Der Care-Druck-Index 2026
Die Schweiz steht unter Care-Druck an beiden Enden des Lebens. Am Ende verdoppelt sich die Zahl der über 80-Jährigen bis 2050 — am schnellsten nicht dort, wo die Menschen heute am ältesten sind, sondern in den jungen Wachstumskantonen. Am Anfang hat das Land die teuerste Kinderbetreuung der OECD. Wo der Staat fehlt und Betreuung teuer ist, übernimmt die Grauzone. Eine kantonale Vermessung beider Enden.
Zusammenfassung
Die Betreuungsfrage trifft die Schweiz an beiden Enden des Lebens zugleich. Am Ende des Lebens verdoppelt sich die Bevölkerung ab 80 Jahren bis 2050 nahezu — von rund 523'000 (2024) auf etwa 1'006'000 (2050), ein Plus von 92 % (BFS-Referenzszenario). Das Überraschende ist die Geografie: Die schnellste Alterung trifft nicht die heute ältesten Kantone, sondern die heute jungen, wachstumsstarken — Thurgau (+140 %), Obwalden (+139 %), Freiburg (+136 %). Und die häusliche Pflege ist bereits am Anschlag: Die Spitex zählte 2024 mit 424'000 Klientinnen und Klienten einen Rekord — bevor die Babyboomer-Welle die 80er-Marke überhaupt erreicht.
Am Anfang des Lebens hat die Schweiz die teuerste Kinderbetreuung der OECD: Ein Krippenplatz kostet ein Doppelverdienerpaar rund 28 % des Haushaltseinkommens (2023), und die Eltern tragen davon im Schnitt rund 70 % selbst. Hinter diesem Durchschnitt liegt ein scharfer Röstigraben — beim Elternanteil reicht die Spanne von 89 % im Thurgau bis 30 % im Wallis — und mehrere Kantone überlassen die Finanzierung ganz den Gemeinden.
Beide Enden führen zur selben Konsequenz. Wo institutionelle Betreuung fehlt, zu teuer oder zu knapp ist, übernimmt informelle Betreuung: Grosseltern, und vor allem oft schwarz angestellte Nannys und Pflegehilfen — dieselbe Grauzone, die schon die Reinigung prägt. Genau hier setzt Clino an: Die Plattform deckt nicht nur die Reinigung ab, sondern auch die Nanny- und Seniorenbetreuung — und macht aus informeller Schwarzarbeit eine legale, versicherte Anstellung. Diese Studie ist überparteilich, wissenschaftlich fundiert und in Methodik und Quellen transparent.
Das Ende des Lebens: die Alterswelle, die schon begonnen hat
Die Zahl der über 80-Jährigen wächst landesweit um 92 % bis 2050 — sie verdoppelt sich praktisch. Doch dieser Durchschnitt verdeckt eine sehr ungleiche Geografie. Die schnellste Alterung trifft den Thurgau (+140 %), gefolgt von Obwalden (+139 %), Freiburg (+136 %), Aargau (+125 %) und Wallis (+124 %). Das sind nicht die heute ältesten Kantone, sondern die Wachstumskantone, deren grosse mittlere Jahrgänge in den nächsten 25 Jahren ins hohe Alter rücken.
| # | Wachstum 80+ | |
|---|---|---|
| 1 | Thurgau5,2 % 80+ heute | +140 % |
| 2 | Obwalden5,6 % 80+ heute | +139 % |
| 3 | Freiburg4,5 % 80+ heute | +136 % |
| 4 | Aargau5,2 % 80+ heute | +125 % |
| 5 | Wallis5,8 % 80+ heute | +124 % |
| 6 | Appenzell I.Rh.6,1 % 80+ heute | +122 % |
| 7 | Nidwalden6,3 % 80+ heute | +121 % |
| 8 | St. Gallen5,6 % 80+ heute | +116 % |
| 9 | Zug5,4 % 80+ heute | +110 % |
| 10 | Schwyz5,2 % 80+ heute | +108 % |
| 11 | Solothurn6,0 % 80+ heute | +108 % |
| 12 | Luzern5,4 % 80+ heute | +107 % |
| 13 | Graubünden6,6 % 80+ heute | +101 % |
| 14 | Glarus6,0 % 80+ heute | +95 % |
| 15 | Uri6,3 % 80+ heute | +92 % |
| 16 | Appenzell A.Rh.5,9 % 80+ heute | +90 % |
| 17 | Waadt5,2 % 80+ heute | +89 % |
| 18 | Schaffhausen6,7 % 80+ heute | +88 % |
| 19 | Tessin8,0 % 80+ heute | +85 % |
| 20 | Bern6,6 % 80+ heute | +82 % |
| 21 | Jura6,5 % 80+ heute | +74 % |
| 22 | Basel-Landschaft7,4 % 80+ heute | +72 % |
| 23 | Genf5,5 % 80+ heute | +71 % |
| 24 | Zürich5,4 % 80+ heute | +68 % |
| 25 | Neuenburg6,3 % 80+ heute | +66 % |
| 26 | Basel-Stadt6,7 % 80+ heute | +43 % |
Projiziertes Wachstum der Bevölkerung ab 80 Jahren, 2024–2050 (BFS-Referenzszenario AR-00-2025). Unterzeile: heutiger 80+-Anteil an der Wohnbevölkerung (2024, beobachtet). Hervorgehoben: Thurgau (schnellste Alterung) und Basel-Stadt (langsamste).
