Anmelde-Graben 2026: In Zürich melden 31 von 1’000 Haushalten ihre Haushaltshilfe an, in Luzern 11, und die Kontrolldichte erklärt nichts
Erstmals für alle 26 Kantone: Wie viele Haushalte ihre Putzfrau, Nanny oder Betreuerin im vereinfachten Abrechnungsverfahren anmelden, pro 1’000 Privathaushalte. Der Abstand zwischen dem besten und dem schlechtesten Kanton ohne Chèque-Emploi beträgt Faktor 4,7. Vier Hypothesen, drei davon widerlegt: Kontrollen, Alter und der Röstigraben erklären die Quote nicht. Und der Rückgang, den der Bund seit 2021 ausweist, ist zu einem grossen Teil ein Zählartefakt.
Zusammenfassung
Das SECO zählt jedes Jahr, wie viele Arbeitgebende das vereinfachte Abrechnungsverfahren nutzen, den Weg, über den die meisten Privathaushalte ihre Haushaltshilfe legal anmelden: 65’669 waren es 2025. Wie sich diese Zahl auf die Kantone verteilt, stand bisher in keinem Bericht. Sie steht in einer Excel-Tabelle des Bundesamts für Sozialversicherungen, Detailtabelle 4.2, Zeile für Zeile pro Ausgleichskasse. Clino hat sie mit den Privathaushalten des BFS verrechnet.
Das Ergebnis ist ein Graben quer durch die Deutschschweiz. Zürich meldet 31,3 Arbeitgebende pro 1’000 Haushalte an, das Tessin 27,7, Bern 21,9. Luzern kommt auf 10,6, St. Gallen auf 11,2, Basel-Landschaft auf 6,6. Der Schweizer Schnitt liegt bei 16,2; 9 der 20 Kantone ohne Chèque-Emploi liegen darüber, 11 darunter. Zwischen Zürich und Basel-Landschaft liegt Faktor 4,7, bei identischem Bundesgesetz, identischen Löhnen für die Putzfrau und identischer Bussenandrohung.
Die naheliegende Erklärung fällt durch: Wo das SECO mehr kontrolliert, wird nicht mehr angemeldet. Die Korrelation zwischen Kontrolldichte und Anmeldequote beträgt r = +0,13 in den 20 Kantonen ohne Chèque-Emploi und −0,00 über alle 26. Basel-Stadt kontrolliert mit 560 Kontrollen pro 10’000 Betriebe am dichtesten und liegt auf Rang 9. Zug kontrolliert mit 37 am wenigsten und liegt auf Rang 4. Auch der Anteil Hochbetagter erklärt nichts (r = −0,03). Und die Romandie meldet nicht weniger an, sie meldet anders an: Die Waadt hat 10’976 Arbeitgeber bei Chèques-emploi, aber nur 1’421 in der AHV-Statistik.
Die Rangliste: 26 Kantone, ein Gesetz, Faktor 4,7
Gezählt werden Arbeitgebende, die 2025 bei der kantonalen Ausgleichskasse im vereinfachten Abrechnungsverfahren registriert waren, pro 1’000 Privathaushalte am 31. Dezember 2024. Das ist keine Quote der Legalität: Haushalte, die über das ordentliche Verfahren abrechnen, fehlen (siehe unten), ebenso die Chèque-Emploi-Kantone. Es ist die Quote des Verfahrens, das der Bund 2008 genau für diese Haushalte geschaffen hat.
