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Studie19. September 2026

Die Teilzeit-Falle 2026: Wo die Schule am frühesten endet, arbeiten die meisten Frauen, aber am seltensten Vollzeit

Clino hat die Betreuungslücke der zehn grössten Schulstädte mit der Teilzeitquote der dort wohnenden Frauen verrechnet. Winterthur, Bern und St. Gallen haben die höchsten Teilzeitanteile, und alle drei gehören zu den sechs Städten mit den längsten Nachmittagen ohne Schule. Der Zusammenhang ist da, aber er ist moderat, und er erzählt eine andere Geschichte als erwartet. Die Schulzeiten halten Frauen nicht vom Arbeiten ab. Sie halten sie vom Vollzeitpensum ab.

Daten (CSV)
53,9 % vs. 41,4 %
Teilzeitanteil der erwerbstätigen Frauen: Winterthur vs. Genf, Strukturerhebung 2021
r = +0,49
Zusammenhang zwischen Betreuungslücke und Teilzeitquote in 10 Städten (+0,60 mit dem Vierjahresmittel): vorhanden, moderat
79,8 % / 52,9 %
Bern: Erwerbstätigenquote der Frauen 20 bis 64 und Teilzeitanteil, die höchste Kombination der Schweiz
26,7 % vs. 10,2 %
Anteil der Frauen mit Pensum unter 50 %: Appenzell Innerrhoden vs. Genf, 2024. Der Röstigraben liegt bei den Kleinpensen

Zusammenfassung

Im Juni hat Clino berechnet, wie viele Stunden pro Woche ein Kind der dritten Klasse in den zehn grössten Schulstädten ohne Schule und ohne beaufsichtigte Betreuung dasteht, wenn beide Eltern Vollzeit arbeiten: zwischen 21,5 Stunden in Lugano und 27,8 Stunden in Biel. Diese Studie stellt die Anschlussfrage: Sieht man diese Lücke im Pensum der Mütter? Dafür haben wir die Lücke jeder Stadt mit dem Anteil der erwerbstätigen Frauen verrechnet, die dort wohnen und weniger als 90 % arbeiten (BFS City Statistics, Strukturerhebung 2021), und mit ihrer Erwerbstätigenquote.

Das Ergebnis ist ein Ja mit zwei Fussnoten. Winterthur (25,9 h Lücke) hat mit 53,9 % den höchsten Teilzeitanteil, Bern (26,2 h) folgt mit 52,9 %, St. Gallen (26,7 h) mit 52,7 %. Genf (22,5 h) liegt mit 41,4 % am Ende, davor Lausanne mit 43,2 % und Zürich mit 44,8 %. Die Korrelation über die zehn Städte beträgt r = +0,49, mit dem Mittel der Jahre 2018 bis 2021 +0,60, in den sieben Deutschschweizer Städten allein +0,58. Das ist ein Zusammenhang, kein Beweis: Mit zehn Punkten lässt sich der Stundenplan nicht vom Sprachraum trennen.

Die erste Fussnote: Die Lücke drückt nicht die Erwerbsquote. Die höchsten Erwerbstätigenquoten haben drei Deutschschweizer Städte mit langen Lücken (Luzern 81,1 %, Zürich 80,2 %, Bern 79,8 %); die Korrelation zwischen Lücke und Erwerbstätigkeit ist mit r = +0,57 sogar positiv. Wo die Schule früher endet, arbeiten mehr Frauen, aber mehr von ihnen Teilzeit. Die zweite Fussnote: Der Röstigraben verläuft nicht zwischen Teilzeit und Vollzeit, sondern bei den Kleinpensen. Der Anteil der Frauen unter 90 % ist in der Deutschschweiz (53,5 % im Kantonsmittel) und in der lateinischen Schweiz (52,3 %) fast gleich. Der Anteil unter 50 % ist es nicht: 19,4 % gegen 13,4 %, mit Appenzell Innerrhoden (26,7 %) und Genf (10,2 %) an den Enden.


Die Rangliste: Winterthur 53,9 %, Genf 41,4 %

Anteil der erwerbstätigen Frauen mit Wohnort in der Stadt, die weniger als 90 % arbeiten. Die Strukturerhebung ist eine Stichprobe; die Konfidenzintervalle reichen von ±1,7 Prozentpunkten in Zürich bis ±5,3 in Biel. Unterschiede von zwei, drei Punkten zwischen Nachbarn sind deshalb Rauschen, der Abstand von 12,5 Punkten zwischen Winterthur und Genf ist es nicht.

