13 Wochen Schulferien, 5 Wochen Ferien
Am 10. August hat für die Schulkinder von Bern, Aargau, St. Gallen und beiden Basel das neue Schuljahr begonnen, am 17. August folgen Zürich, Luzern, Waadt und Genf. Hinter den Kindern liegen 5 bis 10,5 Wochen Sommerferien, übers Jahr werden es je nach Kanton 12 bis 15,5 Wochen. Ihre Eltern haben dafür im Schnitt genau 5,0 Wochen Ferien, das gesetzliche Minimum sind 4.
Eine Clino-Datenanalyse der offiziellen EDK-Ferienkalender, der BFS-Arbeitsmarktdaten und der städtischen Betreuungstarife vermisst erstmals kantonsscharf, was jede berufstätige Familie kennt und keine Bundesstatistik erfasst: die Betreuungslücke der Schulferien. Sie beträgt 8 bis 11,5 Wochen pro Jahr und kostet, wer sie einkaufen muss, bis über CHF 10'000 pro Kind.
Zusammenfassung
Schweizer Schulkinder haben zwischen 12 Wochen (Appenzell Innerrhoden) und 15,5 Wochen (Tessin) schulfrei pro Jahr, in den meisten Kantonen 13 bis 14 Wochen. Ihre Eltern haben nach Obligationenrecht mindestens 4 Wochen Ferien; tatsächlich sind es bei Vollzeitangestellten zwischen 20 und 49, also im typischen Elternalter, durchschnittlich 5,0 Wochen, weniger als in jeder anderen Altersgruppe. Ein Recht auf zusätzlichen Urlaub für die Schulferien existiert nicht: Das Gesetz verlangt vom Arbeitgeber einzig, bei der Ferienplanung auf Angestellte mit Schulkindern «Rücksicht zu nehmen».
Daraus entsteht eine Lücke von 8 bis 11,5 Wochen pro Jahr, in der die Schule zu ist und die Ferien der Eltern aufgebraucht sind: 40 bis 57 Arbeitstage. Ein Paar, das beide Ferien vollständig staffelt, drückt die Lücke auf 3 Wochen, um den Preis von null gemeinsamen Familienferien. Für die 66'634 Einelternhaushalte mit jüngstem Kind im Schulalter gibt es diese Option nicht. Aufgefangen wird die Lücke privat, meist von den Grosseltern, denn die öffentliche Ferienbetreuung ist ein Flickenteppich: Selbst im Kanton Zürich, dem Spitzenreiter, decken nur 8 % der Gemeinden alle Ferienwochen ab, 22 % bieten gar nichts an. Einen Rechtsanspruch auf Ferienbetreuung kennen genau drei Schweizer Städte.
Wer die Lücke einkaufen muss, zahlt je nach Wohnort und Lösung sehr unterschiedlich: Die 6-Wochen-Lücke einer Paarfamilie kostet mit den Basler Tagesferien CHF 1'200 pro Kind, mit dem Zürcher Maximaltarif CHF 3'150, mit privaten Tagescamps bis CHF 4'200 und mit einer legal angestellten Nanny rund CHF 7'000. Betroffen sind über 1 Million Schulkinder und rund 420'000 Haushalte mit jüngstem Kind zwischen 4 und 12, in denen die Eltern mehrheitlich erwerbstätig sind: 82,5 % der Mütter mit Kindern in diesem Alter arbeiten, nur noch 10,8 % der Paare leben das Modell «Vater Vollzeit, Mutter zu Hause».
Die Lücke, Kanton für Kanton
Wie viele Wochen die Schule zu ist, entscheidet der Kanton, und die Spannweite beträgt dreieinhalb Wochen. Rechtlich verankert ist nur die Untergrenze des Unterrichts: Das Schulkonkordat von 1970 verlangt mindestens 38 Schulwochen pro Jahr. Appenzell Innerrhoden unterrichtet 40 Wochen und lässt seinen Kindern 12 Wochen frei. Das Tessin, der einzige Kanton, der dem Konkordat nie beigetreten ist, unterrichtet 36,5 Wochen: 15,5 Wochen schulfrei.
