26-mal mehr Grundpflege für Kinder: Private Spitex-Firmen verrechneten 2024 378'245 Stunden
2019 waren es 14'447 Stunden. Clino hat die Spitex-Statistik des Bundesamts für Statistik (BFS) nach Alter, Anbieter und Kanton ausgewertet. Bei Kindern und Jugendlichen bis 19 Jahre ist die Grundpflege durch private Firmen schneller gewachsen als in jeder anderen Altersgruppe. Wer diese Pflege leistet und wer sie bezahlt, zeigt die Statistik nicht.
Zusammenfassung
Grundpflege im Sinne von Art. 7 der Krankenpflege-Leistungsverordnung (KLV) heisst Hilfe beim Waschen, Anziehen, Essen und Bewegen. Bei Kindern und Jugendlichen bis 19 Jahre haben private Spitex-Firmen 2024 378'245 Stunden verrechnet, 2019 waren es 14'447. Das ist das 26-Fache. Der Faktor hängt vom Basisjahr ab: Gegenüber 2020 wäre es das 31-Fache, gegenüber 2015 das 42-Fache, weil die Zahlen vor 2021 klein sind. Wir verwenden 2019 als Basisjahr, das Jahr des Bundesgerichtsurteils.
Der Anstieg ist kein Umbuchen von gemeinnützigen zu privaten Anbietern. Die gemeinnützige und öffentliche Spitex hat ihre Stunden für diese Altersgruppe ebenfalls gesteigert, von 58'510 auf 102'759 (+76 %). Insgesamt wuchs die Grundpflege für 0- bis 19-Jährige von 74'862 auf 483'569 Stunden. 89 % dieses Zuwachses entfallen auf private Firmen. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen in der Schweiz stieg in denselben Jahren nur um 4,8 %.
Die Spitex-Statistik zählt Stunden, nicht Personen, die pflegen. Sie weist weder Angehörige aus noch die Frage, wer bezahlt. Beides bleibt in diesem Bericht offen und ist in den jeweiligen Abschnitten erklärt. Ebenfalls offen ist, wie viel des Wachstums auf Firmen entfällt, die neu in die Erhebung aufgenommen wurden. Die Zahlen für 2025 veröffentlicht das BFS voraussichtlich im November 2026.
Die Kurve: flach bis 2020, dann steil
Von 2015 bis 2020 verrechneten private Firmen für Kinder und Jugendliche jährlich zwischen rund 9'000 und 15'000 Stunden Grundpflege. 2021 waren es 32'223, 2022 84'306, 2023 194'807 und 2024 378'245 Stunden. Von 2023 auf 2024 hat sich die Zahl fast verdoppelt (+94 %). Der Anstieg beginnt zwei Jahre nach einem Urteil des Bundesgerichts vom April 2019 (BGE 145 V 161), wonach Grundpflege durch Angehörige, die bei einer Spitex-Organisation angestellt sind, grundsätzlich über die Krankenversicherung abgerechnet werden kann. Die zeitliche Abfolge passt, ist aber kein Beweis.
Verrechnete Stunden Grundpflege (Art. 7 Abs. 2 lit. c KLV) an Klientinnen und Klienten von 0 bis 19 Jahren, ganze Schweiz. Ohne selbstständige Pflegefachpersonen (2024: 2'565 Stunden). Die Statistik zeigt nicht, wer die Pflege leistet und wer sie bezahlt.
Von einem Fünftel auf mehr als drei Viertel
2019 leisteten private Firmen 19,3 % der Grundpflege-Stunden für 0- bis 19-Jährige, 2024 waren es 78,2 %. Über alle Altersgruppen liegt ihr Anteil an der Grundpflege bei 43,2 % (2019: 28,8 %). Bei Kindern haben private Firmen die gemeinnützige Spitex damit deutlich stärker überholt als bei Erwachsenen.
Anteil der erwerbswirtschaftlichen Unternehmen an allen verrechneten Grundpflege-Stunden für Klientinnen und Klienten von 0 bis 19 Jahren. 2019: 19,3 %, 2024: 78,2 %.
