Zürich blieb wach: Die WM-Nächte der Stadt, gemessen am Stromzähler
Die ewz-Viertelstundendaten zeigen, was Zürich während der WM wirklich tat: In der Argentinien-Nacht blieb grob jeder dritte Haushalt wach — ohne Wecker, einfach durchgemacht. Der Stadt-Ableger unserer Schweizer WM-Strom-Studie, Spiel für Spiel.
1 · Die Argentinien-Nacht an der Limmat
An einem normalen Sommer-Sonntag fällt Zürichs Haushaltsstrom nach Mitternacht steil in sein Wochenend-Tal — gegen 4 Uhr verbraucht die Stadt so wenig wie sonst nie. In der Nacht auf den 12. Juli kam das Tal nicht: Vom Anpfiff um 3 Uhr bis zum bitteren Ende um halb sechs lag die Stadt konstant 13 bis 15 Prozent über normal. Summiert: rund 131'000 Kilowattstunden Mehrverbrauch in einer Nacht — als hätte die Stadt ein zusätzliches Quartier gehabt, das nie schlafen ging.
Stadt Zürich, Stromabgabe an Haushalte (Netzebene 7, ewz), Sa 11. Juli 20:00 bis So 12. Juli 10:00, in MWh pro Stunde. Baseline = Mittel derselben Stunde an turnierfreien Sommertagen gleichen Wochentags (n=9–10). Das orange Band markiert das Spiel: Anpfiff 3:00, Verlängerung ab ca. 4:55, Schlusspfiff ca. 5:40. Wo die graue Kurve ihr Wochenend-Tal hat, bleibt die dunkle Kurve oben: Die Stadt ging nicht ins Bett. Quelle: Open Data Stadt Zürich.
2 · Kein Wecker: Zürich machte durch
Hätten die Zürcherinnen und Zürcher den Wecker auf kurz vor 3 gestellt, müsste die Kurve am Anpfiff springen — Hunderttausende Geräte gleichzeitig an. Der Sprung beträgt ganze 1,6 Prozentpunkte: Der Mehrverbrauch liegt schon ab Mitternacht bei +12 Prozent. Die Stadt ist schlicht aufgeblieben; während der ersten Halbzeit kamen ein paar Nachzügler dazu (bis +15 Prozent um 4 Uhr).
Viertelstündliche Haushaltslast Stadt Zürich, Sa 22:00 bis So 7:45, vs. Baseline. Hätten viele einen Wecker auf kurz vor 3 gestellt, gäbe es am Anpfiff einen Sprung. Es gibt keinen: Der Mehrverbrauch liegt schon ab Mitternacht bei +12 % und steigt zum Anpfiff nur um +1,6 Punkte. Die Schweiz stellte keinen Wecker — sie ging einfach nicht ins Bett. (Basel: Sprung am Anpfiff +0,1 Punkte.)
Kein Wecker: Zürich machte einfach durch.
3 · Kolumbien bis um 1, Algerien um 5, Kanada am Feierabend
Die Argentinien-Nacht war kein Einzelfall, sondern der Höhepunkt einer Serie. Das Achtelfinal-Drama gegen Kolumbien (Penaltys bis viertel vor eins, an einem Dienstag) hielt die Stadt bis nach 2 Uhr über 11 Prozent; das 5-Uhr-Spiel gegen Algerien hob den Morgen exakt vom Anpfiff bis zum Schlusspfiff; das Kanada-Spiel machte aus einem gewöhnlichen Mittwochabend +16 Prozent. Nur das Samstagabend-Spiel gegen Katar ist unsichtbar — samstagabends ist Zürich ohnehin wach.
Stadt Zürich, Haushaltslast Di 7. Juli 18:00 bis Mi 8. Juli 6:00 vs. normaler Dienstag/Mittwoch. 120 torlose Minuten plus Penaltyschiessen bis ca. 0:50 — an einem Arbeitstag. Die Kurve bleibt bis nach 2 Uhr über 11 Prozent erhöht: Das Land sah das Penaltydrama zu Ende und ging erst dann schlafen. 1,2 Mio. sahen das Spiel (78,3 % Marktanteil).
Stadt Zürich, Haushaltslast Fr 3. Juli 0:00–12:00 vs. normaler Freitag. Der Mehrverbrauch steigt in den 5-Uhr-Anpfiff hinein und klingt nach dem Schlusspfiff ab — stundengenau ans Spiel gebunden. Wetter oder Zufall können dieses Muster nicht erzeugen: Hitze weckt niemanden pünktlich um 5. 535'000 sahen das Spiel (86,7 % Marktanteil, Mediapulse/SRF).
Stadt Zürich, Haushaltslast Mi 24. Juni 18:00 bis Do 25. Juni 6:00 vs. normaler Mittwoch (n=9). Das entscheidende Gruppenspiel (2:1) an einem Arbeitsabend. Quelle: Open Data Stadt Zürich.
4 · Die Stadt blieb auf, die Agglomeration ging ins Bett
Der Vergleich mit dem Umland macht Zürichs Nacht erst richtig sichtbar: Im EKZ-Netzgebiet — der Kanton Zürich ohne die Stadt — betrug die Abweichung in der Argentinien-Nacht nur etwa die Hälfte des Stadtwerts, in Winterthur +8,4 Prozent. Je urbaner, desto wacher. Und die Rechnung? Die durchwachte Nacht kostete einen Zürcher Haushalt rund 16 Rappen Strom. Der Schlaf, der fehlte, war teurer: RAND beziffert die Folgekosten chronischer Schlaflosigkeit für die Schweiz auf bis zu 10,1 Milliarden Franken pro Jahr.
Und während die Stadt am Sonntag verkatert ausschlief, haben in Tausenden Zürcher Haushalten Angestellte geputzt, gekocht und betreut — die Menschen, die Haushalte am Laufen halten und in keiner Statistik auftauchen. Die ganze Analyse — sechs Spiele, sechs Netze, 26 Kantone, Methodik und Rohdaten — steht in der Hauptstudie: «Die Schweiz ging nicht ins Bett».
Quellen
- Open Data Stadt Zürich — ewz Stromabgabe Netzebenen, Viertelstundenwerte (2026) — Haushaltsstrom Stadt Zürich (NE7)
- EKZ & Stadtwerk Winterthur — Bruttolastgänge (opendata.swiss) (2026) — Stadt-Agglo-Vergleich
- Mediapulse via SRF-Medienportal (2026) — 830'000 TV-Spitze Viertelfinal, 93,6 % Marktanteil
- ELCOM — Strompreis-Medianwert Haushalte (2026) — 27,7 Rp./kWh (H4)
- RAND Europe — Kosten chronischer Insomnie in der Schweiz (2023) — bis CHF 10,1 Mrd./Jahr
- Clino — WM-Strom-Hauptstudie inkl. CSV-Rohdaten (2026) — clino.ch/de/presse/wm-stromnaechte-2026
Sie vertreten eine Organisation, die Haushalte oder Arbeitnehmende unterstützt?
Partner werden→Weiterführende Ressourcen
Über Clino
Clino ist eine Schweizer SaaS-Plattform, die privaten Haushalten ermöglicht, ihre Haushaltshilfe legal anzustellen — Lohnabrechnung, Arbeitsvertrag, AHV-Anmeldung und Unfallversicherung inklusive. CHF 19.90/Monat. Alle 26 Kantone. Gegründet 2025 in Zürich. clino.ch

