Zusammenfassung
Schweizer Arbeitskräfte verlieren rapide an Boden.Der Anteil Schweizer Staatsangehöriger sank innerhalb eines Jahres von 31 % auf 26 % (−5 Prozentpunkte) — der steilste je verzeichnete Rückgang. Bei gleichbleibender Entwicklung werden Schweizer Arbeitnehmer bis 2028 weniger als 1 von 5 Haushaltsbediensteten stellen.
Portugals Dominanz wächst. Portugiesische Arbeitskräfte stiegen von 19 % auf 21 % (+2 Pp.) und festigten ihre Position als grösste ausländische Nationalitätengruppe. Zusammen mit Spanien (8 %) und Brasilien (5 %) bildet der iberisch-lateinamerikanische Block nun 34 % aller Haushaltshilfen — und übertrifft damit die Schweizer Staatsangehörigen.
Die Belegschaft wird vielfältiger, ausländischer und prekärer. 122 Nationalitäten sind vertreten (2023: 120). Gleichzeitig sanken die C-Bewilligungen (Niederlassung) von ~33 % auf ~25 %, während B-Bewilligungen (temporär) stabil bei ~33 % blieben — ein Zeichen wachsender Prekarität.
Nationalitätenverlauf: 2023 vs. 2024
| Rang 2024 | Nationalität | 2023 | 2024 | Veränderung | Tendenz |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Schweiz | 31 % | 26 % | −5 Pp. | Starker Rückgang |
| 2 | Portugal | 19 % | 21 % | +2 Pp. | Wachstum |
| 3 | Spanien | 6 % | 8 % | +2 Pp. | Schnellstes Wachstum |
| 4 | Italien | 6 % | 6 % | 0 Pp. | Stabil |
| 5 | Brasilien | 4 % | 5 % | +1 Pp. | Wachstum |
| — | Übrige (117 Nationalitäten) | 34 % | 34 % | 0 Pp. | Stabil (aggregiert) |
Basis: 10'235 Verträge (2023) bzw. 10'641 Verträge (2024) auf der Quitt-Plattform. Top 5 Nationalitäten zusammen: 66 % in beiden Jahren.
Die historische Umkehr: Iberisch-lateinamerikanischer Block überholt Schweizer
Schweizer Arbeitskräfte
- •2023: 31 % (grösste Einzelgruppe)
- •2024: 26 % (Minderheit)
- •Rückgang: ca. 406 Arbeitskräfte weniger
- •Gründe: Lohnkonkurrenz, Stigma, Überalterung
- •Prognose 2030: ca. 13 %
Iberisch-LatAm Block (PT+ES+BR)
- •2023: 29 % (Portugal 19 % + Spanien 6 % + Brasilien 4 %)
- •2024: 34 % (Portugal 21 % + Spanien 8 % + Brasilien 5 %)
- •Zuwachs: +812 ausländische Arbeitskräfte netto
- •Gründe: EU-Freizügigkeit, Lohngefälle, Netzwerke
- •Prognose 2030: 43-49 % (nahe Mehrheit)
2023 übertrafen Schweizer Staatsangehörige den iberisch-lateinamerikanischen Block noch knapp (31 % vs. 29 %). 2024 hat sich das Verhältnis umgekehrt: 34 % vs. 26 % — eine historische Wende.
Warum verlassen Schweizer Arbeitskräfte den Sektor?
- •Lohnkonkurrenz: Mit CHF 31.98/Std. brutto zahlt Haushaltsarbeit etwa die Hälfte des Schweizer Medianlohns (CHF 7'024/Mt. Vollzeit). Schweizer haben besser bezahlte Alternativen.
- •Überalterung: Das Durchschnittsalter der Unfallbetroffenen (49,7 Jahre) deutet auf eine reife Belegschaft. Ausscheidende Schweizer werden nicht durch jüngere Schweizer ersetzt.
- •Stigma: Haushaltsreinigung trägt ein Stigma, das Inländer stärker betrifft als Zugewanderte, für die jede formelle Arbeit eine Verbesserung darstellt.
- •Arbeitsmarktstärke: Bei ~2 % Arbeitslosigkeit können Schweizer leicht in andere Sektoren wechseln.
Bewilligungsanalyse: Vom Dauerstatus zur Prekarität
| Bewilligungstyp | 2023 | 2024 | Veränderung | Bedeutung |
|---|---|---|---|---|
| B-Bewilligung (temporär) | ~33 % | ~33 % | Stabil | Befristet, verlängerpflichtig, beschäftigungsabhängig |
| C-Bewilligung (Niederlassung) | ~33 % | ~25 % | −8 Pp. | Dauerhafter Aufenthalt, starker Schutz |
| Schweizer (kein Ausweis nötig) | ~31 % | ~26 % | −5 Pp. | Maximaler Rechtsschutz |
| Sans-Papiers (registriert) | 8 | 8 | Stabil | Nicht repräsentativ; Zehntausende arbeiten informell |
Alarmierender Befund: Der Rückgang der C-Bewilligungen von ~33 % auf ~25 % bedeutet weniger eingesessene Arbeitskräfte. B-Bewilligungsinhaber haben schwächeren Arbeitsschutz und sind zurückhaltender, schlechte Arbeitsbedingungen, Unterbezahlung oder Sicherheitsverstösse zu melden — weil ihr Aufenthalt an die Beschäftigung geknüpft ist.
