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Studie25. März 2026

30 % Lohnunterschied zwischen Schweizer Kantonen

Identische Arbeit, identisches Land — und trotzdem verdient eine Haushaltshilfe in Nidwalden CHF 7.87 pro Stunde mehr als im Jura. Eine Analyse von 20'876 Verträgen.

CHF 7.87
Lohnlücke pro Stunde (NW vs. JU)
29,8 %
Relative Lohnspreizung
5 von 8
Mindestlohn-Kantone in den tiefsten 8
+8,35 %
Schnellstes Lohnwachstum (NW)

Zusammenfassung

Eine Putzfrau in Nidwalden verdient CHF 34.24/Std., während eine in Jura CHF 26.37/Std. erhält — ein Unterschied von 29,8 % (CHF 7.87/Std.) für identische Arbeit im selben Land. Aufs Jahr gerechnet (10 Std./Woche) entspricht das CHF 4'092 an entgangenem Einkommen.

Die fünf Kantone mit gesetzlichen Mindestlöhnen (GE, NE, JU, BS, TI) rangieren alle in den untersten 8 national. Ihre Mindestlöhne scheinen als Lohndeckel statt Lohnboden zu wirken und drücken die Reinigungslöhne nach unten, indem sie die Erwartungen der Arbeitgeber verankern.

Kaufkraftbereinigt schliesst sich die Lücke teilweise, aber nicht vollständig. Jura steigt von Rang 26 auf Rang 21, während Genf zum schlechtesten Kanton wird (Rang 26 PPP) — hohe Lebenskosten plus tiefe Reinigungslöhne schaffen eine doppelte Benachteiligung.


Die Lohnlücke: Quantifiziert

KennzahlWert
Bestbezahlter Kanton (2024)NW: CHF 34.24/Std.
Schlechtbezahlter Kanton (2024)JU: CHF 26.37/Std.
Absolute LückeCHF 7.87/Std.
Relative Lücke29,8 %
Jährliche Lücke (10 Std./Woche)CHF 4'092
Jährliche Lücke (20 Std./Woche)CHF 8'185

Die Reinigungsbranche hat eine Lohnspreizung von 29,8 % — fast identisch mit der allgemeinen Schweizer Einkommensungleichheit. Der Unterschied: Reinigung ist ungelernte Arbeit mit identischen Aufgaben. Die Lücke ist reine Geografie.

Deutschsprachige Kantone (19)

  • Durchschnittslohn 2024: CHF 32.19/Std.
  • +0,66 % über nationalem Durchschnitt
  • Gesamte Top 6 sind deutschsprachig
  • Zentralschweiz (NW, SZ, ZG, LU) dominiert

Französisch- + Italienischsprachige (7)

  • Romandie: CHF 27.76/Std. (−13,2 %)
  • Tessin: CHF 26.70/Std. (−16,5 %)
  • Gesamte Bottom 6 sind französisch/italienisch
  • Grenzgänger drücken Löhne zusätzlich

Der Sprachgraben ist ein Lohngraben: Deutschsprachige Kantone zahlen 19,8 % mehr als französischsprachige für identische Arbeit.


Der Mindestlohn-Effekt: Deckel statt Boden

Fünf Schweizer Kantone haben gesetzliche Mindestlöhne eingeführt. Die Daten zeigen ein paradoxes Bild: Alle fünf rangieren bei den Reinigungslöhnen in den untersten 8 Plätzen.