| # | Kanton | Wochen |
|---|---|---|
| 1 | Tessin36,5 Schulwochen, einziger Kanton ausserhalb des 38-Wochen-Konkordats | 15,5 |
| 2 | Wallis | 15 |
| 3 | Basel-Landschaft | 14 |
| 4 | Basel-Stadtoffizielle Angabe: «14 Wochen Schulferien pro Jahr» | 14 |
| 5 | Freiburg | 14 |
| 6 | Luzern | 14 |
| 7 | Obwalden | 14 |
| 8 | Solothurn | 14 |
| 9 | Uri | 14 |
| 10 | Waadt | 14 |
| 11 | Zug | 14 |
| 12 | Bern38–39 Schulwochen, Mittelwert | 13,5 |
| 13 | Genfmind. 38,5 Schulwochen, Obergrenze | 13,5 |
| 14 | Nidwalden38–39 Schulwochen, Mittelwert | 13,5 |
| 15 | AargauGemeinden legen 4 der 7 freien Wochen selbst fest | 13 |
| 16 | Appenzell Ausserrhoden | 13 |
| 17 | Glarus | 13 |
| 18 | Graubünden | 13 |
| 19 | Jura | 13 |
| 20 | Neuenburg | 13 |
| 21 | St. Gallen | 13 |
| 22 | Schaffhausen | 13 |
| 23 | Schwyz | 13 |
| 24 | Thurgau | 13 |
| 25 | Zürich13 Wochen offiziell; Termine grösstenteils Gemeindesache | 13 |
| 26 | Appenzell Innerrhoden40 Schulwochen, die meisten der Schweiz | 12 |
Total Schulferienwochen pro Schuljahr. ZH, TG und BS: offizielle Angabe; übrige Kantone: 52 minus Schulwochen gemäss EDK-Kantonsumfrage (SJ 2024/25). BE, NW («38 oder 39 Schulwochen»): Mittelwert 13,5. GE («mind. 38,5»): Obergrenze. Quelle: EDK/IDES; eigene Berechnung.
Gegen das gesetzliche Ferienminimum der Eltern von 4 Wochen gerechnet, ist die Lücke damit überall zweistellig in Arbeitstagen: von 40 Tagen in Appenzell Innerrhoden über 45 in Zürich und 50 in Basel-Stadt bis 57 Tagen im Tessin.
ZH, TG, BS: offizielle Angabe; übrige: 52 minus Schulwochen (EDK-Kantonsumfrage SJ 2024/25). BE, NW: Mittelwert; GE: Obergrenze. Quelle: EDK/IDES; eigene Berechnung.
Am wenigsten Ferien haben genau die, die die Lücke füllen müssen
Das Obligationenrecht garantiert 4 Wochen Ferien pro Jahr (Art. 329a OR), 5 Wochen nur bis zum vollendeten 20. Altersjahr. Real haben Schweizer Angestellte im Schnitt 5,2 Wochen. Aufgeschlüsselt nach Alter zeigt die Arbeitskräfteerhebung des Bundes aber ein bemerkenswertes Muster: Vollzeitangestellte zwischen 20 und 49, die Altersgruppe praktisch aller Eltern von Schulkindern, haben mit 5,0 Wochen die wenigsten Ferien, weniger als die 15- bis 19-Jährigen (5,45) und deutlich weniger als die 50- bis 64-Jährigen (5,53).
Einen gesetzlichen Ausgleich gibt es nicht. Das SECO hält in seinen FAQ zum Arbeitsrecht fest: «Zuständig für die Festsetzung des Ferienzeitpunkts ist der Arbeitgeber. […] Bei Arbeitnehmenden mit schulpflichtigen Kindern muss auf die Schulferien Rücksicht genommen werden.» Rücksicht bei der Terminwahl, keine zusätzlichen Tage. Der bezahlte Betreuungsurlaub von Art. 329h OR gilt nur für die Pflege gesundheitlich beeinträchtigter Angehöriger, maximal drei Tage pro Ereignis. Für gesunde Kinder in 13 Wochen Schulferien sieht das Schweizer Arbeitsrecht: nichts vor.