Prognose 2030: Wie der Sektor aussehen wird
| Kennzahl | 2024 (Ist) | 2030 (Prognose) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Registrierte Verträge total | 10'641 | ~13'000-14'000 | +25-30 % |
| Schweizer Anteil | 26 % | 12-15 % | −11 bis −14 Pp. |
| Portugiesischer Anteil | 21 % | 25-28 % | +4 bis +7 Pp. |
| Spanischer Anteil | 8 % | 11-13 % | +3 bis +5 Pp. |
| Brasilianischer Anteil | 5 % | 7-8 % | +2 bis +3 Pp. |
| Iberisch-LatAm Block | 34 % | 43-49 % | Nahe Mehrheit |
| C-Bewilligungen | ~25 % | ~18-20 % | Weiterer Rückgang |
| B-Bewilligungen | ~33 % | ~38-40 % | Wachsend |
| Durchschnittslohn (CHF/Std.) | 31.98 | ~33.50-34.50 | +2 % jährlich |
Wann überholt Portugal die Schweiz?
| Jahr | Schweiz (Prognose) | Portugal (Prognose) | Überholung? |
|---|---|---|---|
| 2024 (Ist) | 26 % | 21 % | Nein |
| 2025 | 22 % | 23 % | Ja — Portugal überholt |
| 2026 | 19 % | 24 % | Abstand wächst |
| 2030 | 13 % | 27 % | Portugal ist doppelt so gross |
Bis 2030 wird die Schweizer Haushaltsarbeit ein Sektor sein, der fast vollständig auf migrantische Arbeitskräfte angewiesen ist. Die typische Haushaltshilfe wird weiblich (97 %+), portugiesisch, spanisch oder brasilianisch (zusammen ~45 %), mit B-Bewilligung und zwischen 45 und 55 Jahre alt sein.
Drei Szenarien für die Zukunft
Szenario A: Status Quo (wahrscheinlichstes)
Migration hält an, Schweizer verlassen weiter den Sektor. Die Schwarzarbeitsquote sinkt leicht durch Plattformen wie Clino und Quitt, bleibt aber substanziell (30-50 %). Keine politischen Interventionen.
Szenario B: EU-Freizügigkeitseinschränkung
Bei Einschränkung der EU/EFTA-Freizügigkeit würde die portugiesische und spanische Pipeline gestört. Dies würde einen akuten Arbeitskräftemangel in der Haushaltsarbeit auslösen und Löhne und Schwarzarbeit gleichzeitig in die Höhe treiben.
Szenario C: Regularisierungsschub
Ein politischer Vorstoss zur Regularisierung informeller Haushaltsarbeit (z.B. kantonale Sans-Papiers-Programme) könnte Tausende unsichtbare Arbeitskräfte in die Statistik bringen — und würde eine noch stärker von Migrantinnen dominierte Belegschaft offenbaren.
Geschlecht und Migration
97 % weiblich über 122 Nationalitäten: Dies ist nicht nur eine Arbeitsmarktgeschichte — es ist eine Geschichte über Geschlecht und Migration. Die Feminisierung der Haushaltsarbeit spiegelt globale Muster (ILO: 76 Mio. Haushaltsbeschäftigte weltweit, 80 % informell). Die Schweiz ist strukturell darauf angewiesen, dass Migrantinnen ihre Haushalte versorgen, während die eigene weibliche Bevölkerung zunehmend in höherwertige Sektoren wechselt. Die Nationalitäten mit dem schnellsten Wachstum (Portugal, Brasilien) sind jene mit dem extremsten Geschlechterungleichgewicht in der Haushaltsbeschäftigung.
Quellen
- Quitt Haushaltshilfen-Report 2025 (Datenjahr 2024) — 10’641 aktive Verträge, Nationalitäten, Bewilligungen
- Quitt Haushaltshilfen-Report 2024 (Datenjahr 2023) — 10’235 aktive Verträge
- BFS SAKE 2023 (2023) — Schweizerische Arbeitskräfteerhebung
- SECO BGSA-Bericht 2023 (2023) — Schwarzarbeit-Vollzugsdaten
- Homegate AG (2024-2025) — Repräsentative Haushaltsbefragung
- BFS Satellitenkonto Haushaltsproduktion (2020) — Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung
- ILO (Diverse) — Globale Studie zu Haushaltsbeschäftigung
