1910 kam auf 9 Haushalte ein Dienstmädchen, 2025 auf 57 eine Hausangestellte
1910 lebten in der Schweiz 89'605 Dienstboten im Haushalt ihrer Arbeitgeber, 98 % davon Frauen. Auf 1'000 Haushalte kamen 108. Clino hat die Volkszählungen seit 1888 und die Erwerbstätigenstatistik des Bundesamts für Statistik bis 2025 ausgewertet, für die ganze Schweiz und für jeden Kanton. Heute arbeiten 71'932 Personen hauptberuflich für Privathaushalte, 17,5 pro 1'000 Haushalte. Gezählt wird nicht dasselbe: 1910 zählten nur Dienstboten, die bei der Familie wohnten, heute zählt die Statistik alle mit Hauptstelle in einem Privathaushalt, oft für wenige Stunden pro Woche. Die Karte hat sich dabei gedreht: Das Tessin, 1910 einer der Kantone mit den wenigsten Dienstmädchen, hat heute die zweithöchste Anmeldequote im vereinfachten Verfahren.
Zusammenfassung
Um 1900 war der Dienst in einem fremden Haushalt für Frauen aus einfachen Verhältnissen eine der häufigsten Erwerbsarbeiten ausserhalb der Landwirtschaft. Die eidgenössischen Volkszählungen zählten 1888 79'488 Dienstboten, die bei ihren Arbeitgebern wohnten, 1930 mit 111'213 am meisten. Pro Haushalt gerechnet war der Anteil 1888 höher als in allen späteren Zählungen: 125 pro 1'000 Haushalte, eine auf 8.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verschwand das Dienstmädchen fast. 1990 zählte die Volkszählung noch 15'394 Personen in der Erwerbsklasse Hauswirtschaft, 5,4 pro 1'000 Haushalte. Die Erwerbstätigenstatistik des BFS, die anders zählt, weist für 2025 71'932 Personen aus, die hauptberuflich für Privathaushalte arbeiten: 17,5 pro 1'000 Haushalte, eine auf 57. Im vereinfachten Abrechnungsverfahren der AHV waren 2025 65'669 Haushalte als Arbeitgeber angemeldet, einer auf 62.
Die Dienstmädchen sind also nicht zurück. Was zurück ist, ist die Zahl: Gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2011 bis 2013 ist die Zahl der Erwerbstätigen in Privathaushalten bis 2025 um 35 % gestiegen, 2024 erreichte sie mit 78'959 den höchsten Wert seit Beginn der Statistik 1991.
Von einem auf 9 zu einem auf 57 Haushalte
Die Kurve hat drei Abschnitte, weil sich die Zählweise zweimal ändert. Bis 1960 zählen nur Dienstboten, die beim Arbeitgeber wohnen, Kost und Logis inklusive. 1970 bis 1990 zählt die Volkszählung die Erwerbsklasse Hauswirtschaft, Teilzeit eingeschlossen. Ab 1991 schätzt das BFS die Erwerbstätigen in Privathaushalten aus Befragungen, nach ihrer Hauptstelle. Der Sprung zwischen 1990 und den Jahren danach ist zum grössten Teil eine Folge dieses Wechsels, nicht eine Rückkehr der Dienstboten.
- 11888 bis 1960: Volkszählung, Dienstboten, die beim Arbeitgeber wohnen
- 21970 bis 1990: Volkszählung, Erwerbsklasse Hauswirtschaft, inkl. Teilzeit
- 32000 bis 2025: BFS-Erwerbstätigenstatistik, Personen mit Hauptstelle in einem Privathaushalt
- Offener Kreis: 1960 inkl. extern wohnende Hausangestellte (52)
Quelle: Eidg. Volkszählungen 1888 bis 1990, BFS (ETS, STATPOP), Ausgleichskassen; Berechnung Clino · Grafik: Clino
Alle Werte der Zeitreihe
| Jahr | Personen | Privathaushalte | pro 1'000 Haushalte | Zählweise |
|---|---|---|---|---|
| 1888 | 79'488 | 638'064 | 124,6 | 1 |
| 1900 | 84'895 | 728'920 | 116,5 | 1 |
| 1910 | 89'605 | 829'009 | 108,1 | 1 |
| 1920 | 92'878 | 883'346 | 105,1 | 1 |
| 1930 | 111'213 | 994'587 | 111,8 | 1 |
| 1941 | 91'060 | 1'209'605 | 75,3 | 1 |
| 1950 | 89'455 | 1'385'529 | 64,6 | 1 |
| 1960 | 70'653 | 1'581'000 | 44,7 | 1 |
| 1960 | 82'572 | 1'581'000 | 52,2 | 1, inkl. extern wohnende |
| 1970 | 46'283 | 2'051'592 | 22,6 | 2 |
| 1980 | 26'224 | 2'449'784 | 10,7 | 2 |
| 1990 | 15'394 | 2'841'850 | 5,4 | 2 |
| 2000 | 59'829 | 3'115'399 | 19,2 | 3 |
| 2012 | 53'277 | 3'488'738 | 15,3 | 3 |
| 2020 | 54'591 | 3'867'390 | 14,1 | 3 |
| 2024 | 78'959 | 4'063'044 | 19,4 | 3 |
| 2025 | 71'932 | 4'105'458 | 17,5 | 3 |
Ein Vergleich, der über die Brüche hinweg trägt: In absoluten Zahlen arbeiten heute ähnlich viele Menschen für Privathaushalte wie 1888 (79'488) oder 1960 (82'572 Hausangestellte, davon 70'653 im Haushalt wohnend). Die Zahl der Haushalte ist seit 1888 aber auf das 6,4-Fache gestiegen. Und wer heute für einen Haushalt arbeitet, tut das oft wenige Stunden pro Woche, für mehrere Familien.