| # | pro 1’000 | |
|---|---|---|
| 1 | Zürich22’796 Arbeitgebende 2025 · 728’411 Haushalte | 31,3 |
| 2 | Tessin4’744 Arbeitgebende 2025 · 171’490 Haushalte | 27,7 |
| 3 | Bern10’919 Arbeitgebende 2025 · 497’979 Haushalte | 21,9 |
| 4 | Zug1’169 Arbeitgebende 2025 · 57’382 Haushalte | 20,4 |
| 5 | Schwyz1’499 Arbeitgebende 2025 · 74’118 Haushalte | 20,2 |
| 6 | Appenzell A.Rh.486 Arbeitgebende 2025 · 25’018 Haushalte | 19,4 |
| 7 | Aargau5’866 Arbeitgebende 2025 · 320’967 Haushalte | 18,3 |
| 8 | Appenzell I.Rh.123 Arbeitgebende 2025 · 7’012 Haushalte | 17,5 |
| 9 | Basel-Stadt1’734 Arbeitgebende 2025 · 101’327 Haushalte | 17,1 |
| 10 | Thurgau2’085 Arbeitgebende 2025 · 132’111 Haushalte | 15,8 |
| 11 | Solothurn1’996 Arbeitgebende 2025 · 131’314 Haushalte | 15,2 |
| 12 | Schaffhausen575 Arbeitgebende 2025 · 40’978 Haushalte | 14,0 |
| 13 | Graubünden1’359 Arbeitgebende 2025 · 97’566 Haushalte | 13,9 |
| 14 | Obwalden213 Arbeitgebende 2025 · 17’380 Haushalte | 12,3 |
| 15 | Glarus229 Arbeitgebende 2025 · 19’020 Haushalte | 12,0 |
| 16 | Uri201 Arbeitgebende 2025 · 16’818 Haushalte | 12,0 |
| 17 | St. Gallen2’681 Arbeitgebende 2025 · 238’850 Haushalte | 11,2 |
| 18 | Nidwalden222 Arbeitgebende 2025 · 20’544 Haushalte | 10,8 |
| 19 | Luzern2’039 Arbeitgebende 2025 · 193’215 Haushalte | 10,6 |
| 20 | Basel-Landschaft895 Arbeitgebende 2025 · 135’831 Haushalte | 6,6 |
| 21 | WallisChèque-Emploi-Kanton: AHV-Statistik unvollständig | 5,1 |
| 22 | WaadtChèque-Emploi-Kanton: AHV-Statistik unvollständig | 3,7 |
| 23 | FreiburgChèque-Emploi-Kanton: AHV-Statistik unvollständig | 3,7 |
| 24 | GenfChèque-Emploi-Kanton: AHV-Statistik unvollständig | 3,3 |
| 25 | NeuenburgChèque-Emploi-Kanton: AHV-Statistik unvollständig | 0,8 |
| 26 | JuraChèque-Emploi-Kanton: AHV-Statistik unvollständig | 0,3 |
Zähler: Arbeitgebende, die 2025 bei der kantonalen Ausgleichskasse im vereinfachten Verfahren registriert waren (BSV Detailtabelle 4.2). Nenner: Privathaushalte am 31.12.2024 (BFS STATPOP). Schweiz: 16,2. Die sechs Chèque-Emploi-Kantone (FR, VD, VS, NE, GE, JU) rechnen den Grossteil ihrer Haushaltsanstellungen über eine Chèque-Struktur ab, die in der AHV-Statistik als ein einziger Arbeitgeber erscheint; ihre Quote ist deshalb nicht vergleichbar. Quelle: BSV, BFS.
Die Landkarte: Ein Graben quer durch die Deutschschweiz
Zürich, Tessin, Bern, Zug, Schwyz und Appenzell Ausserrhoden bilden die Spitze. Die Zentralschweiz um Luzern, die Ostschweiz um St. Gallen und die Nordwestschweiz um Basel-Landschaft bilden das Schlusslicht der Deutschschweiz. Die Romandie erscheint hell, aus einem anderen Grund: Dort läuft die Anmeldung über Chèque-Emploi-Strukturen, die in der AHV-Statistik nur als ein Arbeitgeber zählen.
Dunkel = hohe Quote. Die Romandie erscheint hell, weil ihre Haushalte über Chèque-Emploi-Strukturen abrechnen, nicht weil sie weniger anmelden. Quelle: BSV Detailtabelle 4.2, BFS STATPOP.
Hypothese 1: Mehr Kontrollen, mehr Anmeldungen. Widerlegt.
Das Bundesgesetz gegen die Schwarzarbeit setzt auf Abschreckung: Die Kantone kontrollieren, das SECO zählt die Kontrollen. Wenn Abschreckung wirkt, müssten Kantone mit hoher Kontrolldichte eine höhere Anmeldequote haben. Sie haben sie nicht. Die 20 Kantone ohne Chèque-Emploi ergeben eine Punktwolke ohne Richtung.
Jeder Punkt ein Kanton. x: Schwarzarbeitskontrollen pro 10’000 Betriebe 2025 (SECO BGSA-Bericht, Grafik 4.1; AI/AR und UR/NW/OW von SECO gruppiert). y: Arbeitgebende im vereinfachten Verfahren pro 1’000 Haushalte. r = +0,13 über die 20 Kantone ohne Chèque-Emploi, −0,00 über alle 26. Basel-Stadt kontrolliert am dichtesten und liegt im Mittelfeld; Zug kontrolliert am wenigsten und liegt auf Rang 4. Quelle: SECO, BSV, BFS.
