Die 5-Prozent-Falle: In 16 von 26 Kantonen verlangt der Steuertarif von der Putzfrau nichts, die Pauschale CHF 600 im Jahr
In 16 von 26 Kantonen verlangt der ordentliche Quellensteuertarif auf CHF 1’000 Monatslohn 0 %. Die Pauschale des vereinfachten Abrechnungsverfahrens verlangt 5 %: endgültig, ohne Abzüge, ohne Rückerstattung. Wer dagegen im Haushalt eines Gutverdieners lebt, spart mit derselben Pauschale bis zu CHF 4’022. Eine Flat Tax mit umgekehrter Progression, nachgerechnet für alle 26 Kantone.
Zusammenfassung
Wer eine Putzfrau, eine Nanny oder eine Betreuerin im vereinfachten Abrechnungsverfahren anmeldet, zieht ihr 5 % des Lohns als Quellensteuer ab: 0,5 % für den Bund, 4,5 % für Kanton und Gemeinde. Das Gesetz nennt das «abgegolten». Es gibt keine Abzüge, keine Steuererklärung, keine nachträgliche Korrektur. 65’669 Arbeitgebende nutzten das Verfahren 2025, 74’660 Angestellte wurden 2024 darüber abgerechnet. Das SECO nennt die Pauschale «vielfach vorteilhafter» als die ordentliche Besteuerung.
Die Tarife der ESTV sagen etwas anderes. Auf einen Lohn von CHF 1’000 im Monat verlangt der ordentliche Quellensteuertarif A0 (alleinstehend, ohne Kinder) in 16 von 26 Kantonen 0 %; in Genf, der Waadt, dem Wallis und Basel-Stadt bleibt er bis rund CHF 2’450 bei null. Selbst an der Obergrenze des Verfahrens, CHF 22’680 im Jahr, liegt der Tarif in allen 26 Kantonen unter der Pauschale. Für eine Angestellte, deren einziger Verdienst der Haushaltsjob ist, kostet die Pauschale je nach Kanton CHF 444 bis 600 im Jahr mehr als der Tarif. Sie kann sich nicht wehren: Das Verfahren wählt der Arbeitgeber, für alle Angestellten zugleich.
Dieselbe Pauschale ist für andere ein Geschenk. Wer im Haushalt eines Ehepaars mit CHF 150’000 steuerbarem Einkommen lebt und CHF 12’000 dazuverdient, zahlt darauf in der ordentlichen Veranlagung die Grenzsteuer: 32,3 % in Zürich, 37,1 % in Genf, 38,5 % in Bern. Mit der Pauschale sind es 5 %. Ersparnis: CHF 3’277 bis 4’022 im Jahr. Die Regel, die für «kleine Arbeitsentgelte» geschaffen wurde, belastet die Kleinstverdienerin am stärksten und entlastet die Gutverdiener-Haushalte am meisten.
Die Rangliste: CHF 444 bis 600 im Jahr, die der Tarif nicht verlangt
Rechenbeispiel: eine Haushaltshilfe mit CHF 1’000 Bruttolohn im Monat, ihr einziger Job, ohne Kinder, ohne C-Bewilligung. Im vereinfachten Verfahren gehen CHF 50 pro Monat an die Steuer, CHF 600 im Jahr. Im ordentlichen Verfahren gilt der Quellensteuertarif A0 des Kantons. Die Differenz ist der Preis, den sie für die Bequemlichkeit ihres Arbeitgebers zahlt.