Der Sommer, in Zahlen: von 3 fix garantierten bis 10,5 Wochen
Der Sommer 2026 zeigt die kantonale Bandbreite am deutlichsten. Tessiner Schulkinder hatten vom 18. Juni bis zum 30. August frei, 10,5 Wochen, mehr als doppelt so lang wie die 5 Wochen in Zürich, Bern oder St. Gallen. Der Aargau fixiert kantonal sogar nur 3 Sommerwochen; vier weitere Ferienwochen legt jede Gemeinde selbst, sodass sich die Ferienpläne benachbarter Dörfer unterscheiden können.
| # | Kanton | Wochen |
|---|---|---|
| 1 | Tessin18. Juni bis 30. August 2026 | 10,5 |
| 2 | WallisFranzösischsprachiges Wallis; Oberwallis: 6,5 Wochen | 7,5 |
| 3 | Genf | 7 |
| 4 | Waadt | 7 |
| 5 | FreiburgReferenz Stadt Freiburg | 6,5 |
| 6 | Appenzell Innerrhoden | 6 |
| 7 | Basel-Landschaft | 6 |
| 8 | Basel-Stadt | 6 |
| 9 | Glarus | 6 |
| 10 | Graubünden | 6 |
| 11 | Jura | 6 |
| 12 | Luzern | 6 |
| 13 | Neuenburg | 6 |
| 14 | Nidwalden | 6 |
| 15 | Obwalden | 6 |
| 16 | Uri | 6 |
| 17 | Zug | 6 |
| 18 | Appenzell Ausserrhoden | 5 |
| 19 | Berndeutschsprachiger Teil; Berner Jura: 6 Wochen | 5 |
| 20 | St. Gallen | 5 |
| 21 | Schaffhausen | 5 |
| 22 | Solothurnkantonale Schulen; Volksschule je Gemeinde | 5 |
| 23 | Schwyz | 5 |
| 24 | Thurgau | 5 |
| 25 | Zürich | 5 |
| 26 | Aargaukantonal fixiert; 4 weitere Ferienwochen je Gemeinde | 3 |
Offizielle Daten der IDES-Ferienliste «Schulferien 2026» (Stand 8.7.2025). Zweisprachige Kantone: Wert des bevölkerungsreichsten Sprachteils. AG: nur die kantonal fixierten Wochen, die Gemeinden legen weitere Ferienwochen individuell fest. Quelle: EDK/IDES.
Für Eltern heisst der Sommer allein: Selbst wer alle 5 Durchschnittswochen in die Sommerferien legt, deckt in den meisten Kantonen nicht einmal diese eine Ferienperiode, und Herbst-, Winter-, Sport- und Frühlingsferien sind dann noch vollständig offen. Im Tessin bleibt allein im Sommer eine Lücke von 5,5 Wochen.
Vier Familienszenarien, eine Rechnung
Wie gross die Lücke tatsächlich ist, hängt von der Familienform ab. Die Modellrechnung für einen typischen Kanton mit 13 Wochen Schulferien:
| Szenario | Ferien der Eltern | Gedeckte Ferienwochen | Lücke | Gemeinsame Familienferien |
|---|---|---|---|---|
| Alleinerziehend, gesetzliches Minimum | 4 Wochen | 4 | 9 Wochen (45 Arbeitstage) | 4 Wochen |
| Alleinerziehend, Schweizer Durchschnitt | 5 Wochen | 5 | 8 Wochen (40 Arbeitstage) | 5 Wochen |
| Paar, Ferien komplett gestaffelt | 2 × 5 Wochen | 10 | 3 Wochen (15 Arbeitstage) | 0 Wochen |
| Paar, 3 Wochen gemeinsam verreist | 2 × 5 Wochen | 7 | 6 Wochen (30 Arbeitstage) | 3 Wochen |
Gedeckte Wochen = Ferienwochen, in denen mindestens ein Elternteil frei hat und das Kind betreuen kann. Modellrechnung ohne Feiertage (an Feiertagen sind Schule und Eltern gleichzeitig frei) und ohne unbezahlten Urlaub. Durchschnitt: 5,0 Ferienwochen der 20- bis 49-jährigen Vollzeitangestellten (SAKE 2025).
Das Staffelungs-Szenario ist der stille Normalfall der Schweiz, und es hat einen Preis, der in keiner Statistik auftaucht: Die Familie ist nie gemeinsam in den Ferien. Wer drei gemeinsame Wochen will, öffnet die Lücke wieder auf 6 Wochen. Und Alleinerziehende, 66'634 Haushalte mit jüngstem Kind zwischen 4 und 12, haben gar keine zweite Ferienreserve: Bei ihnen bleibt die Lücke bei 8 bis 9 Wochen pro Jahr.
