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Datenstudie15. Juni 2026

Wo die Schweiz am engsten mit Zuwanderung lebt, stimmte sie am klarsten Nein

Die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» ist am 14. Juni gescheitert. Eine Auswertung aller 26 Kantone und 2'117 Gemeinden zeigt ein klares Muster: Je höher der Ausländeranteil eines Kantons, desto deutlicher das Nein. Die Korrelation beträgt −0,63. Die Schweiz, die täglich am engsten mit Zuwanderung lebt, wollte sie am wenigsten begrenzen.

45,2 %
Ja-Anteil national — die Initiative ist abgelehnt
−0,63
Korrelation Ausländeranteil je Kanton ↔ Ja-Anteil
58,9 %
Stimmbeteiligung — und in ebenso vielen Gemeinden lag das Ja vorne
12,3 Pkt.
Abstand zwischen der deutsch- und der französischsprachigen Schweiz beim Ja
Daten (CSV)

Am 14. Juni 2026 hat die Schweiz die Nachhaltigkeitsinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» abgelehnt. Hinter dem nationalen Resultat liegt eine geografische Logik, die quer durch das übliche Links-Rechts-Raster läuft. Wir haben die provisorischen amtlichen Resultate auf Kantons- und Gemeindeebene mit dem Ausländeranteil der Wohnbevölkerung verknüpft.

Vier Befunde prägen das Bild: das nationale Resultat samt Ständemehr, der Zusammenhang zwischen Ausländeranteil und Ja-Stimmen, ein Stadt-Land-Paradox und der Röstigraben. Die Zahlen sind aggregierte Zusammenhänge auf Kantons- und Gemeindeebene und sagen nichts über das Verhalten einzelner Stimmender aus.


1. Das nationale Resultat: Volk und Stände sagen Nein

Die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz (Nachhaltigkeitsinitiative)» scheiterte am Volk und am Stände- mehr. 54,8 Prozent legten ein Nein ein (1'808'916 Stimmen), 45,2 Prozent ein Ja (1'492'603 Stimmen). Bei den Ständen standen 8 4/2 ablehnende einer Mehrheit von 12 2/2 gegenüber. Von 5'668'117 Stimmberechtigten beteiligten sich 58,9 Prozent — ein für eine Initiative hoher Wert.

45,2 % Ja
1'492'603 Ja gegen 1'808'916 Nein — die Initiative ist an Volk und Ständen gescheitert
Beteiligung 58,9 % von 5'668'117 Stimmberechtigten; Stände 8 4/2 : 12 2/2

Auf den ersten Blick ein klares, fast unauffälliges Nein. Interessant wird das Resultat erst, wenn man es geografisch zerlegt: Die Zustimmung verteilte sich nicht zufällig über das Land, sondern folgte zwei Linien — der Dichte der Zuwanderung und der Sprachgrenze.

Quellen

  • Bundeskanzlei / BFS, Abstimmung vom 14.06.2026 (provisorisch) (2026) — Ja 45,2 % (1'492'603), Nein 54,8 % (1'808'916), Beteiligung 58,9 %
  • Bundeskanzlei, Ständeresultate (2026) — 8 4/2 annehmende zu 12 2/2 ablehnende Stände
  • BFS, Stimmberechtigte (2026) — 5'668'117 Stimmberechtigte

2. Der zentrale Befund: Mehr Zuwanderung, klareres Nein

Über alle 26 Kantone hinweg liegt die Korrelation zwischen dem Ausländeranteil der Wohnbevölkerung (BFS, Ende 2024) und dem Ja-Anteil bei −0,63. Innerhalb der deutschsprachigen Kantone allein ist der Zusammenhang mit −0,68 noch ausgeprägter. Wo der Alltag am stärksten von Zuwanderung geprägt ist, fiel die Zustimmung zur Begrenzung am tiefsten aus.

Appenzell Innerrhoden (12,6 % Ausländer)
65.9 % Ja
Schweiz total (23,8 % Ausländer)
45.2 % Ja
Genève (41,7 % Ausländer)
34.6 % Ja
Basel-Stadt (38,7 % Ausländer)
26.5 % Ja

Die Spannweite ist gross: In Appenzell Innerrhoden (12,6 Prozent Ausländeranteil) sagten 65,9 Prozent Ja, in Uri (17,0 Prozent) 59,9 Prozent. Am anderen Ende lehnten Basel-Stadt (38,7 Prozent Ausländeranteil) mit nur 26,5 Prozent Ja und Genève (41,7 Prozent) mit 34,6 Prozent Ja am deutlichsten ab. Das ist eine aggregierte, ökologische Korrelation auf Kantonsebene — kein Rückschluss auf das Verhalten einzelner Personen, sondern ein Muster zwischen Gebieten.

Je dichter die Zuwanderung, desto klarer das Nein. Über alle 26 Kantone liegt die Korrelation bei −0,63 — ein Zusammenhang zwischen Gebieten, kein Urteil über einzelne Stimmende.

