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Putzfrau verursacht Schaden: Wer haftet - und was Sie tun sollten

Wer zahlt? Ihr Fall in 10 Sekunden

Was ist passiert?

Wählen Sie, was passiert ist: Sie sehen, wer zahlt und warum.

Allgemeine Einordnung nach Art. 321e OR, keine Rechtsberatung. Im Streitfall entscheidet das Gericht nach den Umständen.

Zerbrochene blau-weisse Tasse mit Scherben auf einem hellen Fliesenboden, daneben eine blaue Kehrschaufel und ein hellgrüner Besen im Sonnenlicht
Die Tasse ist kaputt, aber vom Lohn abziehen dürfen Sie den Schaden nur eng begrenzt: Bei leichter Fahrlässigkeit schuldet Ihre Putzfrau oft nichts.

Ihre Putzfrau haftet nur nach Verschuldensgrad (Art. 321e OR): Bei leichter Fahrlässigkeit und tiefen Löhnen haftet sie in der Regel nicht, den Schaden tragen Sie als Arbeitgeber oder Ihre Versicherung.

Der rechtliche Rahmen: Art. 321e OR

Haushaltshilfe und Arbeitgeberin halten lachend die zwei Hälften einer zerbrochenen Porzellanschale
Eine Schale geht zu Bruch, das passiert. Bei leichter Fahrlässigkeit und tiefem Lohn haftet die Haushaltshilfe in der Regel nicht.

Das Schweizer Arbeitsrecht unterscheidet vier Fahrlässigkeitsstufen - und schützt Arbeitnehmer deutlich stärker, als viele Arbeitgeber erwarten.

  1. 1

    Der Arbeitnehmer haftet für Schäden, die er absichtlich oder fahrlässig verursacht.

  2. 2

    Das Mass der Haftung richtet sich nach dem Grad der Fahrlässigkeit, dem Berufsrisiko und den konkreten Umständen.

  3. 3

    Bei leichter Fahrlässigkeit und tiefen Löhnen: in der Regel keine Haftung.

  4. 4

    Gerichte berücksichtigen: Lohnhöhe, Dienstjahre, Komplexität der Arbeit und Sorgfaltsmassnahmen des Arbeitgebers.

  5. 5

    Der Arbeitgeber trägt das Betriebsrisiko - wertvolle Gegenstände in Reichweite sind sein Risiko.

Lohnabzug für Schäden: nur eng begrenzt

Viele Arbeitgeber wollen den Schaden einfach vom Lohn abziehen. Das geht nur eng begrenzt. Erstens muss die Forderung überhaupt bestehen: Bei leichter Fahrlässigkeit schuldet Ihre Haushaltshilfe oft nichts (Art. 321e OR). Zweitens dürfen Sie nach Art. 323b Abs. 2 OR nur mit dem pfändbaren Teil des Lohns verrechnen, also mit dem, was über dem betreibungsrechtlichen Existenzminimum liegt. Bei einem tiefen Lohn ist das oft nichts. Unbeschränkt verrechnen dürfen Sie nur einen absichtlich zugefügten Schaden.

Sie arbeiten selbst als Haushaltshilfe und sollen einen Schaden bezahlen? Ihre Rechte als Putzfrau im Überblick.

Versicherungsschutz: Wer zahlt wirklich?

In den meisten Fällen zahlt nicht die Putzfrau - sondern eine Versicherung. Drei Policen sind relevant:

Privathaftpflicht der Putzfrau

Deckt Schäden, die sie Dritten zufügt - auch Ihnen als Arbeitgeber. Die meisten Schweizer Haushalte haben eine, aber nicht alle Haushaltshilfen. Fragen Sie nach.

Ihre Gebäude- oder Hausratversicherung

Wenn der Schaden in Ihrer Wohnung entsteht (z.B. Wasserschaden am Parkett), kann Ihre eigene Gebäude- oder Hausratversicherung einspringen - oft mit einem Selbstbehalt.

Hausratversicherung

Deckt Ihre beweglichen Gegenstände (Vasen, Elektronik, Möbel) gegen Feuer, Wasser und Diebstahl. Ein heruntergefallener oder zerbrochener Gegenstand ist meist nur mit einer Zusatzdeckung versichert. Prüfen Sie Ihre Police.

Verletzt sich Ihre Haushaltshilfe bei der Arbeit selbst, zahlt keine dieser Policen, sondern die obligatorische Unfallversicherung, die Sie als Arbeitgeber abschliessen.