| # | Mehrbelastung/Jahr | |
|---|---|---|
| 1 | BernTarif A0: 0,00 % · CHF 0,00/Monat | CHF 600,00 |
| 2 | Basel-LandschaftTarif A0: 0,00 % · CHF 0,00/Monat | CHF 600,00 |
| 3 | Basel-StadtTarif A0: 0,00 % · CHF 0,00/Monat | CHF 600,00 |
| 4 | FreiburgTarif A0: 0,00 % · CHF 0,00/Monat | CHF 600,00 |
| 5 | GenfTarif A0: 0,00 % · CHF 0,00/Monat | CHF 600,00 |
| 6 | GraubündenTarif A0: 0,00 % · CHF 0,00/Monat | CHF 600,00 |
| 7 | NeuenburgTarif A0: 0,00 % · CHF 0,00/Monat | CHF 600,00 |
| 8 | SchwyzTarif A0: 0,00 % · CHF 0,00/Monat | CHF 600,00 |
| 9 | WaadtTarif A0: 0,00 % · CHF 0,00/Monat | CHF 600,00 |
| 10 | WallisTarif A0: 0,00 % · CHF 0,00/Monat | CHF 600,00 |
| 11 | ZugTarif A0: 0,00 % · CHF 0,00/Monat | CHF 600,00 |
| 12 | AargauTarif A0: 0,00 % · CHF 2,00/Monat (Mindeststeuer) | CHF 576,00 |
| 13 | ZürichTarif A0: 0,21 % · CHF 2,10/Monat | CHF 574,80 |
| 14 | JuraTarif A0: 0,29 % · CHF 2,90/Monat | CHF 565,20 |
| 15 | TessinTarif A0: 0,30 % · CHF 3,00/Monat | CHF 564,00 |
| 16 | Appenzell I.Rh.Tarif A0: 0,31 % · CHF 3,10/Monat | CHF 562,80 |
| 17 | ObwaldenTarif A0: 0,31 % · CHF 3,10/Monat | CHF 562,80 |
| 18 | ThurgauTarif A0: 0,34 % · CHF 3,40/Monat | CHF 559,20 |
| 19 | Appenzell A.Rh.Tarif A0: 0,43 % · CHF 5,00/Monat (Mindeststeuer) | CHF 540,00 |
| 20 | St. GallenTarif A0: 0,51 % · CHF 5,10/Monat | CHF 538,80 |
| 21 | SchaffhausenTarif A0: 0,51 % · CHF 5,10/Monat | CHF 538,80 |
| 22 | UriTarif A0: 0,00 % · CHF 6,00/Monat (Mindeststeuer) | CHF 528,00 |
| 23 | SolothurnTarif A0: 0,72 % · CHF 7,20/Monat | CHF 513,60 |
| 24 | NidwaldenTarif A0: 0,00 % · CHF 8,00/Monat (Mindeststeuer) | CHF 504,00 |
| 25 | GlarusTarif A0: 0,00 % · CHF 10,40/Monat (Mindeststeuer) | CHF 475,20 |
| 26 | LuzernTarif A0: 0,00 % · CHF 13,00/Monat (Mindeststeuer) | CHF 444,00 |
Pauschale: 5 % von CHF 1’000 = CHF 50 pro Monat, CHF 600 pro Jahr. Abgezogen: was der ordentliche Quellensteuertarif A0 (alleinstehend, ohne Kinder, ohne Kirchensteuer) auf denselben Lohn verlangt, inklusive kantonaler Mindeststeuer. In 11 Kantonen verlangt der Tarif nichts; die volle Pauschale ist Mehrbelastung. Jura: nur die Variante mit Kirchensteuer publiziert. Quelle: ESTV Quellensteuertarife 2026.
Die Landkarte: Elf Kantone, in denen jeder Franken der Pauschale Mehrbelastung ist
Elf Kantone verlangen im ordentlichen Tarif auf CHF 1’000 gar nichts, nicht einmal eine Mindeststeuer; dort ist die volle Pauschale Mehrbelastung. Fünf weitere stehen bei 0 %, kennen aber eine Mindeststeuer von wenigen Franken. Am «günstigsten» ist Luzern, nicht weil der Tarif dort hoch wäre, sondern weil der Kanton eine Mindeststeuer von CHF 13 pro Monat kennt, die auch auf kleinste Löhne fällt. Ähnlich Glarus (CHF 10.40) und Nidwalden (CHF 8). Zürich besteuert ab dem ersten Franken, aber mit 0,21 %: CHF 2.10 im Monat statt CHF 50.
Je dunkler, desto mehr zahlt die Angestellte gegenüber dem ordentlichen Tarif A0. Hellste Kantone: dort verlangt der ordentliche Tarif bei CHF 1’000 zwar 0 %, aber eine Mindeststeuer (Luzern CHF 13/Monat, Glarus CHF 10.40, Nidwalden CHF 8). Quelle: ESTV Quellensteuertarife 2026, Berechnung Clino.
Bis zur Obergrenze: Der Tarif holt die Pauschale nie ein
Das vereinfachte Verfahren ist nur bis CHF 22’680 Jahreslohn pro Person erlaubt, CHF 1’890 im Monat, und bis CHF 60’480 Lohnsumme pro Haushalt. Je höher der Lohn, desto näher rückt der progressive Tarif an die 5 %. Erreicht wird sie nie: An der Obergrenze verlangt der Tarif A0 im teuersten Kanton, dem Jura, CHF 53.87 pro Monat, mit Kirchensteuer. Die Pauschale verlangt CHF 94.50. In 8 Kantonen verlangt der Tarif auch an der Obergrenze noch 0 %.