Alleinerziehend (5 Wochen Ferien)
- •8 Wochen Schulferien ohne Betreuung
- •40 Arbeitstage pro Jahr zu überbrücken
- •Ferien der Familie = Ferien des einzigen Elternteils
- •87,3 % der alleinerziehenden Mütter sind erwerbstätig oder auf Stellensuche
Paar, komplett gestaffelt (2 × 5 Wochen)
- •3 Wochen Schulferien ohne Betreuung
- •15 Arbeitstage pro Jahr zu überbrücken
- •Null gemeinsame Familienferien als Preis der Staffelung
- •82,5 % der Mütter mit Kindern von 4 bis 12 sind erwerbstätig
Die Zeiten, in denen ein Elternteil die Ferien einfach abdeckte, sind statistisch vorbei: Nur noch 10,8 % der Paare mit jüngstem Kind zwischen 4 und 12 leben das Modell «Vater Vollzeit, Mutter nicht erwerbstätig». Bei 14,7 % arbeiten beide Vollzeit, bei gut der Hälfte Vater Vollzeit und Mutter Teilzeit. Die Erwerbsquote der Väter liegt bei 96,4 %.
Wer die Lücke füllt: der Flickenteppich
Öffentliche Ferienbetreuung existiert, aber sie ist die Ausnahme, nicht das System. Einen Rechtsanspruch kennen nur Zürich, Winterthur und Bern. Der Kanton Zürich, der als einziger die Versorgung systematisch misst, weist im führenden Kanton der Schweiz aus: 22 % der Gemeinden ohne jedes Ferienangebot, und nur 8 % mit Betreuung während der gesamten Schulferien.
| Angebot der Gemeinde | Anteil der Gemeinden |
|---|---|
| Kein Betreuungsangebot in den Schulferien | 22 % |
| Betreuung während 2 bis 7 Ferienwochen | 35 % |
| Betreuung während 8 bis 10 Ferienwochen | 35 % |
| Betreuung während der gesamten Schulferien | 8 % |
Kanton Zürich, Monitoringbericht unterrichtsergänzende Betreuung 2022, S. 6. Der Kanton Zürich gilt als führend: Der Anteil Gemeinden mit Ferienangebot wuchs seit 2018 um 17 Prozentpunkte, und Zürich, Winterthur und Bern sind die einzigen Schweizer Städte mit Rechtsanspruch auf Ferienbetreuung. Eine gesamtschweizerische Statistik existiert nicht.
Auch wo es Angebote gibt, decken sie selten alles: Die Stadt Bern garantiert zwar jedem rechtzeitig angemeldeten Kind einen Platz, betreibt ihre Ferienbetreuung aber in 11 der 13 Ferienwochen und lässt mitten in den Sommerferien die Kalenderwoche 30 aus. Basel-Stadt limitiert die Tagesferien im Sommer auf maximal 4 buchbare Wochen pro Kind, bei 6 Wochen Sommerferien. In Lausanne ist das Mittagessen nicht inbegriffen, und die Plätze der centres aérés sind nach der Anmeldeöffnung «à midi pile» innert Minuten weg. Den Rest fängt das private Netz auf, allen voran die Grosseltern: 32 % der Kinder unter 13 werden mindestens einmal pro Woche von ihnen betreut, in ländlichen Gemeinden fast die Hälfte.
Die Messlücke: Der Bund erhebt Kinderbetreuung ausschliesslich für «gewöhnliche Wochen»: Die Familien- und Generationenerhebung und die SAKE-Betreuungsmodule fragen nach der Betreuung in einer normalen Schulwoche. Für die 12 bis 15,5 Ferienwochen, fast ein Viertel des Jahres, existiert keine einzige gesamtschweizerische Statistik, weder zur Nachfrage noch zum Angebot noch zu den Kosten. Diese Studie schliesst einen Teil dieser Lücke mit den offiziellen Kalender-, Tarif- und Arbeitsmarktdaten.