Basel-Stadt kontrolliert 15-mal dichter als Zug und meldet pro Haushalt weniger an. Die Anmeldequote folgt nicht der Kontrolle, sie folgt der Gewohnheit.
Das ist kein Freispruch für die Kontrollen, sondern ein Hinweis auf ihre Adresse: 2025 fanden schweizweit nur 239 der Kontrollen in Privathaushalten statt, der Rest in Betrieben. Die Kontrolldichte des SECO misst den Druck auf Gastronomie und Bau, nicht auf Wohnzimmer. Wer die Anmeldung in Luzern oder St. Gallen erhöhen will, findet in der Kontrollstatistik keinen Hebel.
Hypothese 2: Wo mehr Hochbetagte leben, wird mehr Betreuung angemeldet. Widerlegt.
Betreuung zu Hause ist das am schnellsten wachsende Segment der Haushaltsarbeit. Kantone mit einem höheren Anteil über 80-Jähriger müssten deshalb mehr Arbeitgebende im vereinfachten Verfahren haben. Der Zusammenhang über die 20 Kantone ohne Chèque-Emploi beträgt r = −0,03. Das Tessin hat mit 8,2 % den höchsten Anteil Hochbetagter und liegt auf Rang 2; Basel-Landschaft hat mit 7,6 % den zweithöchsten und liegt auf Rang 20. Zug hat mit 5,6 % einen unterdurchschnittlichen Anteil und liegt auf Rang 4.
Die Erklärung liegt näher an der Kasse als an der Demografie. Wo eine Ausgleichskasse das vereinfachte Verfahren aktiv anbietet und bewirbt, wird es genutzt. Die SVA Zürich führt eine eigene Rubrik «Hausdienst», die SVA Aargau eine Seite «Haushalte mit Angestellten». Wo die Kasse Haushalte ins ordentliche Verfahren lenkt, verschwinden sie aus dieser Statistik, nicht aus der Legalität.
Hypothese 3: Die Romandie meldet weniger an. Falsch gemessen.
Genf 3,3, Waadt 3,7, Freiburg 3,7, Neuenburg 0,8, Jura 0,3: Nach der AHV-Statistik wäre die Westschweiz ein Paradies der Schwarzarbeit. Sie ist das Gegenteil. Seit 1998 (Wallis), 2004 (Genf), 2005 (Waadt) und 2006 (Freiburg) läuft die Haushaltsanstellung dort über Chèque-Emploi-Strukturen: Der Haushalt kauft Lohnstunden, die Struktur rechnet mit AHV, Unfallversicherung und Quellensteuer ab. Für die Ausgleichskasse ist die Struktur ein einziger Arbeitgeber, oder sie behandelt die Putzfrau gleich als eigene Angestellte.
Die Waadt hatte 2024 10’976 Arbeitgeber bei Chèques-emploi und 1’439 im vereinfachten Verfahren: das 7,6-Fache. Freiburg 3’130 aktive Chèque-Verträge gegen 668: das 4,7-Fache. Genf nennt rund 15’000 Haushalte pro Jahr, ohne Datum und ohne Prüfung. Rechnet man die Waadt mit ihren Chèque-Arbeitgebern, liegt sie bei rund 32,5 pro 1’000: rechnerisch vor Zürich. Der Kanton, der in der AHV-Statistik auf Rang 23 steht, wäre mit seinem eigenen Kanal der Spitzenreiter.
| Kanton | Vereinfachtes Verfahren 2025 | Chèque-Struktur | Chèque-Arbeitgeber | Status |
|---|---|---|---|---|
| Genf | 716 | Chèque service | ≈ 15’000 | Selbstangabe |
| Waadt | 1’421 | Chèques-emploi (EPER) | 10’976 | offiziell |
| Freiburg | 547 | Chèque Emploi Fribourg | 3’130 | offiziell |
| Wallis | 869 | Top Relais | ≈ 2’500 | Selbstangabe |
| Neuenburg | 66 | TickeTAC | – | nicht publiziert |
| Jura | 10 | Chèque Emploi Jura (Caritas) | – | nicht publiziert |
Chèque-Emploi-Strukturen (Genf: PRO/Chèque service; Waadt: EPER; Freiburg: Chèque Emploi Fribourg; Wallis: Top Relais; Neuenburg: TAC; Jura: Caritas) rechnen die Haushalte als eigene Arbeitnehmer oder als ein Sammel-Arbeitgeber ab. Offizielle Nutzerzahlen gibt es nur für die Waadt (EPER, 2024) und Freiburg (Rapport de gestion 2024, aktive Verträge). Genf und Wallis: Selbstangaben der Betreiber, undatiert. Neuenburg und Jura publizieren nichts. Quelle: BSV, EPER, fr.ch, chequeservice.ch, toprelais.ch.