KantonGesetzl. MindestlohnEffektiver ReinigungslohnÜber MinimumRang
GE GenfCHF 24.32CHF 27.39+12,6 %24
NE NeuenburgCHF 21.09CHF 28.67+35,9 %21
JU JuraCHF 21.40CHF 26.37+23,2 %26
BS Basel-StadtCHF 21.00CHF 31.44+49,7 %14
TI TessinCHF 19.75CHF 26.70+35,2 %25

Zum Vergleich: Kantone ohne Mindestlohn

KantonNAV-Minimum (ungelernt)Effektiver LohnÜber NAVRang
NW NidwaldenCHF 20.35CHF 34.24+78,3 %1
ZH ZürichCHF 20.35CHF 33.37+73,8 %2
SZ SchwyzCHF 20.35CHF 33.34+73,6 %3
ZG ZugCHF 20.35CHF 33.22+73,0 %4
LU LuzernCHF 20.35CHF 33.10+72,4 %5

Genfs Paradoxon: Der höchste Mindestlohn der Schweiz (CHF 24.32) erzeugt nur den 24.-höchsten Reinigungslohn. Eine Putzfrau in Nidwalden (ohne Mindestlohn) verdient 25 % mehr als in Genf.

Nuance: Die Kausalität ist unklar. Diese Kantone hatten bereits vor Einführung der Mindestlöhne tiefe Löhne. Der Mindestlohn wurde möglicherweise wegen der tiefen Löhne eingeführt, nicht als Ursache. Grenzgänger-Wettbewerb in GE, VD, NE, JU und TI ist vermutlich der fundamentalere Treiber.


Lohnentwicklung: Gewinner und Verlierer

Top 5 schnellstes Wachstum

Kanton20232024+/−
NW Nidwalden31.6034.24+8,35 %
NE Neuenburg27.1028.67+5,79 %
LU Luzern31.6033.10+4,75 %
TG Thurgau30.9032.25+4,37 %
VS Wallis29.3030.47+3,99 %

Top 5 langsamste / Rückgänge

Kanton20232024+/−
JU Jura28.4026.37−7,15 %
AI Appenzell IR33.6032.49−3,30 %
UR Uri32.2031.81−1,21 %
SO Solothurn31.6031.40−0,63 %
TI Tessin26.8026.70−0,37 %

Divergenztrend:Die Lücke wächst. Die 5 schnellsten Kantone legten durchschnittlich +CHF 1.65/Std. zu. Die 5 langsamsten verloren durchschnittlich −CHF 0.77/Std. Die reichsten Kantone werden reicher, die ärmsten ärmer.


Kaufkraftbereinigte Rankings (PPP)

Nominale Löhne erzählen nicht die ganze Geschichte. Bereinigt um Lebenskosten (Steuern, Mieten, Krankenkassenprämien) verschiebt sich das Bild teilweise erheblich.

KantonNominaler LohnLebenskosten-IndexPPP-LohnRangverschiebung
NW Nidwalden34.2492CHF 37.220 (bleibt Nr. 1)
ZH Zürich33.37108CHF 30.90−6 Plätze
BS Basel-Stadt31.44110CHF 28.58−5 Plätze
JU Jura26.3778CHF 33.81+9 Plätze
OW Obwalden30.9186CHF 35.94+11 Plätze
GE Genf27.39118CHF 23.21−2 (Letzter PPP)

Genf ist kaufkraftbereinigt der schlechteste Kanton für Reinigungspersonal: hohe Lebenshaltungskosten plus tiefe Reinigungslöhne erzeugen die tiefste reale Kaufkraft aller 26 Kantone. Der PPP-bereinigte Lohn von CHF 23.21 ist 38 % tiefer als Nidwaldens CHF 37.22.


Quellen

  • Quitt Haushaltshilfen-Report 2025 (Datenjahr 2024) — 10'641 aktive Verträge
  • Quitt Haushaltshilfen-Report 2024 (Datenjahr 2023) — 10'235 aktive Verträge
  • SECO NAV Hauswirtschaft (2024/2025) — Bundesmindestlöhne für Haushaltsarbeit
  • Kantonale Mindestlohngesetze (2025) — GE, NE, JU, BS, TI
  • Clino canton-data.ts (2025) — FAK-Sätze, Steuersätze, Kinderzulagen
  • BFS, Homegate AG (2023–2025) — Mietindizes, Marktschätzungen
  • Google Trends (2021–2026) — Regionale Suchnachfrage «Putzfrau»

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