Mehr Kinder und mehr Stunden pro Kind
Das BFS weist für die Langzeitpflege (Abklärung, Behandlung und Grundpflege zusammen) auch Fälle aus. Bei privaten Firmen stieg die Zahl der Fälle von 0- bis 19-Jährigen von 436 (2019) auf 3'068 (2024), also auf das Siebenfache. Die verrechneten Stunden pro Fall stiegen von 61 auf 153. Bei der gemeinnützigen Spitex blieben sie fast gleich, von 79 auf 82 Stunden. Private Firmen betreuen also nicht nur mehr Kinder, sondern verrechnen pro Kind auch deutlich mehr Stunden. Ein Fall ist nicht dasselbe wie ein Kind: Wer von zwei Anbietern gepflegt wird, zählt doppelt.
Die Kantone: Zürich vorne, die Romandie fast ohne
Im Kanton Zürich verrechneten private Firmen 2024 165'818 Stunden Grundpflege für 0- bis 19-Jährige, 44 % des Schweizer Totals (2019: 6'471). Das sind 94 % aller Grundpflege-Stunden dieser Altersgruppe im Kanton. Die gemeinnützige Spitex blieb in Zürich stabil (10'685 und 10'415 Stunden). Es folgen St. Gallen (46'328), Aargau (40'270), Thurgau (20'159) und Basel-Landschaft (18'411, 2019: 0). In Bern stieg die Zahl von 19 auf 12'141 Stunden, in Basel-Stadt von 1 auf 11'148.
Pro 1'000 Einwohnerinnen und Einwohner von 0 bis 19 Jahren sind es schweizweit 210 Stunden, in Zürich 519, in St. Gallen 420. Glarus (809) und Schaffhausen (727) liegen noch höher, dort genügen aber wenige Familien, um den Wert stark zu bewegen. In der Waadt sank die Zahl von 2'588 auf 733 Stunden, Genf kommt auf 1'921, Neuenburg auf 507, der Jura auf 0. Das BFS weist Werte für Nidwalden und Appenzell Ausserrhoden nicht aus, für mehrere kleine Kantone fehlt der Wert 2019.
| # | Stunden 2024 | |
|---|---|---|
| 1 | Zürich2019: 6'471 · Anteil privat 94 % · 519 Std. pro 1'000 Kinder | 165'818 |
| 2 | St. Gallen2019: 141 · Anteil privat 84 % · 420 Std. pro 1'000 Kinder | 46'328 |
| 3 | Aargau2019: 919 · Anteil privat 73 % · 269 Std. pro 1'000 Kinder | 40'270 |
| 4 | Thurgau2019: 363 · Anteil privat 61 % · 331 Std. pro 1'000 Kinder | 20'159 |
| 5 | Basel-Landschaft2019: 0 · Anteil privat 82 % · 316 Std. pro 1'000 Kinder | 18'411 |
| 6 | Schaffhausen2019: nicht ausgewiesen · Anteil privat 89 % · 727 Std. pro 1'000 Kinder | 12'227 |
| 7 | Bern2019: 19 · Anteil privat 53 % · 59 Std. pro 1'000 Kinder | 12'141 |
| 8 | Basel-Stadt2019: 1 · Anteil privat 59 % · 311 Std. pro 1'000 Kinder | 11'148 |
| 9 | Freiburg2019: 0 · Anteil privat 96 % · 121 Std. pro 1'000 Kinder | 9'128 |
| 10 | Wallis2019: 174 · Anteil privat 89 % · 113 Std. pro 1'000 Kinder | 8'039 |
| 11 | Solothurn2019: 25 · Anteil privat 71 % · 137 Std. pro 1'000 Kinder | 7'646 |
| 12 | Glarus2019: nicht ausgewiesen · Anteil privat 100 % · 809 Std. pro 1'000 Kinder | 6'628 |
| 13 | Schwyz2019: nicht ausgewiesen · Anteil privat 89 % · 125 Std. pro 1'000 Kinder | 4'013 |