Hypothese 4: Die Haushalte kehren dem Verfahren den Rücken. Zum grossen Teil ein Zählartefakt.
Der SECO-Bericht weist für das vereinfachte Verfahren einen Rückgang von 98’305 Arbeitgebenden im Jahr 2021 auf 65’669 im Jahr 2025 aus, minus 33 %. Die kantonalen Zeilen zeigen, woher er kommt: Die Waadt fiel von 11’372 auf 1’804 (2022), Genf von 5’484 auf 1’264, Neuenburg von 599 auf 154, Freiburg ein Jahr später von 1’562 auf 722. Die Deutschschweiz bewegte sich kaum.
Zwei Kassen erklären den Bruch schriftlich. Die OCAS Genf im Jahresbericht 2023: «Cette baisse est due au transfert du siège d’une plateforme en ligne spécialisée dans l’économie domestique dans un autre canton.» Die Kasse Neuenburg im Bericht 2022: Ein Mitglied, das bisher jeden Haushalt einzeln anmeldete, «considère désormais ces travailleurs comme ses propres salariés». Die nationale Zeitreihe misst also, wo Plattformen ihren Sitz haben und wie sie abrechnen, nicht, wie viele Haushalte legal anmelden.
Der Rückgang von 2024 auf 2025 (-3,8 %) ist breiter: 13 Kantone verlieren mehr als 10 %, darunter das Tessin (-22,8 %), Zug (-26,8 %) und St. Gallen (−19,6 %). Er fällt mit der Einführung von VAV plus am 1. Januar 2025 zusammen, dem neuen Verfahren für Haushalte, die freiwillig ordentlich abrechnen. Keine Kasse erklärt ihn. Zürich wächst im selben Jahr um +10,5 %.
| # | Δ 2024–25 | |
|---|---|---|
| 1 | Jura20 → 10 · Chèque-Emploi-Kanton: AHV-Statistik unvollständig | −50,0 % |
| 2 | Genf1’348 → 716 · Chèque-Emploi-Kanton: AHV-Statistik unvollständig | −46,9 % |
| 3 | Zug1’597 → 1’169 | −26,8 % |
| 4 | Tessin6’144 → 4’744 | −22,8 % |
| 5 | Glarus296 → 229 | −22,6 % |
| 6 | Graubünden1’699 → 1’359 | −20,0 % |
| 7 | St. Gallen3’336 → 2’681 | −19,6 % |
| 8 | Nidwalden273 → 222 | −18,7 % |
| 9 | Freiburg668 → 547 · Chèque-Emploi-Kanton: AHV-Statistik unvollständig | −18,1 % |
| 10 | Thurgau2’519 → 2’085 | −17,2 % |
| 11 | Obwalden249 → 213 | −14,5 % |
| 12 | Neuenburg77 → 66 · Chèque-Emploi-Kanton: AHV-Statistik unvollständig | −14,3 % |
| 13 | Luzern2’331 → 2’039 | −12,5 % |
| 14 | Schwyz1’606 → 1’499 | −6,7 % |
| 15 | Basel-Landschaft951 → 895 | −5,9 % |
| 16 | Schaffhausen603 → 575 | −4,6 % |
| 17 | Waadt1’439 → 1’421 · Chèque-Emploi-Kanton: AHV-Statistik unvollständig | −1,3 % |
| 18 | Solothurn2’018 → 1’996 | −1,1 % |
| 19 | Bern11’025 → 10’919 | −1,0 % |
| 20 | Aargau5’894 → 5’866 | −0,5 % |
| 21 | Appenzell I.Rh.123 → 123 | 0,0 % |
| 22 | Appenzell A.Rh.485 → 486 | +0,2 % |
| 23 | Basel-Stadt1’707 → 1’734 | +1,6 % |
| 24 | Wallis816 → 869 · Chèque-Emploi-Kanton: AHV-Statistik unvollständig | +6,5 % |
| 25 | Uri185 → 201 | +8,6 % |
| 26 | Zürich20’628 → 22’796 | +10,5 % |
Schweiz: −3,8 % (68’247 auf 65’669). Der Rückgang fällt mit der Einführung von VAV plus am 1.1.2025 zusammen; keine Kasse erklärt ihn. Genf und Jura: Chèque-Kantone, kleine Basis. Quelle: BSV Detailtabelle 4.2.