Schäden vermeiden: Checkliste für Arbeitgeber

Vor dem ersten Putztag

  • Wertvolle Gegenstände (Kunstobjekte, Erbstücke) wegräumen oder kennzeichnen
  • Klare Anweisungen geben: Was soll geputzt werden - und was nicht?
  • Versicherungen klären: Hat sie eine Privathaftpflicht, und haben Sie Ihre Pflichtversicherungen als Arbeitgeber abgeschlossen?
  • Arbeitsvertrag schriftlich aufsetzen, etwa mit einer Vertragsvorlage für Putzfrauen, inkl. Hausordnung
  • Fotos von teuren Gegenständen machen (für Versicherungsmeldung)
  • Handy-Nutzung während der Arbeit im Vertrag regeln

Auch ein verlorener Schlüssel ist ein Schaden. Halten Sie die Übergabe mit einer unterschriebenen Schlüsselquittung fest, dann können Sie ihn der Versicherung belegen.

4 Schritte nach einem Schaden

Ein Schaden ist passiert. Bleiben Sie ruhig und gehen Sie systematisch vor:

1

Schaden dokumentieren

Fotos machen, Zeitpunkt notieren, kurze Beschreibung schreiben. Je schneller, desto besser für eine allfällige Versicherungsmeldung.

2

Versicherung prüfen

Prüfen Sie Ihre Hausrat- oder Gebäudeversicherung. Fragen Sie Ihre Haushaltshilfe, ob sie eine Privathaftpflicht hat. In vielen Fällen endet es hier.

3

Gespräch führen - nicht drohen

Sprechen Sie sachlich mit Ihrer Haushaltshilfe. Kein Lohnabzug, keine Drohungen. Klären Sie gemeinsam, was passiert ist. Eine gute Arbeitsbeziehung ist mehr wert als eine Vase.

4

Bei grossen Schäden: Rechtsberatung

Bei Schäden über CHF 2'000 oder bei Verdacht auf Vorsatz: Lassen Sie sich rechtlich beraten, bevor Sie handeln. Die erste Beratung bei einem Anwalt ist oft kostenlos oder günstig.

Ein zerbrochenes Glas ist kein Grund für eine fristlose Kündigung, ein Diebstahl schon. Warum Sie bei allem dazwischen besser ordentlich kündigen, erklärt der Leitfaden zur Kündigung Ihrer Haushaltshilfe.

Häufige Fragen

Kann ich den Schaden einfach vom Lohn abziehen?
Nur eng begrenzt. Die Forderung muss bestehen (bei leichter Fahrlässigkeit oft nicht, Art. 321e OR), und Sie dürfen sie nur mit dem pfändbaren Teil des Lohns verrechnen (Art. 323b Abs. 2 OR). Bei einem tiefen Lohn bleibt da oft nichts. Unbeschränkt verrechnen dürfen Sie nur einen absichtlich zugefügten Schaden.
Meine Putzfrau hat keine Haftpflichtversicherung - was tun?
Prüfen Sie zuerst Ihre eigene Hausratversicherung. Bei leichter Fahrlässigkeit tragen Sie als Arbeitgeber ohnehin das Risiko. Empfehlen Sie Ihrer Haushaltshilfe eine Privathaftpflicht - die kostet ab ca. CHF 5 pro Monat.
Ab welchem Betrag lohnt sich ein Anwalt?
Bei Schäden unter CHF 2'000 ist der Rechtsweg selten wirtschaftlich. Viele Versicherungen decken solche Beträge. Bei grösseren Schäden oder Vorsatz lohnt sich eine anwaltliche Erstberatung.
Gilt Art. 321e OR auch für Putzfrauen im Stundenlohn?
Ja. Art. 321e OR gilt für alle Arbeitsverhältnisse - unabhängig davon, ob Stunden- oder Monatslohn. Haushaltshilfen im Privathaushalt sind Arbeitnehmer gemäss Art. 319 OR.
Kann ich wertvolle Gegenstände im Vertrag ausschliessen?
Sie können im Arbeitsvertrag festhalten, dass bestimmte Gegenstände nicht berührt werden sollen. Das reduziert Ihr Risiko - aber es ändert nichts an der gesetzlichen Haftungsabstufung nach Art. 321e OR.
Salvador Jovells

Salvador Jovells, Gründer von Clino