Was die Lücke kostet
Für Familien ohne Grosseltern in Reichweite wird die Lücke zur Rechnung. Die Spannweite pro überbrückter Woche und Kind reicht von CHF 200 (Basler Tagesferien, Vollpreis) über CHF 230 bis 700 für private Tagescamps bis zu rund CHF 1'169 für eine legal angestellte Nanny mit 40 Wochenstunden, alle Sozialabgaben inklusive, berechnet mit der Clino-Lohnrechnung.
| Lösung | Pro Woche | 6 Wochen Lücke | 9 Wochen Lücke |
|---|---|---|---|
| Grosseltern | CHF 0 | CHF 0 | CHF 0 |
| Tagesferien Basel-Stadt (Vollpreis, inkl. Mittagessen) | CHF 200 | CHF 1’200 | CHF 1’800 |
| Ferienbetreuung Stadt Bern (Maximaltarif, inkl. Mahlzeiten) | CHF 295 | CHF 1’770 | CHF 2’655 |
| Centre aéré Lausanne (Maximaltarif, ohne Mittagessen) | CHF 330 | CHF 1’980 | CHF 2’970 |
| Ferienbetreuung Stadt Zürich (Maximaltarif, inkl. Mahlzeiten) | CHF 525 | CHF 3’150 | CHF 4’725 |
| Privates Tagescamp (Spanne) | CHF 230–700 | CHF 1’380–4’200 | CHF 2’070–6’300 |
| Nanny, 40 h/Woche legal angestellt (CHF 25/h, alle Abgaben) | CHF 1’169 | CHF 7’014 | CHF 10’521 |
Städtische Volltarife für Familien ohne Subventionsanspruch; einkommensabhängige Tarife beginnen deutlich tiefer (Zürich ab CHF 10/Tag, Bern ab CHF 1/Betreuungsstunde). Basel: in den Sommerferien maximal 4 buchbare Wochen pro Kind. Nanny: Gesamtkosten Arbeitgeber aus der Clino-Lohnrechnung (vereinfachtes Abrechnungsverfahren). Camps: fit4future CHF 230 bis La Bulle d’Air Genf CHF 700.
Auf das Jahr gerechnet: Die 6-Wochen-Lücke einer Paarfamilie kostet zwischen CHF 1'200 (Basel, Vollpreis) und rund CHF 7'000 (Nanny). Für Alleinerziehende mit 9 Wochen Lücke reicht die Spanne bis CHF 10'500 pro Kind und Jahr. Zum Vergleich: Die subventionierten Einstiegstarife liegen weit darunter, in Zürich bei CHF 10 pro Tag, in Bern bei CHF 1 pro Betreuungsstunde, aber sie setzen voraus, dass die eigene Gemeinde überhaupt ein Angebot führt und die Woche nicht ausgebucht ist.
Und die Feiertage? Mehr frei für alle, nichts gegen die Lücke
Feiertage verschieben das Bild übrigens nicht, denn an ihnen sind Schule und Eltern gleichzeitig frei. Sie zeigen aber dasselbe kantonale Gefälle: Das Tessin führt auch hier mit 15 gesetzlichen Feiertagen, während Appenzell Ausserrhoden und Graubünden mit 8 auskommen. Tessiner Kinder haben also die meisten Schulferien, die längsten Sommerferien und die meisten Feiertage der Schweiz.
| # | Kanton | Tage |
|---|---|---|
| 1 | Tessinmeiste Feiertage und meiste Schulferien | 15 |
| 2 | Aargau | 14 |
| 3 | Nidwalden | 14 |
| 4 | Obwalden | 14 |
| 5 | Schwyz | 14 |
| 6 | Uri | 14 |
| 7 | Appenzell Innerrhoden | 13 |
| 8 | Freiburg | 13 |
| 9 | Jura | 13 |
| 10 | Luzern | 13 |
| 11 | Wallis | 13 |
| 12 | Zug | 13 |
| 13 | Glarus | 11 |
| 14 | St. Gallen | 10 |
| 15 | Schaffhausen | 10 |
| 16 | Solothurndazu halber 1. Mai; Ausnahmen je Bezirk | 10 |
| 17 | Thurgau | 10 |
| 18 | Zürich | 10 |
| 19 | Bern | 9 |
| 20 | Basel-Landschaft | 9 |
| 21 | Basel-Stadt | 9 |
| 22 | Genf | 9 |
| 23 | Waadt | 9 |
| 24 | Appenzell Ausserrhoden | 8 |
| 25 | Graubünden | 8 |
| 26 | Neuenburgdazu 2 bedingte Tage (2.1. / 26.12. nur nach Sonntagen) | 7 |
Gesetzliche und gleichgestellte Feiertage gemäss der Liste des Bundesamts für Justiz (Stand 2011, jüngste publizierte Fassung). An Feiertagen sind Schule und Eltern gleichzeitig frei, an der Betreuungslücke ändern sie nichts. Quelle: Bundesamt für Justiz.