Teilzeitanteil der erwerbstätigen Frauen in den 10 Schulstädten, 2021
#Teilzeit
1WinterthurBetreuungslücke h/Woche: 25,9 h · Erwerbstätigenquote: 75,2 %53,9 %
2BernBetreuungslücke h/Woche: 26,2 h · Erwerbstätigenquote: 79,8 %52,9 %
3St. GallenBetreuungslücke h/Woche: 26,7 h · Erwerbstätigenquote: 76,6 %52,7 %
4Biel/BienneBetreuungslücke h/Woche: 27,8 h · Erwerbstätigenquote: 71,7 %49,9 %
5LuzernBetreuungslücke h/Woche: 26,2 h · Erwerbstätigenquote: 81,1 %47,7 %
6LuganoBetreuungslücke h/Woche: 21,5 h · Erwerbstätigenquote: 65,8 %47,3 %
7BaselBetreuungslücke h/Woche: 23,5 h · Erwerbstätigenquote: 72,7 %46,9 %
8ZürichBetreuungslücke h/Woche: 24,4 h · Erwerbstätigenquote: 80,2 %44,8 %
9LausanneBetreuungslücke h/Woche: 26,7 h · Erwerbstätigenquote: 72,4 %43,2 %
10GenfBetreuungslücke h/Woche: 22,5 h · Erwerbstätigenquote: 67,0 %41,4 %

Anteil der erwerbstätigen Frauen (15+, Wohnort Stadt) mit Beschäftigungsgrad unter 90 %. Strukturerhebung 2021, letztes publiziertes Jahr; 95-%-Konfidenzintervall ±1,7 (Zürich) bis ±5,3 Prozentpunkte (Biel). Unter jeder Stadt: Betreuungslücke pro Woche und Erwerbstätigenquote der Frauen 20 bis 64. Quelle: BFS City Statistics (px-x-2105000000_501), Clino.

Daten (CSV)

Hypothese 1: Je länger die Lücke, desto mehr Teilzeit. Bestätigt, mit Vorbehalt.

Die Betreuungslücke unterscheidet sich zwischen den zehn Städten um 6,3 Stunden pro Woche, der Teilzeitanteil um 12,5 Prozentpunkte. Trägt man beides gegeneinander ab, zeigt die Punktwolke nach oben rechts: Die drei Städte mit den höchsten Teilzeitanteilen (Winterthur, Bern, St. Gallen) gehören alle zu den sechs mit den längsten Lücken. r = +0,49 über die zehn Städte, +0,60 mit dem stabileren Vierjahresmittel.

Betreuungslücke vs. Teilzeitquote der Frauen: 10 Schulstädte
4121.54824.65427.8LausanneBernWinterthurGenfLuganor = +0,49Teilzeitanteil Frauen, %Betreuungslücke, Stunden pro Woche

Jeder Punkt eine Stadt. x: wöchentliche Lücke zwischen 50-Stunden-Bedarf und beaufsichtigter Schulpräsenz einer Drittklässlerin (Clino-Studie «Schulschluss vor Feierabend», 2025/26). y: Anteil der erwerbstätigen Frauen (15+, Wohnort Stadt) mit Beschäftigungsgrad unter 90 %, Strukturerhebung 2021. r = +0,49 (2021), +0,60 mit dem Mittel 2018 bis 2021, +0,58 in den 7 Deutschschweizer Städten. Die Lücke korreliert ebenso mit der Erwerbstätigenquote (+0,57): Wo die Schule früher endet, arbeiten mehr Frauen, aber häufiger Teilzeit. Quelle: BFS City Statistics, Clino.

Daten (CSV)

Der Vorbehalt steckt in den Ausreissern. Lausanne hat mit 26,7 Stunden die zweitlängste Lücke und mit 43,2 % den zweittiefsten Teilzeitanteil. Lugano hat die kürzeste Lücke und liegt mit 47,3 % im Mittelfeld. Genf und Lugano haben die zwei kürzesten Lücken, Genf und Lausanne die zwei tiefsten Teilzeitanteile; mit zehn Beobachtungen kann keine Statistik sagen, ob es der Stundenplan ist oder die Sprachregion. In den sieben Deutschschweizer Städten allein bleibt der Zusammenhang bestehen (r = +0,58), das ist das ehrlichste Mass, mit dem Vorbehalt n = 7.