Das Rätsel Basel-Landschaft: 6,6 pro 1’000 in der AHV-Statistik, 42,5 nach den Büchern der eigenen Kasse
Drei Ausgleichskassen publizieren, wie viele Haushaltsarbeitgeber sie insgesamt führen, in allen Verfahren. Die Zahlen stellen die Rangliste auf den Kopf. Die SVA Basel-Landschaft zählt 5’776 «Hausdienstarbeitgebende», 42,5 pro 1’000 Haushalte, aber nur 15 % davon im vereinfachten Verfahren. Die SVA Zürich zählt 39’741 Haushalte, 54,6 pro 1’000, davon 57 % im vereinfachten Verfahren. Das Tessin 12’106, 70,6 pro 1’000, 39 % vereinfacht.
| Kanton | Haushaltsarbeitgeber laut Kasse 2025 | pro 1’000 Haushalte | davon vereinfachtes Verfahren | Anteil |
|---|---|---|---|---|
| Tessin | 12’106 | 70,6 | 4’744 | 39 % |
| Zürich | 39’741 | 54,6 | 22’796 | 57 % |
| Basel-Landschaft | 5’776 | 42,5 | 895 | 15 % |
Nur drei Ausgleichskassen publizieren eine eigene Kategorie «Haushaltsarbeitgeber» (alle Verfahren). Sie zeigt, dass viele Haushalte im ordentlichen Verfahren abrechnen und in der VAV-Statistik fehlen. Die Kategorien sind zwischen den Kassen nicht identisch definiert. Quelle: SVA Zürich Jahresbericht 2025 S. 75; SVA Basel-Landschaft Jahresbericht 2025 S. 28; IAS Ticino Rendiconto 2025 Tab. 4.1; BSV Detailtabelle 4.2.
Was die AHV-Statistik sieht
- •Basel-Landschaft: 895 Arbeitgebende im vereinfachten Verfahren, 6,6 pro 1’000, Rang 20
- •Zürich: 22’796, 31,3 pro 1’000, Rang 1
- •Tessin: 4’744, 27,7 pro 1’000, Rang 2
Was die Kassen zählen
- •Basel-Landschaft: 5’776 Hausdienstarbeitgebende, 42,5 pro 1’000
- •Zürich: 39’741 Haushalte, 54,6 pro 1’000
- •Tessin: 12’106 Economie domestiche, 70,6 pro 1’000
Basel-Landschaft ist in der AHV-Statistik der schlechteste Deutschschweizer Kanton und nach den Büchern seiner eigenen Kasse einer der besten. Die Anmeldequote der Schweiz kennt niemand, weil die 26 Kassen nicht dasselbe zählen.
Überraschende Erkenntnisse
Die Tabelle, die der SECO-Bericht nicht kennt
Der Bericht zum Bundesgesetz gegen die Schwarzarbeit publiziert das vereinfachte Verfahren nur als nationale Summe. Das BSV publiziert seit 2013 dieselbe Zahl pro Ausgleichskasse, in der Detailtabelle 4.2 zur Durchführung der AHV. Die Summe der 26 kantonalen Kassen (65’460) plus Verbandskassen ergibt exakt die SECO-Zahl. Zwei Kassen, Genf und Neuenburg, drucken ihre Zeile im Jahresbericht ab; sie stimmt auf die Einheit.
VAV plus: 1’153 in der Schweiz, 1’400 allein in Zürich
Das SECO nennt für 2025 schweizweit 1’153 Arbeitgebende im neuen Verfahren VAV plus. Die SVA Zürich schreibt im selben Jahr von «fast 40’000 Privathaushalten», von denen «1’400 das neue Angebot VAVplus» wählten. Entweder zählt das SECO zu einem anderen Stichtag oder die Definitionen weichen ab. Die nationale Zahl ist ohne diesen Vorbehalt nicht zitierbar.