CHF 22’680 pro Jahr ist der höchste Lohn, den das vereinfachte Verfahren zulässt. Selbst dort liegt der ordentliche Tarif A0 in jedem der 26 Kantone unter den CHF 94,50 der Pauschale; am nächsten kommt der Jura (CHF 53.87, mit Kirchensteuer). Zehn Kantone gezeigt, alle 26 in der Tabelle und im CSV. Quelle: ESTV Quellensteuertarife 2026.
Bei keinem Lohn, den das vereinfachte Verfahren überhaupt zulässt, wäre der ordentliche Quellensteuertarif für eine Alleinstehende höher als die Pauschale. In keinem der 26 Kantone.
Die Nullzone: Wo der Staat auf kleine Löhne verzichtet, ausser bei der Pauschale
Die Westschweiz und Basel-Stadt lassen die tiefsten Löhne am längsten steuerfrei: bis CHF 2’500 im Wallis, bis CHF 2’450 in Genf, der Waadt und Basel-Stadt. Das ist mehr als die Obergrenze des vereinfachten Verfahrens. Dort zahlt eine Haushaltshilfe im ordentlichen Verfahren bei jedem zulässigen Lohn null, im vereinfachten immer 5 %. Sieben Kantone besteuern dagegen ab dem ersten Franken, alle in der Deutschschweiz und im Tessin.
| # | 0 % bis | |
|---|---|---|
| 1 | Wallis | CHF 2’500 |
| 2 | Basel-Stadt | CHF 2’450 |
| 3 | Waadt | CHF 2’450 |
| 4 | Genf | CHF 2’449 |
| 5 | Schwyz | CHF 2’250 |
| 6 | AargauMindeststeuer: CHF 2,00/Monat | CHF 2’150 |
| 7 | Graubünden | CHF 2’050 |
| 8 | Zug | CHF 2’050 |
| 9 | Bern | CHF 1’700 |
| 10 | GlarusMindeststeuer: CHF 10,40/Monat | CHF 1’650 |
| 11 | Neuenburg | CHF 1’600 |
| 12 | Freiburg | CHF 1’550 |
| 13 | UriMindeststeuer: CHF 6,00/Monat | CHF 1’500 |
| 14 | Basel-Landschaft | CHF 1’200 |
| 15 | LuzernMindeststeuer: CHF 13,00/Monat | CHF 1’200 |
| 16 | NidwaldenMindeststeuer: CHF 8,00/Monat | CHF 1’000 |
| 17 | Jura | CHF 900 |
| 18 | Appenzell I.Rh. | CHF 800 |
Obergrenze der Nullzone des Tarifs A0 (alleinstehend, ohne Kinder). Acht Kantone besteuern bereits den ersten Franken (ZH, SO, SH, AR, SG, TG, TI) oder fast (OW ab CHF 401), sie fehlen hier. In zehn Kantonen ersetzt eine Mindeststeuer von CHF 2 bis 13 pro Monat die Nullzone teilweise; siehe Tabelle. Quelle: ESTV Quellensteuertarife 2026.
Gewinner und Verlierer: Eine Flat Tax mit umgekehrter Progression
Die 5 % gelten für alle, die im vereinfachten Verfahren abgerechnet werden: für die Grenzgängerin ohne C-Bewilligung ebenso wie für die Schweizerin, die neben dem Einkommen ihres Partners ein paar Stunden pro Woche arbeitet. Was sich unterscheidet, ist der Vergleichsmassstab. Die eine würde sonst nach dem Quellensteuertarif besteuert, die andere in der ordentlichen Veranlagung, zusammen mit dem Haushaltseinkommen. Der ESTV-Steuerrechner macht den Unterschied sichtbar.