| 14 | Luzern2019: 396 · Anteil privat 41 % · 45 Std. pro 1'000 Kinder | 4'010 |
| 15 | Zug2019: nicht ausgewiesen · Anteil privat 62 % · 105 Std. pro 1'000 Kinder | 2'805 |
| 16 | Tessin2019: 150 · Anteil privat 53 % · 31 Std. pro 1'000 Kinder | 1'969 |
| 17 | Genf2019: 148 · Anteil privat 28 % · 17 Std. pro 1'000 Kinder | 1'921 |
| 18 | Waadt2019: 2'588 · Anteil privat 11 % · 4 Std. pro 1'000 Kinder | 733 |
| 19 | Uri2019: nicht ausgewiesen · Anteil privat 38 % · 95 Std. pro 1'000 Kinder | 715 |
| 20 | Neuenburg2019: 41 · Anteil privat 69 % · 14 Std. pro 1'000 Kinder | 507 |
| 21 | Obwalden2019: nicht ausgewiesen · Anteil privat 94 % · 28 Std. pro 1'000 Kinder | 221 |
| 22 | Graubünden2019: nicht ausgewiesen · Anteil privat 2 % · 4 Std. pro 1'000 Kinder | 126 |
Verrechnete Stunden Grundpflege, Wohnkanton des Anbieters gemäss BFS. Nidwalden und Appenzell Ausserrhoden: vom BFS nicht ausgewiesen. Kleine Kantone mit wenigen Kindern schwanken stark. Pro 1'000 Einwohnerinnen und Einwohner von 0 bis 19 Jahren (STATPOP 2024).
Je jünger, desto schneller
Mit der Alterung lässt sich der Anstieg nicht erklären. Bei privaten Firmen wuchs die Grundpflege für über 80-Jährige von 2019 bis 2024 um 70 %, für 65- bis 79-Jährige um 144 %, für 20- bis 64-Jährige um 181 % und für 0- bis 19-Jährige auf das 26-Fache. Je jünger die Klientinnen und Klienten, desto schneller das Wachstum.
| Alter | Privat 2019 | Privat 2024 | Veränderung privat | Veränderung gemeinnützig |
|---|---|---|---|---|
| 0 bis 19 Jahre | 14'447 | 378'245 | 26,2-mal | +76 % |
| 20 bis 64 Jahre | 487'878 | 1'371'831 | +181 % | +18 % |
| 65 bis 79 Jahre | 656'342 | 1'601'831 | +144 % | +12 % |
| 80 Jahre und älter | 1'796'594 | 3'053'705 | +70 % | +11 % |
| Alle Altersgruppen | 2'955'261 | 6'405'612 | +117 % | +13 % |
Verrechnete Stunden Grundpflege, ganze Schweiz. Gemeinnützig: gemeinnützige und öffentlich-rechtliche Unternehmen.
Was die Zahlen nicht zeigen: wer pflegt und wer bezahlt
Wer pflegt. Die Spitex-Statistik hat kein Merkmal für Angehörige. Das BFS schreibt zu den stark gestiegenen Angestellten ohne spezifische Ausbildung bei privaten Firmen: «Obschon die vorhandenen Daten keine direkten Schlüsse zulassen, kann davon ausgegangen werden, dass ein erheblicher Teil dieser Personen ohne spezifische Ausbildung als pflegende Angehörige fungierten.» Der Bundesrat beschreibt in seinem Bericht vom 15. Oktober 2025 Organisationen, die ihr Geschäftsmodell auf die Anstellung pflegender Angehöriger ausgerichtet haben, und stellt fest, dass solche Anstellungen seit 2019 stark zugenommen haben. Dieses Modell könnte einen Teil des Anstiegs bei Kindern erklären, etwa wenn Eltern ihr Kind pflegen und dafür bei einer Firma angestellt sind. Belegen lässt sich das mit den öffentlichen Daten nicht.