Zug: am wenigsten Kontrollen, Rang 4
37 Kontrollen pro 10’000 Betriebe sind der tiefste Wert der Schweiz, ein Fünfzehntel von Basel-Stadt. Trotzdem meldet Zug 20,4 Arbeitgebende pro 1’000 Haushalte an, fast doppelt so viele wie Luzern nebenan. Die tiefen Steuern erklären es nur zur Hälfte: Schwyz liegt mit 20,2 gleichauf, Nidwalden mit 10,8 auf Rang 18.
Die Chèque-Emploi-Idee hat den Röstigraben nie überquert
Sechs Westschweizer Kantone betreiben seit bis zu 28 Jahren Chèque-Strukturen, teils staatlich lanciert (Genf, Waadt), teils von Caritas oder Gemeinden getragen. In der Deutschschweiz existiert keine einzige. Dafür führt Zürich mit 39’741 Haushalten bei der SVA das grösste Register des Landes, ohne Chèque, mit einem Verfahren, das der Bund 2008 für genau diesen Zweck geschaffen hat.
Was das für Haushalte heisst
Ob ein Haushalt seine Putzfrau anmeldet, hängt nach diesen Zahlen weniger von der Angst vor der Kontrolle ab als davon, wie leicht die eigene Kasse es macht und ob es die Nachbarn tun. Für Haushalte in Luzern, St. Gallen oder Basel-Landschaft gilt dasselbe Gesetz wie in Zürich: ab dem ersten Franken Lohn AHV-Beiträge, ab dem ersten Arbeitstag Unfallversicherung, und das vereinfachte Verfahren steht jedem Haushalt bis CHF 60’480 Lohnsumme offen. Die Anmeldung dauert bei der eigenen Ausgleichskasse einen Nachmittag. Clino führt durch die Schritte, entscheiden und unterschreiben muss der Haushalt selbst.
Alle 26 Kantone im Detail
| Kanton | VAV 2025 | VAV 2024 | Δ | Haushalte | pro 1’000 | Kontrollen | 80+ | Chèque |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Zürich | 22’796 | 20’628 | +10,5 % | 728’411 | 31,3 | 124 | 5,5 % | |
| Tessin | 4’744 | 6’144 | −22,8 % | 171’490 | 27,7 | 552 | 8,2 % | |
| Bern | 10’919 | 11’025 | −1,0 % | 497’979 | 21,9 | 113 | 6,8 % | |
| Zug | 1’169 | 1’597 | −26,8 % | 57’382 | 20,4 | 37 | 5,6 % | |
| Schwyz | 1’499 | 1’606 | −6,7 % | 74’118 | 20,2 | 176 | 5,4 % | |
| Appenzell A.Rh. | 486 | 485 | +0,2 % | 25’018 | 19,4 | 226 * | 6,1 % | |
| Aargau | 5’866 | 5’894 | −0,5 % | 320’967 | 18,3 | 149 | 5,4 % | |
| Appenzell I.Rh. | 123 | 123 | 0,0 % | 7’012 | 17,5 | 226 * | 6,1 % | |
| Basel-Stadt | 1’734 | 1’707 | +1,6 % | 101’327 | 17,1 | 560 | 6,6 % | |
| Thurgau | 2’085 | 2’519 | −17,2 % | 132’111 | 15,8 | 113 | 5,3 % | |
| Solothurn | 1’996 | 2’018 | −1,1 % | 131’314 | 15,2 | 114 | 6,1 % | |
| Schaffhausen | 575 | 603 | −4,6 % | 40’978 | 14,0 | 297 | 6,8 % | |
| Graubünden | 1’359 | 1’699 | −20,0 % | 97’566 | 13,9 | 124 | 6,8 % | |
| Obwalden | 213 | 249 | −14,5 % | 17’380 | 12,3 | 193 * | 6,0 % | |
| Glarus | 229 | 296 | −22,6 % | 19’020 | 12,0 | 85 | 6,1 % | |
| Uri | 201 | 185 | +8,6 % | 16’818 | 12,0 | 193 * | 6,5 % | |
| St. Gallen | 2’681 | 3’336 | −19,6 % | 238’850 | 11,2 | 205 | 5,7 % | |
| Nidwalden | 222 | 273 | −18,7 % | 20’544 | 10,8 | 193 * | 6,5 % | |
| Luzern | 2’039 | 2’331 | −12,5 % | 193’215 | 10,6 | 74 | 5,6 % | |