| Zürich | Bern | Genf | |
|---|---|---|---|
| Haushaltshilfe, einziger Job, Tarif A0 | CHF 25 | CHF 0 | CHF 0 |
| Alleinstehend, steuerbar CHF 12’000, ordentliche Veranlagung | CHF 250 | CHF 1’600 | CHF 25 |
| Ehepartner:in, Haushalt steuerbar CHF 150’000, ordentliche Veranlagung | CHF 3’877 (32,3 %) | CHF 4’622 (38,5 %) | CHF 4’449 (37,1 %) |
| Pauschale 5 %, für alle gleich | CHF 600 | CHF 600 | CHF 600 |
Pauschale: 5 % = CHF 600, für alle drei gleich. Zeile 1: ordentlicher Quellensteuertarif A0 2026 auf CHF 1’000/Monat, inkl. Mindeststeuer (Personen ohne C-Bewilligung). Zeilen 2 und 3: ordentliche Veranlagung 2025 im Kantonshauptort, Bund + Kanton + Gemeinde, ohne Kirchensteuer, ESTV-Steuerrechner; Zeile 2: alleinstehend, steuerbares Einkommen CHF 12’000; Zeile 3: Ehepaar mit steuerbarem Einkommen CHF 150’000, die CHF 12’000 kommen obendrauf (Grenzsteuer). Steuerbares Einkommen, nicht Bruttolohn.
Verliererin: die Haushaltshilfe, deren einziger Job das ist
- •CHF 1’000 im Monat, Tarif A0: in 16 Kantonen 0 % geschuldet
- •Pauschale: CHF 600 im Jahr, abgezogen vom Lohn
- •Keine Steuererklärung, keine nachträgliche ordentliche Veranlagung, keine Rückerstattung
- •Das Verfahren wählt der Arbeitgeber; sie hat kein Mitspracherecht
Gewinnerin: die Ehepartnerin im Gutverdiener-Haushalt
- •CHF 12’000 Nebenverdienst auf CHF 150’000 steuerbar: Grenzsteuer 32,3 bis 38,5 %
- •Ordentlich fällig: CHF 3’877 (Zürich) bis 4’622 (Bern)
- •Pauschale: CHF 600, ebenfalls endgültig
- •Ersparnis: CHF 3’277 bis 4’022 im Jahr, ohne dass jemand etwas falsch macht
Dieselben CHF 12’000, dieselben 5 %: Die Alleinstehende zahlt in elf Kantonen CHF 600 statt null und in Zürich das 24-Fache des Tarifs, die Ehepartnerin im Gutverdiener-Haushalt spart bis zu CHF 4’022. Das ist keine Vereinfachung, das ist eine Umverteilung nach oben.
Warum die Angestellte nicht widersprechen kann
Der Arbeitgeber wählt, für alle
Das Merkblatt 2.07 der AHV ist eindeutig: «Alle Löhne des beitragspflichtigen Personals müssen im vereinfachten Verfahren abgerechnet werden.» Der Haushalt entscheidet, die Angestellte zieht mit. Der Kanton Bern schreibt in seiner TaxInfo: «Auf die Abrechnung im vereinfachten Abrechnungsverfahren hat die steuerpflichtige Person keinen Einfluss.»
Endgültig, ohne Ausweg
Art. 37a DBG: «Damit ist die Einkommenssteuer abgegolten.» Wer ordentlich quellenbesteuert wird, kann seit 2021 eine nachträgliche ordentliche Veranlagung verlangen und Abzüge geltend machen. Für die Pauschale gibt es das nicht. Bern: «Der Steuerabzug von 5 % hat daher endgültigen Charakter.»
Die Kasse behält 10 %
Von der eingezogenen Pauschale behält die AHV-Ausgleichskasse eine Bezugsprovision von 10 %; die ESTV-Tarifdateien führen sie in jedem Kanton als eigenen Datensatz. Für die Angestellte ändert das nichts, ihre 5 % sind weg. Für die Kassen ist die Pauschale ein Geschäft, das mit dem ordentlichen Tarif in 16 Kantonen gar nicht anfiele.
Ohne Abzüge, ohne Familienstand
Die 5 % werden «ohne Berücksichtigung der übrigen Einkünfte, allfälliger Berufskosten und Sozialabzüge» erhoben (Art. 37a Abs. 1 DBG). Der Tarif A0 ist bereits der ungünstigste ordentliche Fall; Verheiratete (Tarif B oder C) und Alleinerziehende (Tarif H) zahlen im ordentlichen Verfahren noch weniger. Für sie ist die Lücke zur Pauschale grösser als hier gezeigt.
Überraschende Erkenntnisse
Das SECO nennt die Pauschale «vielfach vorteilhafter». Für wen, sagt es nicht.
Auf der Seite zum vereinfachten Abrechnungsverfahren begründet das SECO die Pauschale damit, dass das Einkommen «bei der ordentlichen Besteuerung ausser Betracht gelassen» werde und der Satz «vielfach vorteilhafter» sei. Das stimmt für die Ehepartnerin im Gutverdiener-Haushalt. Für die Haushaltshilfe mit einem einzigen Job stimmt es in keinem Kanton bei keinem zulässigen Lohn.