Lausanne zeigt auch, was eine lange Lücke unschädlich macht: Kita-Plätze. Die City Statistics zählen dort 712 Kita-Kinder pro 1’000 Vorschulkinder, in Winterthur 236 (2022). Wer ab dem ersten Lebensjahr eine Betreuungslogistik hat, gibt sie mit dem Schuleintritt nicht auf.


Hypothese 2: Je länger die Lücke, desto weniger Frauen arbeiten. Widerlegt.

Die intuitive Lesart, dass frühe Schulschlüsse Mütter aus dem Arbeitsmarkt drängen, hält den Zahlen nicht stand. Die Erwerbstätigenquote der Frauen 20 bis 64 ist in Luzern (81,1 %), Zürich (80,2 %) und Bern (79,8 %) am höchsten, in Lugano (65,8 %) und Genf (67,0 %) am tiefsten. Die Korrelation zwischen Lücke und Erwerbstätigkeit beträgt r = +0,57: positiv, nicht negativ. In der Deutschschweiz allein verschwindet sie (−0,09), während der Teilzeitzusammenhang bleibt.

Wie viele Frauen arbeiten, und wie viele davon Vollzeit: 10 Städte, nach Betreuungslücke sortiert
Vollzeit (Näherung)erwerbstätig
Biel/Bienne · 27,8 h
35.971.7%
St. Gallen · 26,7 h
36.276.6%
Lausanne · 26,7 h
41.172.4%
Bern · 26,2 h
37.679.8%
Luzern · 26,2 h
42.481.1%
Winterthur · 25,9 h
34.775.2%
Zürich · 24,4 h
44.380.2%
Basel · 23,5 h
38.672.7%
Genf · 22,5 h
39.367.0%
Lugano · 21,5 h
34.765.8%

Rechter Punkt: Erwerbstätigenquote der Frauen 20 bis 64 (2021). Linker Punkt: Clino-Näherung des Anteils, der Vollzeit (90 bis 100 %) arbeitet, berechnet als Erwerbstätigenquote mal Vollzeitanteil der erwerbstätigen Frauen 15+; die beiden Altersbänder sind nicht identisch, der Wert ist eine Grössenordnung. Die Spanne dazwischen sind die Teilzeit arbeitenden Frauen. Bern, Luzern und St. Gallen haben die längsten Lücken und die höchsten Erwerbstätigenquoten, aber kaum mehr Vollzeit als Genf. Quelle: BFS City Statistics 2021, Clino.

Daten (CSV)

In Bern sind 79,8 % der Frauen erwerbstätig, in Genf 67,0 %. Vollzeit arbeiten in Bern rund 38 von 100 Frauen, in Genf 39. Die Lücke kostet nicht den Job, sie kostet das Pensum.

Rechnet man die Erwerbstätigenquote mit dem Vollzeitanteil zusammen (eine Näherung, die zwei Altersbänder mischt), arbeiten in Bern rund 38 von 100 Frauen Vollzeit, in Genf 39, in Zürich 44, in Winterthur 35. Die Deutschschweizer Städte holen ihre hohe Erwerbsquote über Teilzeit; die Romandie hat weniger erwerbstätige Frauen, aber fast gleich viele Vollzeitstellen.


Die Kantone: Der Röstigraben liegt bei den Pensen unter 50 %

Auf Kantonsebene liefert die Strukturerhebung 2024 die Aufteilung nach Beschäftigungsgrad für alle 26 Kantone. Beim Anteil unter 90 % führt der Jura mit 60,7 %, gefolgt von Obwalden (60,5 %) und Appenzell Innerrhoden (58,2 %); Genf (44,4 %), Basel-Stadt (45,8 %) und Glarus bilden das Ende. Deutschschweiz und lateinische Schweiz liegen im Mittel fast gleichauf (53,5 % gegen 52,3 %).

Der Graben öffnet sich eine Stufe tiefer, beim Pensum unter 50 %: Appenzell Innerrhoden 26,7 %, Uri 25,7 %, Obwalden 25,5 % gegen Genf 10,2 %, Waadt 12,0 %, Neuenburg 12,1 %. Die Romandie arbeitet Teilzeit, aber mit 60 oder 80 %; die ländliche Deutschschweiz mit 30 oder 40 %. Und Appenzell Innerrhoden hat gleichzeitig die höchste Nettoerwerbsquote der Frauen im Land (81,7 %): fast alle arbeiten, viele wenig.