| Basel-Landschaft | 895 | 951 | −5,9 % | 135’831 | 6,6 | 320 | 7,6 % | |
| Wallis | 869 | 816 | +6,5 % | 169’265 | 5,1 | 196 | 6,0 % | ja |
| Waadt | 1’421 | 1’439 | −1,3 % | 381’144 | 3,7 | 255 | 5,4 % | ja |
| Freiburg | 547 | 668 | −18,1 % | 147’964 | 3,7 | 353 | 4,7 % | ja |
| Genf | 716 | 1’348 | −46,9 % | 218’030 | 3,3 | 79 | 5,6 % | ja |
| Neuenburg | 66 | 77 | −14,3 % | 85’107 | 0,8 | 241 | 6,5 % | ja |
| Jura | 10 | 20 | −50,0 % | 34’203 | 0,3 | 294 | 6,7 % | ja |
| CH | 65’669 | 68’247 | −3,8 % | 4’063’044 | 16,2 | 193 | 6,0 % |
VAV = Arbeitgebende im vereinfachten Abrechnungsverfahren (BSV Detailtabelle 4.2, Berichtsjahr). Haushalte 31.12.2024 (BFS). Kontrollen pro 10’000 Betriebe 2025 (SECO; AI/AR und UR/NW/OW gruppiert). 80+ = Anteil der über 80-Jährigen an der ständigen Wohnbevölkerung 31.12.2025, provisorisch (BFS). Vollständige Spalten im CSV.
Quellen
- BSV: Durchführung der AHV, Detailtabelle 4.2 Vereinfachtes Abrechnungsverfahren 2012 bis 2025 (AK-4.2_d.xlsx) (15.7.2026), Arbeitgebende pro Ausgleichskasse, Berichtsjahr; Arbeitnehmende und Beiträge Vorjahr
- BSV: Erläuterungen zum Fragebogen für das Rechnungsjahr 2025 (2026), Definition Feld 707 (Arbeitgeber) und 717 (VAV plus)
- BFS STATPOP: Privathaushalte nach Kanton und Haushaltsgrösse am 31. Dezember 2024 (cc-d-01.02.02.02) (17.9.2025), 4’063’044 Privathaushalte
- SECO: Bericht über den Vollzug des BGSA 2025, Grafik 4.1 und Tab. 7.1 (17.6.2026), Kontrollen pro 10’000 Betriebe; 65’669 Arbeitgebende, 1’153 VAV plus
- BFS STATPOP/BEVNAT: Provisorische Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung 2025 (px-x-0102020000_202) (2026), Bevölkerung 80+ je Kanton
- EPER/HEKS: Chèques-emploi Vaud, Factsheet 2023 und Réformés 03.2026 (2024), 10’976 Arbeitgeber, 6’014 Angestellte
- Chèque Emploi Fribourg: Rapport de gestion 2024; fr.ch, Chèque emploi (2024/2025), 3’130 aktive Verträge 2024; 3’235 Arbeitgeber 2025
- SVA Zürich: Jahresbericht 2025, S. 21 und S. 75 (2026), 39’741 Arbeitgebende im Privathaushalt; 1’400 VAVplus
- SVA Basel-Landschaft: Jahresbericht 2025, S. 28 (2026), 5’776 Hausdienstarbeitgebende
- IAS Ticino: Rendiconto 2025, Tab. 4.1 (2026), 12’106 Economie domestiche; 4’744 im vereinfachten Verfahren
- OCAS Genève: Rapport annuel 2023, S. 15; Rapport annuel 2025, S. 15 (2024/2026), Erklärung des Bruchs 2022; 716 Arbeitgeber im vereinfachten Verfahren 2025
- CCNC Neuchâtel: Rapport de gestion 2022, S. 11; Rapport financier 2025, S. 17 (2023/2026), Erklärung des Bruchs 2022; 66 Arbeitgeber 2025
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Clino ist eine Schweizer SaaS-Plattform, die privaten Haushalten ermöglicht, ihre Haushaltshilfe legal anzustellen: Lohnabrechnung, Arbeitsvertrag und AHV-Anmeldung; Clino führt durch das Verfahren, die Versicherung schliesst der Haushalt selbst ab. CHF 19.90/Monat. Alle 26 Kantone. Gegründet 2026 in Zürich. clino.ch


