Quellen

  • BFS, Ausländeranteil ständige Wohnbevölkerung je Kanton (31.12.2024) — Genève 41,7 %, Basel-Stadt 38,7 %, Uri 17,0 %, Appenzell Innerrhoden 12,6 %
  • Clino-Auswertung Korrelation Kantonsebene (2026) — Alle 26 Kantone r = −0,63; deutschsprachige Kantone r = −0,68
  • Bundeskanzlei / BFS, Ja-Anteile je Kanton (2026) — AI 65,9 %, UR 59,9 %, GE 34,6 %, BS 26,5 %

3. Das Stadt-Land-Paradox: Mehrheit der Gemeinden Ja, Land trotzdem Nein

Auf der Landkarte dominiert das Ja: In der mittleren Gemeinde lag der Ja-Anteil bei 52,7 Prozent, und in 1'247 von 2'117 Gemeinden (58,9 Prozent) hatte das Ja die Mehrheit. Gescheitert ist die Initiative dennoch, weil die grossen Städte sie klar ablehnten — und dort wohnen die meisten Menschen.

52,7 % Ja
So stimmte die mittlere Gemeinde — und in 1'247 von 2'117 Gemeinden lag das Ja vorne
Abgelehnt wurde die Initiative trotzdem: Die bevölkerungsreichen Städte gaben den Ausschlag
Unteriberg SZ (stärkstes Ja)
90.5 % Ja
Mittlere Gemeinde
52.7 % Ja
Stadt Lausanne
24.4 % Ja
Stadt Bern
16.4 % Ja

Das stärkste Ja kam aus dem Dorf Unteriberg SZ mit 90,5 Prozent. Die grossen Städte zogen in die Gegenrichtung: Bern stimmte zu 16,4 Prozent Ja, Zürich zu 24,1 Prozent, Lausanne zu 24,4 Prozent und Fribourg ebenfalls zu 24,4 Prozent. Eine Mehrheit der Gemeinden reicht in der Schweiz nicht — entscheidend ist, wo die Menschen leben. So konnte eine Initiative national scheitern, obwohl sie in der Mehrzahl der Gemeinden vorne lag.

Quellen

  • Clino-Auswertung aller 2'117 Gemeinden (2026) — Median-Gemeinde 52,7 % Ja; Ja-Mehr in 1'247 Gemeinden (58,9 %)
  • Bundeskanzlei / BFS, Gemeinderesultate Städte (2026) — Bern 16,4 %, Zürich 24,1 %, Lausanne 24,4 %, Fribourg 24,4 % Ja
  • Bundeskanzlei / BFS, Gemeinderesultat Unteriberg SZ (2026) — 90,5 % Ja — stärkste Zustimmung schweizweit

4. Der Röstigraben: Kultur schlägt Zuwanderungsquote

Der vierte Befund ist der eigenwilligste. Die französischsprachigen Kantone stimmten im Schnitt zu 39,2 Prozent Ja, die deutschsprachigen zu 51,5 Prozent — ein Abstand von 12,3 Punkten. Das Überraschende: Die Romandie hat mit 28,3 Prozent den höheren durchschnittlichen Ausländeranteil, die Deutschschweiz nur 23,8 Prozent. Hier überlagert die Sprachregion das Zuwanderungsniveau.

39,2 % vs 51,5 %
Durchschnittlicher Ja-Anteil: französischsprachige vs deutschsprachige Kantone
Obwohl die Romandie den höheren Ausländeranteil hat (28,3 % vs 23,8 %) — Kultur und Region wogen schwerer als die Zuwanderungsquote

Die Extreme der Kantonsrangliste bestätigen beide Linien zugleich. Am meisten Zustimmung kam aus Appenzell Innerrhoden (65,9 Prozent), Schwyz (63,2 Prozent) und Uri (59,9 Prozent) — durchwegs deutschsprachige Kantone mit tiefem Ausländeranteil. Am tiefsten lagen Basel-Stadt (26,5 Prozent), Neuchâtel (32,7 Prozent), Genève (34,6 Prozent) und Vaud (35,5 Prozent) — eine Mischung aus Grossstadt und Romandie. Der innerdeutschschweizerische Zusammenhang (r = −0,68) bleibt stark; der Röstigraben legt sich als eigene Schicht darüber.

Quellen

  • Clino-Auswertung Sprachregionen (Kantonsmittel) (2026) — Französischsprachig 39,2 % Ja, deutschsprachig 51,5 % Ja
  • BFS, Ausländeranteil nach Sprachregion (Kantonsmittel) (31.12.2024) — Romandie 28,3 %, Deutschschweiz 23,8 %
  • Bundeskanzlei / BFS, Kantonsrangliste Ja-Anteil (2026) — Top: AI 65,9 %, SZ 63,2 %, UR 59,9 %; tief: BS 26,5 %, NE 32,7 %, GE 34,6 %, VD 35,5 %

Was die Karte zeigt

Drei Muster überlagern sich. Wo viele Zugewanderte leben, fiel das Ja tiefer aus (r = −0,63). Wo viele Menschen leben — in den Städten —, kippte das Resultat trotz Ja-Mehrheit in der Mehrzahl der Gemeinden. Und quer dazu zog der Röstigraben eine eigene Linie, die sich nicht allein mit Zuwanderungszahlen erklären lässt. Zusammen ergeben sie eine Karte, auf der Nähe zur Zuwanderung und Ablehnung der Begrenzung Hand in Hand gehen.

Die Schweiz, die am engsten mit Zuwanderung lebt, stimmte am klarsten Nein.

Clino hat diese Auswertung erstellt, weil die Anstellung von Hauspersonal unser Fachgebiet ist und ein grosser Teil dieser Arbeitskräfte zugewandert ist. Die Studie ordnet ein amtliches Resultat geografisch ein und beschreibt Zusammenhänge zwischen Gebieten. Eine Abstimmungsempfehlung gibt Clino nicht ab — weder vor noch nach dem 14. Juni.


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