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Datenstudie · Update22. Juni 2026

Reinigung ist 2026 amtlich «überversorgt» — und der Privathaushalt findet trotzdem keine Hilfe

Seit dem 1. Januar 2026 gilt für Reinigungspersonal wieder die Stellenmeldepflicht: Die Arbeitslosigkeit im Beruf liegt bei 5,3 % — fast doppelt so hoch wie der Landesschnitt. Es gibt 9,5 % mehr Stellensuchende als vor einem Jahr. Und doch wartet jeder Privathaushalt weiter auf eine Putzhilfe. Der Grund steckt in einer Zahl, die kaum jemand kennt.

5,3 %
Arbeitslosigkeit im Reinigungspersonal (vs. 3,0 % national)
+9,5 %
mehr Stellensuchende als vor einem Jahr (Mai 2026)
9111
der amtliche Code des Privathaushalts — der auf keiner Liste steht
541
kontrollierte Privathaushalte 2026 — bei rund 500'000 Arbeitgebern

Im April hat Clino erstmals die Stellensuchenden im Reinigungsbereich auf der RAV-Plattform job-room.ch analysiert (siehe die ursprüngliche Studie). Dieses Update legt die amtlichen SECO-Arbeitsmarktdaten darüber — und sie verschärfen das Paradox: Der Bund stuft Reinigung neuerdings als Überschussberuf ein, während Hunderttausende Haushalte keine legale Teilzeithilfe finden.


1. Reinigung steht wieder auf der amtlichen Überschuss-Liste

Ein Beruf untersteht der Stellenmeldepflicht, sobald seine Arbeitslosenquote 5 % erreicht. Arbeitgeber müssen offene Stellen dann zuerst dem RAV melden — fünf Tage exklusiv für registrierte Stellensuchende, bevor öffentlich ausgeschrieben werden darf. Für 2026 ist «Reinigungspersonal und Hilfskräfte in Büros, Hotels und anderen Einrichtungen» (79'529 Beschäftigte) mit 5,3 % Arbeitslosigkeit neu wieder dabei.

5,3 %
Arbeitslosenquote im Reinigungspersonal
National: 3,0 % — der Reinigungsberuf liegt fast doppelt so hoch

Bemerkenswert ist die Entwicklung: Reinigung war 2021–2023 meldepflichtig, fiel 2024 und 2025 von der Liste (die Quote sank unter 5 %) und ist 2026 zurück. Der Beruf wirkt damit wie ein Barometer der Konjunktur — und das Barometer zeigt nach oben. Der Anteil der Beschäftigten in meldepflichtigen Berufen sprang von 3,2 % (2024, historischer Tiefstand) über 6,5 % (2025) auf 10,8 % (2026).

2024 (Tiefstand)
3.2 %
2025
6.5 %
2026
10.8 %

Quellen

  • WBF/SECO, «Mehr meldepflichtige Berufsarten im Jahr 2026» (01.12.2025) — Reinigung 5,3 % · 79'529 Beschäftigte
  • SECO, Liste der meldepflichtigen Berufsarten 2024/2026 (2024–2026) — Reinigung 2024/25 nicht auf der Liste

2. Die Überversorgung gilt fürs Büro — nicht für den Privathaushalt

Hier liegt der Schlüssel. Die amtliche Quote von 5,3 % misst den Code CH-ISCO-19 91120 — Reinigungspersonal in Büros, Hotels und Einrichtungen, also den gewerblichen Reinigungsmarkt. Die Reinigung im Privathaushaltist ein anderer Code: 9111 «Hauswirtschaftliche Hilfskräfte in privaten Haushalten».

91120
Gewerbliche Reinigung — die «Überversorgung» mit 5,3 %
9111 Privathaushalt — stand noch nie auf einer Meldepflicht-Liste

Der Staat erklärt die Reinigung amtlich für überversorgt — aber nur die Reinigung von Büros und Hotels. Den Privathaushalt erfasst diese Statistik gar nicht. Offizieller Arbeitsmarkt und Haushaltsmarkt sind zwei verschiedene Welten — schon per Klassifikation.

Wer aus «5,3 % Arbeitslosigkeit bei Reinigungskräften» schliesst, dass ein Privathaushalt leicht Personal findet, sitzt einem Klassifikationsfehler auf. Der Überschuss ist im Gewerbe; der Engpass im Haushalt liegt nicht im Angebot, sondern im Matching — genau dort, wo der Staat nicht einmal misst.

Quellen

  • BFS, Berufsnomenklatur CH-ISCO-19 (2024) — 9111 Privathaushalt vs. 91120 Gewerbe/Institutionen
  • SECO, offizielle Meldepflicht-Listen 2021 & 2024 (2021/2024) — Code 9111 erscheint auf keiner Liste

3. Der Arbeitsmarkt lockert sich — und zwar strukturell

Die amtlichen Mai-Zahlen 2026: 225'475 Stellensuchende — saisonal 2,2 % weniger als im Vormonat, aber 9,5 % mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote liegt bei 3,0 %, nach einem Mehrjahreshoch von 3,2 % im Januar/Februar (dem höchsten Wert seit April 2021).

225'475
Stellensuchende (Mai 2026)
+9,5 %
gegenüber Vorjahr
+25,9 %
Langzeitarbeitslose (>12 Monate, YoY)
3,0 %
Arbeitslosenquote (saisonbereinigt 3,1 %)

Wichtig für die Einordnung: Der Frühlingsrückgang im Mai ist saisonal. Das eigentliche Signal ist der Vorjahresvergleich — und die Langzeitarbeitslosigkeit, die um 25,9 % zulegte. Die Jahresquote stieg von 2,0 % (2023, 20-Jahres-Tief) über 2,4 % (2024) und 2,8 % (2025) auf prognostizierte 3,1 % (2026). Es gibt mehr verfügbare Reinigungskräfte als zur ursprünglichen Studie im April — nicht weniger.