Zahlen zum Zitieren
«Schweizer Schulkinder haben je nach Kanton 12 bis 15,5 Wochen Ferien pro Jahr. Vollzeitangestellte zwischen 20 und 49, das Alter praktisch aller Eltern, haben im Schnitt 5,0 Wochen, weniger als jede andere Altersgruppe.»
Quellen: EDK/IDES-Ferienkalender; BFS, SAKE 2025
«Für Alleinerziehende mit dem gesetzlichen Ferienminimum bleiben in einem typischen Kanton 9 Wochen Schulferien ohne Betreuung: 45 Arbeitstage pro Jahr.»
Quelle: Clino-Berechnung auf Basis EDK/IDES und Art. 329a OR
«Selbst im Kanton Zürich, dem Schweizer Spitzenreiter, bieten nur 8 % der Gemeinden Betreuung während der gesamten Schulferien. 22 % bieten gar keine.»
Quelle: Kanton Zürich, Monitoringbericht unterrichtsergänzende Betreuung 2022
«Ein Paar, das die Lücke ohne fremde Hilfe auf 3 Wochen drücken will, muss die Ferien vollständig staffeln: null gemeinsame Familienferien.»
Quelle: Clino-Modellrechnung (13 Ferienwochen, 2 × 5 Ferienwochen der Eltern)
«Die 6-Wochen-Lücke einer Paarfamilie kostet je nach Lösung CHF 1'200 (Tagesferien Basel, Vollpreis) bis rund CHF 7'000 (legal angestellte Nanny), pro Kind und Jahr.»
Quellen: offizielle Stadttarife 2026; Clino-Lohnrechnung (CHF 25/h, 40 h/Woche)
«Der Bund misst Kinderbetreuung nur in "gewöhnlichen Wochen". Für die 12 bis 15,5 Ferienwochen, fast ein Viertel des Jahres, existiert keine gesamtschweizerische Statistik.»
Quelle: BFS, Familien- und Generationenerhebung 2023 / SAKE-Modul 2024 (Erhebungsdesign)
Was Familien konkret tun können
Die realistische Antwort der meisten Familien ist ein Mosaik: gestaffelte Elternferien, Grosseltern, Gemeinde-Angebote, Camps, und für die verbleibenden Wochen eine bezahlte Betreuung. Wichtig zu wissen: Auch eine Ferien-Nanny oder ein regelmässiger Babysitter für ein paar Wochen ist ein Arbeitsverhältnis. Im Privathaushalt gibt es keine Bagatellgrenze: AHV-Beiträge sind ab dem ersten Franken geschuldet; einzig bei Angestellten unter 25 bleiben Löhne bis CHF 750 pro Jahr und Arbeitgeber beitragsfrei (Art. 34d AHVV). Der Unfallschutz ist ab Tag eins Sache des Haushalts. Für kurze Anstellungen existiert dafür das vereinfachte Abrechnungsverfahren: Eine 8-Wochen-Nanny mit CHF 8'000 Lohnsumme liegt weit unter dessen Obergrenze von CHF 22'680 pro Jahr.
Warum eine Lohnplattform diese Daten publiziert
Clino ist die Schweizer Plattform für die legale Anstellung im Privathaushalt: schriftlicher Vertrag, vorbereitete AHV-Anmeldung für die kantonale Ausgleichskasse, Unfallversicherung, monatliche Lohnabrechnungen und Lohnausweis, in allen 26 Kantonen, für CHF 19.90 pro Monat, auch für befristete Ferien-Anstellungen. Die Schulferien sind der Moment, in dem viele Familien zum ersten Mal Arbeitgeber werden, oft ohne es zu merken. Deshalb vermessen wir diese Lücke und machen die Daten öffentlich.