Die Romandie ist bei kleinen Löhnen der steuerfreie Teil der Schweiz
Genf, Waadt und Wallis verlangen im Tarif A0 bis rund CHF 2’450 Monatslohn nichts, Basel-Stadt ebenso, Schwyz bis CHF 2’250, Aargau bis CHF 2’150, Zug und Graubünden bis CHF 2’050. Die Kantone mit den höchsten Mindestlöhnen für Haushaltsarbeit (Genf CHF 24.59) sind auch die, die auf deren Besteuerung am längsten verzichten. Die Pauschale hebt diese politische Entscheidung für Haushaltsangestellte wieder auf.
Luzern ist der «beste» Kanton für die Pauschale, wegen einer Mindeststeuer von CHF 13
Zehn Kantone kennen im Quellensteuertarif eine Mindeststeuer von CHF 2 bis 13 pro Monat, die auch bei einem Satz von 0 % fällig wird. Luzern liegt mit CHF 13 an der Spitze; auf CHF 1’000 Lohn sind das 1,3 %, mehr als in jedem anderen Kanton. Selbst so bleibt die Pauschale dort fast viermal teurer.
Grössenordnung: rund CHF 8 bis 10 Mio pro Jahr, ein grosser Teil davon von Löhnen in der Nullzone
Die Steuer, die über die Pauschale eingezogen wird, publiziert niemand. Das SECO nennt für 2024 CHF 26,4 Mio Sozialversicherungsbeiträge, die über das Verfahren abgerechnet wurden. Rechnet man sie mit den 12,8 % AHV/IV/EO/ALV (plus je nach Kasse Familienzulagen) auf die Lohnsumme zurück, kommt man auf grob CHF 170 bis 210 Mio Lohn; 5 % davon sind CHF 8 bis 10 Mio Quellensteuer im Jahr. Das ist eine Schätzung von Clino, keine amtliche Zahl, und sie sagt nicht, wie viele dieser Angestellten mehrere Arbeitgeber haben.
Was das für Haushalte heisst
Das vereinfachte Verfahren bleibt für die meisten Haushalte der einfachste legale Weg, und die Alternative, Schwarzarbeit, ist für die Angestellte immer schlechter: keine AHV, keine Unfallversicherung, kein Lohnausweis. Aber wer es wählt, sollte wissen, dass die 5 % nicht der Haushalt trägt, sondern die Angestellte, und dass sie in 16 Kantonen auf CHF 1’000 im ordentlichen Verfahren nichts zahlen würde. Ein fairer Arbeitgeber sagt ihr das. Ist der Haushaltsjob ihr einziger Verdienst, ist das ordentliche Verfahren mit Quellensteuertarif für sie günstiger; für den Haushalt bedeutet es mehr Administration, aber keine höheren Kosten. Und wer im Haushalt eines Gutverdieners einen kleinen Job hat, darf die Pauschale getrost als das nehmen, was sie ist: ein Geschenk des Gesetzgebers.
Alle 26 Kantone im Detail
| Kanton | 0 % bis | A0 bei 500 | bei 1’000 | bei 1’500 | bei 1’890 | Mind.-Steuer | Mehr/Jahr bei 1’000 | bei 1’890 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Bern | 1’700 | 0,00 | 0,00 | 0,00 | 15,88 | – | 600 | 943 |
| Basel-Landschaft | 1’200 | 0,00 | 0,00 | 1,05 | 2,08 | – | 600 | 1’109 |
| Basel-Stadt | 2’450 | 0,00 | 0,00 | 0,00 | 0,00 | – | 600 | 1’134 |
| Freiburg | 1’550 | 0,00 | 0,00 | 0,00 | 24,19 | – | 600 | 844 |
| Genf | 2’449 | 0,00 | 0,00 | 0,00 | 0,00 | – | 600 | 1’134 |
| Graubünden | 2’050 | 0,00 | 0,00 | 0,00 | 0,00 | – | 600 | 1’134 |