Auf der Karte zeigt sich dasselbe Muster räumlich: Die dunkelsten Felder — das stärkste Wachstum — liegen in der Ost- und Zentralschweiz sowie im Mittelland, nicht in den Städten. Wo heute viele junge Erwachsene leben, entsteht morgen der grösste Pflegebedarf.
Projiziertes Wachstum der über 80-Jährigen 2024–2050 (BFS-Referenzszenario). Dunkler = stärkeres Wachstum. Die schnellste Alterung trifft die heute jungen, wachstumsstarken Kantone (Thurgau, Obwalden, Freiburg, Aargau), nicht die heute ältesten.
Und die häusliche Versorgung ist schon heute angespannt. Die Spitex betreute 2024 mit 424'000 Klientinnen und Klienten und 25,6 Mio. Pflegestunden so viele Menschen wie nie zuvor. Die grössten Zunahmen verzeichneten der Aargau und Zürich mit jeweils rund +20 %. Dieser Rekord wird erreicht, bevor die eigentliche 80+-Welle eintrifft — die ambulante Pflege läuft also bereits am Limit, während sich die Nachfrage erst aufbaut.
Wer heute alt ist, und wer es wird
Stellt man den heutigen 80+-Anteil dem künftigen Wachstum gegenüber, zeigt sich eine schwach negative Beziehung (r = −0,52): Wer heute alt ist, altert künftig tendenziell langsamer — und umgekehrt. Es gibt also zwei Profile.
Jeder Punkt ein Kanton. X: heutiger 80+-Anteil (2024, beobachtet). Y: projiziertes 80+-Wachstum bis 2050 (BFS-Referenzszenario). Schwach negative Beziehung (r = −0,52): Kantone, die heute alt sind, altern künftig tendenziell langsamer — und umgekehrt. Basel-Stadt ist relativ alt, wächst aber am langsamsten (Zuwanderung verjüngt die Stadt); Freiburg und Thurgau sind heute jung, altern aber am schnellsten.
Das erste Profil sind die heute schon alten Kantone: Das Tessin (65+-Anteil 24,0 %, 80+-Anteil 8,0 %), Graubünden (23,6 %) und Basel-Landschaft (23,3 %) tragen die Last bereits jetzt — wachsen aber künftig unterdurchschnittlich, weil die Alterung dort weit fortgeschritten ist.
Das zweite Profil sind die heute jungen Kantone, die am schnellsten altern: Thurgau, Obwalden und Freiburg stehen heute demografisch jung da, erleben bis 2050 aber den steilsten Anstieg. Für sie ist die Alterswelle keine fortgeschriebene Gegenwart, sondern ein abrupter Wandel — mit entsprechend wenig eingespielter Pflegeinfrastruktur.
Das deutlichste Gegenbeispiel ist Basel-Stadt: Der Kanton ist mit einem 80+-Anteil von 6,7 % relativ alt, altert künftig aber mit Abstand am langsamsten (+43 %). Das Basel-Stadt-Paradox erklärt sich durch Zuwanderung: Die Städte ziehen kontinuierlich junge Erwachsene an und verjüngen sich dadurch demografisch — Neuenburg (+66 %), Zürich (+68 %) und Genf (+71 %) folgen demselben Muster. Die urbane Schweiz altert am langsamsten, das ländliche und kleinstädtische Umland am schnellsten.
Der Anfang des Lebens: Europas teuerste Betreuung
Am anderen Ende des Lebens steht die teuerste Kinderbetreuung der OECD. Ein Krippenplatz kostet ein Doppelverdienerpaar rund 28 % des Haushaltseinkommens (2023) — der höchste Wert im OECD-Vergleich. Anders als in den meisten europäischen Ländern tragen die Eltern den Löwenanteil davon: im Schnitt rund 70 % der Kosten, während der Staat nur den Rest übernimmt.