Wer bezahlt. Die Statistik zeigt verrechnete und geleistete Stunden, nicht den Kostenträger. Bei Kindern kommen je nach Diagnose unterschiedliche Sozialversicherungen in Frage. Welche davon diese Stunden bezahlt, ist offen.
Neue Firmen oder neu erfasste Firmen. Die Zahl der privaten Unternehmen, die Grundpflege anbieten, stieg von 332 (2019) auf 477 (2024). Firmen, die nur Kinder pflegen, gab es 2019 bei den privaten Anbietern keine, 2024 drei. Welche Firmen an der Erhebung teilnehmen, bestimmen die Kantone mit ihren Listen. Ob ein Teil des Wachstums von Firmen stammt, die schon früher tätig waren und erst später erfasst wurden, lässt sich mit öffentlichen Daten nicht prüfen. Einen Bruch in der Erhebung dokumentiert das BFS seit 2010 nicht.
Bei den über 80-Jährigen: mehr Pflege, weniger Haushaltshilfe
Dieselbe Statistik zeigt eine zweite Verschiebung. Die Pflegestunden der Spitex für Menschen ab 80 Jahren stiegen von 2019 bis 2024 um ein Drittel (+33 %), die Hilfe im Haushalt und die Sozialbetreuung sanken um 4,6 %. Weil gleichzeitig die Zahl der über 80-Jährigen um 15 % wuchs, fiel die Haushaltshilfe pro Einwohnerin und Einwohner ab 80 von 8,8 auf 7,3 Stunden im Jahr (−17 %). Das sind rund 8,4 Minuten pro Woche. Es ist ein Durchschnitt über alle über 80-Jährigen, nicht das, was eine Klientin erhält. Wer die Lücke füllt, Angehörige, privat angestellte Haushaltshilfen oder niemand, zeigt die Statistik nicht. Für den Kanton Zürich hat Clino dieselbe Entwicklung im Juli in einer eigenen Studie beschrieben.
Verrechnete Spitex-Stunden aller Anbieter an Klientinnen und Klienten ab 80 Jahren, geteilt durch die ständige Wohnbevölkerung ab 80 Jahren. Hauswirtschaft 2019: 8,8 Stunden, 2024: 7,3. Pflege 2019: 22,3, 2024: 25,8. Durchschnitt über alle über 80-Jährigen, nicht das, was eine Klientin erhält.
Wenn die Familie selbst anstellt
Viele Familien stellen für Betreuung und Haushalt direkt jemanden an, ohne Spitex. Dann ist die Familie Arbeitgeberin: Anmeldung bei der Ausgleichskasse, Unfallversicherung, Lohnabrechnung. Clino erledigt das für private Haushalte. Betreuerin anmelden, Arbeitsvertrag für die Betreuung, Lohnrechner.
Quellen
- BFS, Statistik der Hilfe und Pflege zu Hause, px-x-1404040000_102 (2011 bis 2024)
- BFS, Statistik der Hilfe und Pflege zu Hause, px-x-1404040000_101 (2011 bis 2024)
- BFS, STATPOP, px-x-0102010000_101 (2015 bis 2024)
- BFS, Medienmitteilung Hilfe und Pflege zu Hause (11.11.2025)
- Bundesrat, Bericht Pflegeleistungen von Angehörigen in der OKP (15.10.2025)
Sie vertreten eine Organisation, die Haushalte oder Arbeitnehmende unterstützt?
Partner werden→Weiterführende Ressourcen
Pressekontakt
Medienanfragen, Interviews, Hintergrundinformationen
Über Clino
Clino ist eine Schweizer SaaS-Plattform, die privaten Haushalten ermöglicht, ihre Haushaltshilfe legal anzustellen: Lohnabrechnung, Arbeitsvertrag und AHV-Anmeldung; Clino führt durch das Verfahren, die Versicherung schliesst der Haushalt selbst ab. CHF 19.90/Monat. Alle 26 Kantone. Gegründet 2026 in Zürich. clino.ch






