Die Kleinpensen-Karte: Anteil der erwerbstätigen Frauen mit Beschäftigungsgrad unter 50 %, 2024
ZHBELUURSZFRSOBLSGGRAGTGTIVDVSNEJU
wenigeviele

Dunkel = hoher Anteil. Der Röstigraben verläuft nicht zwischen Teilzeit und Vollzeit, sondern bei den Kleinpensen: Appenzell Innerrhoden, Uri und Obwalden über 25 %, Genf, Waadt und Neuenburg um 10 bis 12 %. Erwerbstätige Frauen 15+, Strukturerhebung 2024. Quelle: BFS T 40.02.03.02.01, Berechnung Clino.

Daten (CSV)
Teilzeitanteil der erwerbstätigen Frauen in allen 26 Kantonen, 2024
#unter 90 %
1Juraunter 50 %: 15,3 % · Nettoerwerbsquote: 73,0 %60,7 %
2Obwaldenunter 50 %: 25,5 % · Nettoerwerbsquote: 77,0 %60,5 %
3Appenzell I.Rh.unter 50 %: 26,7 % · Nettoerwerbsquote: 81,7 %58,2 %
4Appenzell A.Rh.unter 50 %: 24,0 % · Nettoerwerbsquote: 77,5 %58,0 %
5Bernunter 50 %: 18,8 % · Nettoerwerbsquote: 80,3 %57,4 %
6Uriunter 50 %: 25,7 % · Nettoerwerbsquote: 76,7 %56,3 %
7Basel-Landschaftunter 50 %: 17,3 % · Nettoerwerbsquote: 74,9 %56,3 %
8Freiburgunter 50 %: 14,3 % · Nettoerwerbsquote: 76,0 %55,9 %
9Solothurnunter 50 %: 18,2 % · Nettoerwerbsquote: 76,8 %55,3 %
10Thurgauunter 50 %: 18,4 % · Nettoerwerbsquote: 77,7 %55,1 %
11Schaffhausenunter 50 %: 20,2 % · Nettoerwerbsquote: 74,0 %54,9 %
12Wallisunter 50 %: 14,3 % · Nettoerwerbsquote: 75,6 %54,5 %
13Luzernunter 50 %: 19,6 % · Nettoerwerbsquote: 79,8 %54,1 %
14Aargauunter 50 %: 18,1 % · Nettoerwerbsquote: 77,6 %54,0 %
15St. Gallenunter 50 %: 20,1 % · Nettoerwerbsquote: 76,5 %53,4 %
16Neuenburgunter 50 %: 12,1 % · Nettoerwerbsquote: 75,0 %52,2 %
17Nidwaldenunter 50 %: 17,4 % · Nettoerwerbsquote: 77,8 %52,0 %
18Graubündenunter 50 %: 18,8 % · Nettoerwerbsquote: 80,4 %51,4 %
19Schwyzunter 50 %: 21,7 % · Nettoerwerbsquote: 78,8 %50,3 %
20Tessinunter 50 %: 15,7 % · Nettoerwerbsquote: 66,4 %49,9 %
21Zürichunter 50 %: 14,4 % · Nettoerwerbsquote: 79,3 %49,8 %
22Waadtunter 50 %: 12,0 % · Nettoerwerbsquote: 72,7 %48,5 %
23Zugunter 50 %: 16,6 % · Nettoerwerbsquote: 76,4 %47,6 %
24Glarusunter 50 %: 14,9 % · Nettoerwerbsquote: 78,9 %45,9 %
25Basel-Stadtunter 50 %: 12,9 % · Nettoerwerbsquote: 75,4 %45,8 %
26Genfunter 50 %: 10,2 % · Nettoerwerbsquote: 69,3 %44,4 %

Anteil der erwerbstätigen Frauen (15+) mit Beschäftigungsgrad unter 90 %, berechnet aus den Personenzahlen der Strukturerhebung 2024 (Vollzeit 90 bis 100 %, Teilzeit I 70 bis 89 %, II 50 bis 69 %, III unter 50 %). Unter jedem Kanton: Anteil unter 50 % und Nettoerwerbsquote der Frauen 15 bis 64. Über die 10 Schulstädte korreliert die Betreuungslücke mit dem kantonalen Teilzeitanteil mit r = +0,69. Quelle: BFS T 40.02.03.02.01 und T 40.02.03.02.03, Berechnung Clino.