Zur hohen Kosten kommt eine ungleiche Verfügbarkeit. Eine flächendeckende, einheitlich erhobene Reihe zur Kita-Abdeckung pro Kanton existiert nicht; belastbar sind nur einzelne Ankerwerte. Diese Anker zeigen aber eine enorme Spannweite: Basel-Stadt rund 50 %, Zug 43 % — und Appenzell Innerrhoden nur etwa 6 %. Das ist ein achtfacher Unterschied zwischen dem bestversorgten und dem schlechtestversorgten Kanton. Je nach Wohnort ist ein Krippenplatz also nicht nur unterschiedlich teuer, sondern überhaupt unterschiedlich erreichbar.
Wer am Ende wie viel zahlt, hängt entscheidend von der kantonalen Finanzierung ab — und hier verläuft ein scharfer Röstigraben. Beim Elternanteil reicht die Spanne von 89 % im Thurgau bis 30 % im Wallis: In manchen Kantonen tragen die Familien fast die gesamten Kosten selbst, in anderen weniger als ein Drittel.
| Kanton | Öffentl. Ausgaben/Kind | Elternanteil | Kantonale Rolle |
|---|---|---|---|
| Basel-Stadt | CHF 4’669 | – | Top-Subventionierer |
| Waadt | CHF 3’099 | 38 % | Mitfinanzierung |
| Zürich | CHF 1’747 | 83 % | überlässt es den Gemeinden |
| Bern | CHF 1’358 | – | Mitfinanzierung |
| Freiburg | CHF 1’312 | – | Mitfinanzierung |
| Glarus | CHF 1’195 | – | Mitfinanzierung |
| Schaffhausen | CHF 884 | – | Mitfinanzierung |
| Luzern | CHF 776 | – | Mitfinanzierung |
| Graubünden | CHF 703 | – | Mitfinanzierung |
| Tessin | CHF 701 | – | Mitfinanzierung |
| St. Gallen | CHF 695 | 64 % | Mitfinanzierung |
| Basel-Landschaft | CHF 527 | – | überlässt es den Gemeinden |
| Solothurn | CHF 278 | – | Mitfinanzierung |
| Aargau | CHF 238 | – | überlässt es den Gemeinden |
| Schwyz | CHF 172 | – | Mitfinanzierung |
| Jura | – | – | Top-Subventionierer |
| Thurgau | – | 89 % | Mitfinanzierung |
| Neuenburg | – | 42 % | Mitfinanzierung |
| Wallis | – | 30 % | Mitfinanzierung |
Öffentliche Ausgaben pro Kind 0–12 (Kanton + Gemeinden), INFRAS für das BSV, Oktober 2024 (15 Kantone). Ein Strich (–) bedeutet: nicht publiziert. Basel-Stadt: über CHF 2’000/Kind allein kantonal, CHF 4’669 inkl. Gemeinden; Jura: über CHF 1’500/Kind kantonal. Elternanteil, wo veröffentlicht (Röstigraben: Thurgau 89 % vs. Wallis 30 %). Kantonale Rolle nach CHSS/SODK 2024. Hervorgehoben: Kantone, die die Finanzierung ganz den Gemeinden überlassen.
Wer Betreuung finanziert
- •Basel-Stadt: über CHF 2'000/Kind allein kantonal, CHF 4'669 inkl. Gemeinden — mit Rechtsanspruch
- •Jura: über CHF 1'500/Kind kantonal
- •Kanton trägt aktiv mit — tiefere Elternanteile
- •Betreuung als öffentliche Aufgabe verstanden
Wer es den Gemeinden überlässt
- •Aargau, Basel-Landschaft und Zürich: CHF 0 kantonal
- •Die Finanzierung liegt allein bei den Gemeinden
- •Abdeckung und Tarife schwanken von Gemeinde zu Gemeinde
- •Hohe Elternanteile (Zürich: 83 %)
Wo der Staat fehlt, springt die Grauzone ein
Beide Enden des Care-Drucks münden in dieselbe Reaktion. Wenn die ambulante Pflege am Limit läuft und Heimplätze knapp sind, wenn Krippen zu teuer oder schlicht nicht verfügbar sind, dann verschwindet der Bedarf nicht — er wandert in die informelle Betreuung. Grosseltern springen ein, und Familien stellen Nannys, Betreuerinnen und Pflegehilfen an. Oft geschieht das ohne Vertrag, ohne Sozialversicherung, ohne Lohnausweis: dieselbe Grauzone, die schon die Reinigung prägt.