| Neuenburg | 1’600 | 0,00 | 0,00 | 0,00 | 9,64 | – | 600 | 1’018 |
| Schwyz | 2’250 | 0,00 | 0,00 | 0,00 | 0,00 | – | 600 | 1’134 |
| Waadt | 2’450 | 0,00 | 0,00 | 0,00 | 0,00 | – | 600 | 1’134 |
| Wallis | 2’500 | 0,00 | 0,00 | 0,00 | 0,00 | – | 600 | 1’134 |
| Zug | 2’050 | 0,00 | 0,00 | 0,00 | 0,00 | – | 600 | 1’134 |
| Aargau | 2’150 | 2,00 | 2,00 | 2,00 | 2,00 | 2,00 | 576 | 1’110 |
| Zürich | 1. Fr. | 1,25 | 2,10 | 2,10 | 11,53 | – | 575 | 996 |
| Jura * | 900 | 0,00 | 2,90 | 30,00 | 53,87 | – | 565 | 488 |
| Tessin | 1. Fr. | 3,50 | 3,00 | 3,00 | 24,57 | – | 564 | 839 |
| Appenzell I.Rh. | 800 | 0,00 | 3,10 | 18,30 | 39,31 | – | 563 | 662 |
| Obwalden | 400 | 3,15 | 3,10 | 3,00 | 3,02 | 3,00 | 563 | 1’098 |
| Thurgau | 1. Fr. | 1,70 | 3,40 | 4,05 | 3,97 | – | 559 | 1’086 |
| Appenzell A.Rh. | 1. Fr. | 5,00 | 5,00 | 5,10 | 23,25 | 5,00 | 540 | 855 |
| St. Gallen | 1. Fr. | 5,25 | 5,10 | 5,10 | 17,01 | 5,00 | 539 | 930 |
| Schaffhausen | 1. Fr. | 5,25 | 5,10 | 8,10 | 16,07 | 5,00 | 539 | 941 |
| Uri | 1’500 | 6,00 | 6,00 | 6,00 | 6,05 | 6,00 | 528 | 1’061 |
| Solothurn | 1. Fr. | 7,35 | 7,20 | 7,05 | 9,07 | 7,00 | 514 | 1’025 |
| Nidwalden | 1’000 | 8,00 | 8,00 | 8,10 | 29,30 | 8,00 | 504 | 782 |
| Glarus | 1’650 | 10,40 | 10,40 | 10,40 | 30,24 | 10,40 | 475 | 771 |
| Luzern | 1’200 | 13,00 | 13,00 | 13,20 | 17,20 | 13,00 | 444 | 928 |
Ordentlicher Quellensteuertarif A0 (alleinstehend, ohne Kinder, ohne Kirchensteuer; Jura: mit Kirchensteuer), Steuer in CHF pro Monat inklusive kantonaler Mindeststeuer. Pauschale: 5 %, also CHF 25 / 50 / 75 / 94,50. Die letzten beiden Spalten: Mehrbelastung der Pauschale pro Jahr. Quelle: ESTV Quellensteuertarife 2026 (Recordart 06, A0N/A0Y), gelesen 17.09.2026.
Quellen
- ESTV: Quellensteuertarife 2026 (tar2026txt.zip), alle 26 Kantone (2026), Recordart 06, Tarifcodes A0N/A0Y; Aufbau nach D_DVS Nr. 0005
- Kantonales Steueramt Zürich, Tarif A ohne Kirchensteuer 2026; Genève, barèmes 2026; Ticino, tabella A 2026 (2026), Zeilenweiser Abgleich mit den ESTV-Dateien, keine Abweichung
- Art. 37a DBG; Art. 11 Abs. 4 StHG (in Kraft), «Damit ist die Einkommenssteuer abgegolten»
- AHV/IV: Merkblatt 2.07 Vereinfachtes Abrechnungsverfahren für Arbeitgebende (Stand 1.1.2026), CHF 22’680 pro Person, CHF 60’480 Lohnsumme, alle Angestellten
- Steuerverwaltung Kanton Bern, TaxInfo: Vereinfachtes Abrechnungsverfahren (28.7.2025), «endgültiger Charakter», kein Einfluss der steuerpflichtigen Person
- SECO: Vereinfachtes Abrechnungsverfahren bei tiefen Lohnsummen (2026), «vielfach vorteilhafter»
- SECO: Bericht über den Vollzug des BGSA 2025, Tab. 7.1 (17.6.2026), 65’669 Arbeitgebende 2025, 74’660 Angestellte und CHF 26,4 Mio Beiträge 2024
- ESTV-Steuerrechner (swisstaxcalculator.estv.admin.ch) (Steuerjahr 2025), Grenzsteuer Ehepaar CHF 150’000 → 162’000; Alleinstehend CHF 12’000; ZH, BE, GE
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