Daten (CSV)

Deutschschweiz, 17 Kantone

  • Teilzeit unter 90 %: 53,5 % im Mittel
  • Pensum unter 50 %: 19,4 % im Mittel
  • Spitze: Appenzell I.Rh. 26,7 %, Uri 25,7 %, Obwalden 25,5 % unter 50 %

Lateinische Schweiz, 9 Kantone

  • Teilzeit unter 90 %: 52,3 % im Mittel
  • Pensum unter 50 %: 13,4 % im Mittel
  • Ende: Genf 10,2 %, Waadt 12,0 %, Neuenburg 12,1 % unter 50 %

Zürich, die einzige Stadt mit Zeitreihe: Die Kleinpensen wachsen

Nur die Stadt Zürich publiziert jährlich, wie sich die erwerbstätigen Frauen auf Beschäftigungsgrade verteilen. Der Anteil unter 50 % stieg von 10,9 % (2023) auf 14,8 % (2025), der Vollzeitanteil fiel von 51,9 % auf 46,1 %. Die Stichprobe ist klein und die Jahre schwanken; die Richtung über drei Jahre ist trotzdem bemerkenswert in einer Stadt, die Betreuungsplätze garantiert.

Stadt Zürich: Beschäftigungsgrad der erwerbstätigen Frauen, SAKE 2023 bis 2025
Jahrunter 50 %50 bis 89 %90 bis 100 %Teilzeit total
202310,9 %37,3 %51,9 %48,2 %
202412,8 %42,3 %44,9 %55,1 %
202514,8 %38,8 %46,1 %53,6 %

Einzige Stadt mit einer jährlichen Aufteilung nach Beschäftigungsgrad (Stadt Zürich Open Data, SAKE, Frauen 15+ mit Wohnort Stadt). Kleine Stichprobe, Jahresschwankungen sind Rauschen; der Anteil unter 50 % steigt über drei Jahre von 10,9 auf 14,8 %. Quelle: Stadt Zürich, bfs_wir_sake_beschgrad_erwtge_geschl_od5041.

Daten (CSV)

Überraschende Erkenntnisse

Winterthur, nicht Zürich, ist die Teilzeit-Hauptstadt

Zwanzig Minuten S-Bahn trennen 53,9 % von 44,8 %: In Winterthur arbeiten neun Prozentpunkte mehr Frauen Teilzeit als in Zürich, bei einer Lücke, die nur 1,5 Stunden länger ist. Der Stundenplan erklärt einen Teil, der Wohnungsmarkt und die Branchenstruktur den Rest: Wer nach Winterthur zieht, zieht oft wegen der Familie.

Die Mütter-Zahl gibt es nur national

Keine Stadt und kein Kanton publiziert den Teilzeitanteil der Mütter. National liegt er bei 79,6 % für Mütter, deren jüngstes Kind 4 bis 12 Jahre alt ist (SAKE 2025), gegen 57,4 % für alle Frauen 25 bis 54. Nur rund 23 % der erwerbstätigen Mütter mit Kindern unter 15 arbeiten Vollzeit. Die Städtewerte dieser Studie enthalten alle Frauen ab 15; der Effekt des Stundenplans auf Mütter ist deshalb eher unter- als überschätzt.

Der Kanton erklärt die Stadt besser als die Stadt sich selbst

Die Betreuungslücke der zehn Städte korreliert mit dem Teilzeitanteil ihres Kantons (2024) stärker (r = +0,69) als mit dem der Stadt selbst (2021, r = +0,49), und mit der kantonalen Erwerbsquote noch stärker (+0,75). Die Schulzeiten sind ein kantonales Muster, und das Pensum der Frauen ist es auch. Beide folgen derselben Kultur, und die eine ist nicht einfach die Ursache der anderen.

Basel: kurze Lücke, tiefe Teilzeit, tiefe Erwerbsquote

Basel hat nach Genf und Lugano die drittkürzeste Lücke (23,5 h) und mit 46,9 % einen der tiefsten Teilzeitanteile der Deutschschweiz, aber auch eine Erwerbstätigenquote von nur 72,7 %. Der Kanton Basel-Stadt hat mit 12,9 % den tiefsten Kleinpensen-Anteil der Deutschschweiz. Der Stadtkanton verhält sich wie eine Romandie-Stadt: weniger Frauen im Erwerb, dafür mit höherem Pensum.