Das ist nicht nur ein rechtliches Risiko für die Haushalte, sondern auch ein Schutzdefizit für die Betreuenden — keine Unfallversicherung, keine AHV-Beiträge, kein Anspruch im Krankheitsfall. Mit der Alterswelle und dem anhaltenden Druck bei der Kinderbetreuung wird diese informelle Schicht in den nächsten 25 Jahren wachsen, nicht schrumpfen.
Genau hier setzt Clino an. Die Plattform deckt nicht nur die Reinigung ab, sondern auch die Nanny- und Seniorenbetreuung: Familien können Betreuungspersonal in wenigen Minuten legal anstellen — mit Vertrag, Lohnabrechnung, Sozialversicherung und Unfallschutz — zum gleichen Pauschalpreis. Aus der Grauzone wird eine saubere Anstellung, für beide Seiten.
Die Alterswelle und die teuerste Kinderbetreuung der OECD treffen sich an einem Punkt: in den Haushalten, die Betreuung selbst organisieren müssen. Ob diese Betreuung legal und versichert ist oder in der Grauzone bleibt, entscheidet sich nicht am Bedarf — sondern daran, wie einfach das korrekte Anstellen ist.
Überraschende Erkenntnisse
Die schnellste Alterung trifft die jungen Kantone, nicht die alten
Intuitiv würde man die stärkste Alterung dort erwarten, wo die Menschen heute schon am ältesten sind — im Tessin oder in Graubünden. Tatsächlich ist es umgekehrt: Thurgau (+140 %), Obwalden (+139 %) und Freiburg (+136 %) sind heute demografisch jung und altern künftig am schnellsten. Die schwach negative Korrelation (r = −0,52) bestätigt das Muster über alle Kantone hinweg. Gerade die Kantone mit der wenigsten eingespielten Pflegeinfrastruktur stehen vor dem steilsten Anstieg.
Basel-Stadt altert am langsamsten — trotz hohem Altersanteil
Basel-Stadt hat mit 6,7 % einen der höchsten 80+-Anteile der Schweiz, wächst in dieser Gruppe bis 2050 aber mit Abstand am langsamsten (+43 %). Der Grund ist Zuwanderung: Städte ziehen kontinuierlich junge Erwachsene an und verjüngen sich demografisch. Neuenburg (+66 %), Zürich (+68 %) und Genf (+71 %) zeigen denselben urbanen Verjüngungseffekt. Die Alterswelle ist damit vor allem ein Phänomen des ländlichen und kleinstädtischen Umlands.
Die Spitex ist schon am Rekord — vor der eigentlichen Welle
Mit 424'000 Klientinnen und Klienten und 25,6 Mio. Pflegestunden verzeichnete die Spitex 2024 einen Höchststand. Das Bemerkenswerte ist der Zeitpunkt: Dieser Rekord wird erreicht, bevor die Babyboomer-Generation die 80er-Marke überhaupt erreicht. Die ambulante Pflege läuft also bereits am Limit, während die demografische Hauptlast erst noch kommt — die grössten Zunahmen 2024 lagen mit je rund +20 % im Aargau und in Zürich.
Quellen
- BFS — Bevölkerungsszenarien 2025–2055 (2025) — Referenzszenario AR-00-2025, 80+-Projektion bis 2050; Basisjahr 2024 beobachtet
- BFS — Spitex-Statistik (2024) — 424'000 Klientinnen und Klienten, 25,6 Mio. Pflegestunden, Rekord
- INFRAS für das BSV (2024) — Öffentliche Ausgaben pro Kind 0–12 (Kanton + Gemeinden), 15 Kantone
- CHSS / SODK (2024) — Kantonale Rolle bei der Kinderbetreuungsfinanzierung
- OECD (2023) — Kinderbetreuungskosten ~28 % des Haushaltseinkommens, teuerste der OECD
- Clino (2026) — Konsolidierung und kantonale Aufbereitung der Care-Druck-Daten
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Über Clino
Clino ist eine Schweizer SaaS-Plattform, die privaten Haushalten ermöglicht, ihre Haushaltshilfe legal anzustellen — Lohnabrechnung, Arbeitsvertrag, AHV-Anmeldung und Unfallversicherung inklusive. CHF 19.90/Monat. Alle 26 Kantone. Gegründet 2025 in Zürich. clino.ch


