Auch die Frauen bleiben, aber nicht mehr unter sich: 1910 waren 98,3 % der Dienstboten Frauen, 2025 sind es unter den Erwerbstätigen in Privathaushalten 75 %. Die Statistik von heute zählt auch Gärtner, Chauffeure und Betreuer.
Die Karte hat sich gedreht
1910 lagen die Städte vorn. In Basel-Stadt kamen 185 Dienstboten auf 1'000 Haushalte, in Genf 180, fast eine auf fünf Haushalte. Dann folgten Luzern (155), Zug, Waadt und Neuenburg, Zürich lag mit 121 auf Rang 7. Am Ende der Liste standen Appenzell Innerrhoden, Basel-Landschaft, Wallis und das Tessin.
Heute ist die Reihenfolge eine andere. Im vereinfachten Abrechnungsverfahren meldet Zürich mit 31,3 pro 1'000 Haushalte die meisten Arbeitgeber, gefolgt vom Tessin mit 27,7. Zählt man im Tessin alle Verfahren der kantonalen Ausgleichskasse, sind es 70,6 Arbeitgeber pro 1'000 Haushalte, etwas mehr als 1910 Dienstboten (67,3). Der Vergleich hinkt: Damals zählten Personen, die im Haushalt wohnten, heute Haushalte, die jemanden anmelden, oft für ein paar Stunden pro Woche. Basel-Stadt ist auf Rang 9 gefallen. Zwischen der Rangfolge von 1910 und der von heute besteht kein erkennbarer Zusammenhang mehr.
Dass Genf, Waadt, Freiburg und Neuenburg heute im vereinfachten Verfahren weit hinten liegen, heisst nicht, dass dort niemand eine Haushaltshilfe beschäftigt. In der Romandie laufen die meisten Anstellungen über Chèque-emploi-Stellen. Mit ihnen zusammen kommt die Waadt auf 32,5 Arbeitgeber pro 1'000 Haushalte, Genf nach Angabe der Stelle auf rund 72.
Bern inkl. Jura. 1910 zählt Personen, 2025 Haushalte, die jemanden anmelden. Verglichen wird die Rangfolge.
Quelle: Eidg. Volkszählungen 1888 bis 1990, BFS (ETS, STATPOP), Ausgleichskassen; Berechnung Clino · Grafik: Clino
| Kanton | 1910 | Ausl. 1910 | 1960 | Ausl. 1960 | 2025 VAV | 2025 alle |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Basel-Stadt | 185,5 | 66 % | 44,6 | 57 % | 17,1 | |
| Genf | 179,5 | 50 % | 69,0 | 63 % | 3,3 | 72,1 |
| Luzern | 155,4 | 10 % | 75,0 | 15 % | 10,6 | |
| Zug | 140,2 | 12 % | 74,7 | 22 % | 20,4 | |
| Waadt | 137,8 | 16 % | 58,0 | 28 % | 3,7 | 32,5 |
| Neuenburg | 131,8 | 15 % | 45,6 | 27 % | 0,8 | |
| Zürich | 120,9 | 42 % | 49,8 | 51 % | 31,3 | 54,6 |
| Obwalden | 111,7 | 5 % | 76,0 | 10 % | 12,3 | |
| Nidwalden | 106,4 | 6 % | 82,6 | 10 % | 10,8 | |
| Freiburg | 104,8 | 8 % | 49,8 | 10 % | 3,7 | 24,9 |
| Graubünden | 99,8 | 36 % | 53,1 | 33 % | 13,9 | |
| Schaffhausen | 96,7 | 44 % | 37,5 | 38 % | 14,0 | |
| Bern | 95,6 | 7 % | 51,8 | 25 % | 20,5 | |
| Uri | 95,4 | 6 % | 63,7 | 11 % | 12,0 | |
| St. Gallen | 91,9 | 42 % | 52,7 | 26 % | 11,2 | |
| Schwyz | 83,1 | 11 % | 68,5 | 14 % | 20,2 | |
| Thurgau | 82,4 | 36 % | 54,2 | 30 % | 15,8 | |
| Aargau | 72,6 | 18 % | 45,2 | 30 % | 18,3 | |
| Appenzell A.Rh. | 70,3 | 21 % | 49,8 | 19 % | 19,4 | |
| Solothurn | 68,8 | 11 % | 39,6 | 36 % | 15,2 | |
| Glarus | 67,9 | 27 % | 46,7 | 31 % | 12,0 | |
| Tessin | 67,3 | 45 % | 48,4 | 67 % | 27,7 | 70,6 |
| Wallis | 62,0 | 10 % | 38,0 | 25 % | 5,1 | 19,9 |
| Basel-Landschaft | 60,0 | 28 % | 47,8 | 54 % | 6,6 | 42,5 |
| Appenzell I.Rh. | 59,7 | 16 % | 55,0 | 12 % | 17,5 |
Ausländeranteil = Anteil Ausländerinnen und Ausländer unter den Hausangestellten. Bern inkl. Jura. 2025 alle Verfahren: Total der Ausgleichskasse (ZH, BL, TI) oder vereinfachtes Verfahren plus Chèque-emploi (FR, VD offiziell; VS, GE Angabe der Stelle).