Was das für Haushalte heisst

Die Zahlen sagen, dass die Betreuungslücke nicht darüber entscheidet, ob eine Mutter arbeitet, sondern wie viel. Wer das Pensum trotz Lücke halten will, hat in den meisten Städten drei Wege: Hort- und Mittagstischmodule, soweit die Stadt sie anbietet, eine Nanny oder Tagesmutter im eigenen Haushalt, oder die Grosseltern. Der zweite Weg ist eine Anstellung mit AHV, Unfallversicherung und Lohnabrechnung, ab dem ersten Franken und ab dem ersten Nachmittag. Clino führt durch die Anmeldung und die Abrechnung; die Stunden, den Lohn und den Vertrag legt der Haushalt selbst fest.


Alle zehn Städte im Detail

Die 10 Schulstädte im Detail: Lücke, Teilzeit, Erwerbstätigkeit, Kanton
StadtLücke h/Wo.Teilzeit 2021± CIØ 2018–21Erwerbstätig 20–64Kanton < 90 %Kanton < 50 %
Biel/Bienne (BE)27,849,9 %5,350,3 %71,7 %57,4 %18,8 %
St. Gallen (SG)26,752,7 %4,150,7 %76,6 %53,4 %20,1 %
Lausanne (VD)26,743,2 %2,244,0 %72,4 %48,5 %12,0 %
Bern (BE)26,252,9 %3,052,6 %79,8 %57,4 %18,8 %
Luzern (LU)26,247,7 %2,848,3 %81,1 %54,1 %19,6 %
Winterthur (ZH)25,953,9 %3,454,8 %75,2 %49,8 %14,4 %
Zürich (ZH)24,444,8 %1,745,4 %80,2 %49,8 %14,4 %
Basel (BS)23,546,9 %2,947,5 %72,7 %45,8 %12,9 %
Genf (GE)22,541,4 %2,040,6 %67,0 %44,4 %10,2 %
Lugano (TI)21,547,3 %3,645,0 %65,8 %49,9 %15,7 %

Lücke: Stunden pro Woche zwischen 50-Stunden-Bedarf und beaufsichtigter Schulpräsenz (Clino, 2025/26). Teilzeit: erwerbstätige Frauen 15+ mit Beschäftigungsgrad unter 90 %, Strukturerhebung 2021, ±95-%-Konfidenzintervall und Mittel 2018 bis 2021. Erwerbstätigenquote: Frauen 20 bis 64, 2021. Kanton: Teilzeit unter 90 % und unter 50 %, Strukturerhebung 2024. Quelle: BFS City Statistics, BFS T 40.02.03.02.01, Clino.

Daten (CSV)

Quellen

  • Clino: Schulschluss vor Feierabend, die Betreuungslücke in 10 Schulstädten (2026), Lücke in Stunden pro Woche, Schuljahr 2025/26
  • BFS City Statistics (Urban Audit), Kernstädte, STAT-TAB px-x-2105000000_501 (2024), EC1004I Teilzeitanteil Frauen, EC1179I Erwerbstätigenquote Frauen 20 bis 64, TE1001I Kita-Kinder; Strukturerhebung 2018 bis 2021
  • BFS: Definitionen der City-Statistics-Variablen (do-b-21.05.02) (2024), Beschäftigungsgrad unter 90 % = Teilzeit
  • BFS Strukturerhebung 2024: Arbeitsmarktstatus nach soziodemografischen Merkmalen und Kanton (T 40.02.03.02.01) (2025), Personenzahlen Frauen 15+ nach Beschäftigungsgrad, 26 Kantone
  • BFS Strukturerhebung 2024: Erwerbs- und Erwerbslosenquote nach Kanton (T 40.02.03.02.03) (2025), Nettoerwerbsquote Frauen 15 bis 64
  • BFS SAKE: Teilzeiterwerbstätige nach Geschlecht, Alter und Familiensituation (su-d-01.07.05.04) (2025), Frauen 25 bis 54, Mütter nach Alter des jüngsten Kindes
  • BFS SAKE: Beschäftigungsgrad der Erwerbstätigen nach Geschlecht 1991 bis 2025 (cc-d-20.04.02.04.01) (2025), Frauen 15+: 41,4 / 36,3 / 22,2 %
  • BFS SAKE: Beschäftigungsgrad nach Familientyp (T 03.02.01.15) (2023), Frauen 15 bis 64 mit Kindern unter 15, in Tausend
  • Stadt Zürich Open Data: SAKE, Beschäftigungsgrad der Erwerbstätigen nach Geschlecht (od5041) (2025), Frauen 15+, 2016 bis 2025

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