Die Schule ist bis zu 57 Arbeitstage länger zu, als die Ferien der Eltern reichen. Diese Lücke organisiert jede Familie jedes Jahr neu, privat, unbezahlt und vom Bund nicht einmal gezählt.
Überraschende Erkenntnisse
Das Tessin ist dreifacher Schweizer Meister im Freihaben
15,5 Wochen Schulferien, 10,5 Wochen Sommerferien am Stück und 15 gesetzliche Feiertage: In allen drei Rankings liegt das Tessin auf Platz 1. Möglich macht es ein historisches Detail: Das Tessin ist der einzige Kanton, der dem Schulkonkordat von 1970 mit seiner 38-Wochen-Untergrenze nie beigetreten ist, und unterrichtet 36,5 Wochen pro Jahr.
Am wenigsten Ferien hat die Elterngeneration
Vollzeitangestellte zwischen 20 und 49 haben mit 5,0 Wochen die wenigsten Ferien aller Altersgruppen: Teenager haben mehr (5,45), die 50- bis 64-Jährigen deutlich mehr (5,53). Die Ferienansprüche steigen typischerweise mit Alter und Dienstjahren, also genau dann, wenn die Schulferien-Jahre vorbei sind.
In zwei grossen Kantonen entscheidet die Gemeinde, wann Ferien sind
Der Aargau fixiert kantonal nur 3 Sommerwochen, vier weitere Ferienwochen legt jede Gemeinde selbst fest. Und die 13 Zürcher Ferienwochen sind zwar offiziell, die meisten Termine aber blosse Empfehlungen: «Die Gemeinden entscheiden frei.» Wo die Ferien liegen, kann sich also von Dorf zu Dorf unterscheiden, was Eltern mit Kindern in verschiedenen Gemeinden zusätzlich koordinieren müssen.
Quellen
- EDK/IDES: Kantonsumfrage, A-2 Unterrichtsdauer (Schulwochen pro Jahr) (2024/25), Frage 45; ZH- und TG-Ferienangaben aus derselben Erhebung
- EDK/IDES: Ferienliste «Schulferien 2026» (2025), Offizielle Ferientermine aller Kantone, Stand 8.7.2025
- Obligationenrecht Art. 329a, 329c, 329h; Schulkonkordat 1970 Art. 2 (2026), Ferienminimum, Ferienfestsetzung, Betreuungsurlaub; 38-Wochen-Untergrenze
- BFS: SAKE 2025 (Ferienwochen nach Alter; Erwerbsmodelle) und AVOL 2024 (2025/26), 5,0 Wochen (20–49), 5,2 Wochen gesamt; Tabellen gr-d-03.02.03.03.01, cc-d-20.04.03.03.01
- BFS: Strukturerhebung, Haushalte nach Typ und Alter der Kinder (2024), 352'780 Paar- und 66'634 Einelternhaushalte, jüngstes Kind 4–12; ts-x-40.02.01.02.06
- Kanton Zürich: Monitoringbericht unterrichtsergänzende Betreuung (2022), Ferienbetreuung der Gemeinden: 22 % / 35 % / 35 % / 8 %; Betreuungsquote 41 %
- Bundesamt für Justiz: Gesetzliche Feiertage der Schweiz (2011), Jüngste publizierte Fassung; Feiertags-Totale pro Kanton
- Städtische Tarifpublikationen Zürich, Basel, Bern, Lausanne, Genf (2026), Ferienbetreuungs-Tarife und Betriebswochen; Camps: fit4future, La Bulle d'Air
Sie vertreten eine Organisation, die Haushalte oder Arbeitnehmende unterstützt?
Partner werden→Weiterführende Ressourcen
Über Clino
Clino ist eine Schweizer SaaS-Plattform, die privaten Haushalten ermöglicht, ihre Haushaltshilfe legal anzustellen: Lohnabrechnung, Arbeitsvertrag, AHV-Anmeldung und Unfallversicherung inklusive. CHF 19.90/Monat. Alle 26 Kantone. Gegründet 2026 in Zürich. clino.ch


