Quellen

  • SECO, «Die Lage auf dem Arbeitsmarkt Mai 2026» (Mai 2026) — 225'475 Stellensuchende, +9,5 % YoY
  • SECO, Jahresdurchschnitte 2022–2026 (2022–2026) — Quote 2,0 % → 3,1 %

4. Der Röstigraben: Formalität, nicht Arbeitslosigkeit

Die April-Studie zeigte: Pro Kopf sind in der Romandie und im Tessin viel mehr Reinigungskräfte registriert als in der Deutschschweiz. Die amtlichen Kantonsdaten erklären, warum — und korrigieren die naheliegende Deutung.

KantonArbeitslosenquote (April 2026)Region
Genf5,1 %Romandie (höchste CH)
Waadt4,8 %Romandie
Jura4,7 %Romandie
Zürich3,0 %Deutschschweiz
Tessin2,8 %unter dem Schnitt!
Appenzell I.0,7 %Deutschschweiz (tiefste CH)

Das Tessin hat eine riesige registrierte Reinigungs-Bevölkerung — und mit 2,8 % eine unterdurchschnittliche Arbeitslosigkeit. Das grosse Romandie/Tessin-Angebot ist kein Zeichen von Joblosigkeit, sondern von Formalität.

In Genf ist «aides de ménage» (Haushaltshilfen) im April 2026 mit 1'203 Stellensuchenden die drittgrösste Berufsgruppe des Kantons. Der Grund ist institutionell: das kantonale «Chèque service» zur einfachen Anmeldung, der höchste Mindestlohn der Schweiz (CHF 24.59) und die Operation Papyrus, die rund 2'390 Personen regularisierte — zwei Drittel aus dem Hausdienst. Wo es einfache Anmeldewege gibt, wird Haushaltsarbeit sichtbar. Wo nicht, bleibt sie im Grauen.

Quellen

  • SECO / Kantone, Arbeitslosenquoten April 2026 (April 2026) — Genf 5,1 % … Appenzell I. 0,7 %
  • OCSTAT Genf, «Informations statistiques» Nr. 5 (Mai 2026) — Aides de ménage: 1'203 Stellensuchende

5. Die strukturellen Hürden bleiben unverändert

Die drei Befunde der April-Studie (job-room.ch, 13.–14. April 2026) gelten weiter — sie sind strukturell, nicht monatlich. Vor dem Hintergrund eines wachsenden Angebots wiegen sie umso schwerer:

11'683
10–20 % (Haushalt) (0%)
10–50 % (Teilzeit) (7%)
höheres Pensum (92%)
  • Pensum-Mismatch: Nur 50 von 11'683 registrierten Reinigungskräften (0,4 %) akzeptieren ein Pensum von 10–20 %, wie es ein Privathaushalt typischerweise bietet.
  • Sprachbarriere: «Reinigung» (11'683), «nettoyage» (9'971), «pulizia» (1'693) — drei Sprachregionen, drei getrennte Märkte, keine übergreifende Suche.
  • Begriffs-Kluft: Arbeitgeber suchen «Putzfrau» (nur 6 Treffer), Stellensuchende bieten «Reinigung» (11'683) — Faktor 1'947.

Quellen

  • Clino, RAV-Studie April 2026 (job-room.ch) (April 2026) — Strukturanalyse — unverändert gültig

6. Was die Zahlen bedeuten

Rund 500'000 Schweizer Haushalte beschäftigen eine Haushaltshilfe; je nach Schätzung sind 40–80 % davon nicht angemeldet. 2024 kontrollierten die Behörden ganze 541 Privathaushalte — bei einer halben Million Arbeitgeber.

541 : 500'000
kontrollierte vs. anstellende Privathaushalte
Der Sektor mit der meisten Schwarzarbeit ist der am wenigsten kontrollierte

Das Gesamtbild: Es gibt mehr verfügbare, erfahrene Reinigungskräfte denn je — amtlich sogar im «Überschuss». Trotzdem findet der Privathaushalt keine Hilfe, weil offizieller Arbeitsmarkt und Haushaltsmarkt zwei Welten sind und das Matching im Haushalt ungelöst ist. «Eine Putzhilfe finden» ist kein Mengen-, sondern ein Koordinations- und Formalisierungsproblem. Genau das löst eine Lohnplattform wie Clino.

Pressetaugliche Schlagzeilen

«Reinigung amtlich überversorgt (5,3 %) — doch nur für Büros, nicht für den Haushalt»

«9,5 % mehr Stellensuchende — und der Privathaushalt findet trotzdem keine Putzhilfe»

«541 kontrollierte Haushalte bei 500'000 Arbeitgebern: die unsichtbare Lücke»

«Tessin: viel Reinigungs-Angebot, wenig Arbeitslosigkeit — eine Frage der Formalität»

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Über Clino

Clino ist eine Schweizer SaaS-Plattform, die privaten Haushalten ermöglicht, ihre Haushaltshilfe legal anzustellen — Lohnabrechnung, Arbeitsvertrag, AHV-Anmeldung und Unfallversicherung inklusive. CHF 19.90/Monat. Alle 26 Kantone. Gegründet 2025 in Zürich. clino.ch

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