dem Land oft gar nichts. Für Kita-Plätze gibt es nirgends einen Rechtsanspruch.
Die Tarife sind fast überall einkommensabhängig: Der Maximaltarif gilt erst ab einem hohen massgebenden Einkommen, darunter wird es günstiger. Der neue Bundes-Betreuungszuschlag (UKibeG, beschlossen Ende 2025) wird institutionelle Betreuung ab voraussichtlich ~2030 zusätzlich verbilligen.
Wann werde ich Arbeitgeber — und was heisst das?
Kita, Hort, Mittagstisch, Ferienhort: Du bist Kunde, die Institution regelt alles. Tagesmutter über eine Tagesfamilien-Organisation: Die Organisation ist meist Arbeitgeberin. Aber sobald du eine Nanny, ein Au-pair oder eine private Betreuerin direkt anstellst, bist du Arbeitgeber — mit AHV-Pflicht ab dem ersten Franken Lohn, Unfallversicherung und Lohnabrechnung.
Das ist weniger schlimm, als es klingt: Für Löhne bis CHF 22'680 pro Jahr gibt es das vereinfachte Abrechnungsverfahren mit einer einzigen Jahresabrechnung. Clino führt dich durch Anmeldung, Vertrag und Lohnabrechnung.
Wird es eine Nanny? Dann bist du Arbeitgeber.
Clino bereitet alles vor, was dazu gehört: AHV-Anmeldung bei deiner Ausgleichskasse, Arbeitsvertrag in 6 Sprachen und die monatliche Lohnabrechnung — für CHF 19.90 im Monat. Anmelden musst du dich selbst, aber du weisst immer genau, wo und womit.
So stellst du eine Nanny anGratis Checkliste: Haushaltshilfe korrekt anstellen
AHV, UVG, Vertrag. Alles auf einer Seite, per E-Mail in 30 Sekunden.
Kein Spam. Jederzeit abmelden.
Häufige Fragen
Ist die Schule in der Schweiz gratis?
Wie viele Stunden Betreuung fehlen uns, wenn wir beide arbeiten?
Ist ein Au-pair eine Lösung, wenn wir beide voll arbeiten?
Ab dem wievielten Kind lohnt sich eine Nanny statt Kita?
Bekommen wir die Betreuungskosten von den Steuern zurück?
Quellen
- Clino Betreuungsreport 2026: «Das 15.30-Uhr-Problem» — Schulpräsenz und Brückenkosten der 10 grössten Schulstädte (offizielle Stundenpläne und Maximaltarife, SJ 2025/26–2026/27)
- Clino Betreuungsreport 2026: «13 Wochen Schulferien, 5 Wochen Ferien» — Ferienwochen aller 26 Kantone (EDK/IDES) und Ferienbetreuungs-Tarife
- BFS: SAKE 2025 (Erwerbsmodelle, Ferienwochen), Familien- und Generationenerhebung 2023 (Betreuungsformen, Grosseltern)
- OECD Net Childcare Cost 2023 (Schweiz 28% des Durchschnittslohns, teuerstes Land Europas)
- ESTV/Kantone: Kinderdrittbetreuungsabzüge 2026; offizielle Kita- und Horttarife der Städte Zürich, Bern, Basel, Genf, Lausanne