Ausländerinnen schon 1910
1910 waren 25'294 der 89'605 Dienstboten Ausländerinnen und Ausländer, 28,2 %. In Basel-Stadt waren es 66 %, in Genf 50 %, im Tessin 45 % und in Zürich 42 %. In den katholischen Landkantonen mit vielen Dienstmädchen, Luzern, Zug, Ob- und Nidwalden, kamen sie fast alle aus der Schweiz.
Die Historikerin Andrea Althaus schätzt, dass zwischen 1920 und 1965, ausser in den Kriegsjahren, jährlich etwa 30'000 Deutsche und Österreicherinnen als Dienstmädchen in die Schweiz kamen, jene im Gastgewerbe eingerechnet; 1930 stammten über 80 % der ausländischen Hausangestellten aus diesen beiden Ländern. 1960 waren 36,2 % der Hausangestellten Ausländerinnen und Ausländer.
Für heute gibt es keine amtliche Zahl zur Nationalität. Auf der Plattform quitt waren 2024 unter 10'641 Verträgen 26 % Schweizerinnen und Schweizer, 21 % Portugiesinnen, 8 % Spanierinnen, 6 % Italienerinnen und 5 % Brasilianerinnen. Das ist eine Plattform, nicht die ganze Schweiz.
Was das für Haushalte heute heisst
Das Dienstmädchen von 1910 hatte Kost und Logis, aber keine AHV, die es erst seit 1948 gibt. Wer heute eine Putzfrau oder Nanny beschäftigt, ist ihr Arbeitgeber, auch für wenige Stunden: AHV-Beiträge ab dem ersten Franken, Unfallversicherung ab der ersten Stunde, ein Normalarbeitsvertrag im Kanton. Wie die Anmeldung Schritt für Schritt geht, steht im Ratgeber Putzfrau anmelden.
Quellen
- Eidg. Volkszählung 1910, Band 1 (Tab. I) und Band 3 Berufsstatistik (Tab. V, Vb) (1910)
- Eidg. Volkszählung 1960, Band 28 Erwerb und Beruf (Tab. 11) (1960)
- Historische Statistik der Schweiz HSSO, Tabellen F.7a, F.00, B.1a, B.6b (2012)
- BFS, Erwerbstätigenstatistik (ETS), Abschnitt T; Privathaushalte 1850 bis 2025; STATPOP (2026)
- Ausgleichskassen, vereinfachtes Verfahren und Jahresberichte (SVA Zürich, SVA Basel-Landschaft, IAS Ticino); Chèque-emploi-Stellen (2025)
- Andrea Althaus, Deutsche Hausangestellte in der Schweiz, Alemannisches Jahrbuch 65/66 (2018)
- quitt, Haushaltshilfen-Report 2025 (Nationalitäten 2024) (2025)
Sie vertreten eine Organisation, die Haushalte oder Arbeitnehmende unterstützt?
Partner werden →Weiterführende Ressourcen
Pressekontakt
Medienanfragen, Interviews, Hintergrundinformationen
Über Clino
Clino ist eine Schweizer SaaS-Plattform, die privaten Haushalten ermöglicht, ihre Haushaltshilfe legal anzustellen: Lohnabrechnung, Arbeitsvertrag und AHV-Anmeldung; Clino führt durch das Verfahren, die Versicherung schliesst der Haushalt selbst ab. CHF 19.90/Monat. Alle 26 Kantone. Gegründet 2026 in Zürich. clino.ch
