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Ratgeber Vorsorge

Pensionskasse für Hausangestellte: Plan AN oder AN Plus bei der Auffangeinrichtung?

Sobald deine Putzhilfe, Nanny oder Betreuerin über der BVG-Schwelle verdient, musst du sie bei einer Pensionskasse anmelden. Die meisten Familien landen bei der Auffangeinrichtung - der Kasse, die jeden aufnehmen muss. Was kaum jemand weiss: Sie führt zwei Pläne. Der Standard-Plan AN versichert tiefe Löhne nur auf dem Minimum, der Plan AN Plus dagegen den ganzen Lohn ohne Koordinationsabzug. Für einen Haushaltslohn ist das der ganze Unterschied.

Lesedauer: 8 min · Stand: Juli 2026
In short

Die Auffangeinrichtung muss dich aufnehmen - und sie bietet seit 2026 zwei Pläne. Der Standard-Plan AN versichert bei tiefen Löhnen nur den Mindestbetrag. Der Plan AN Plus versichert den ganzen Lohn ab CHF 2'500 ohne Koordinationsabzug und baut deiner Angestellten oft ein Mehrfaches an Altersguthaben auf. Du musst dafür keine andere Kasse suchen.

  • Standard-Plan AN: Der Koordinationsabzug (CHF 26'460) lässt bei CHF 25'000 Lohn nur den Minimallohn von CHF 3'780 versichert.
  • Plan AN Plus: der ganze Lohn versichert, ab CHF 2'500, ohne Koordinationsabzug - bei derselben Auffangeinrichtung.
  • Bei CHF 25'000 Lohn baut AN Plus rund das Sechsfache an Altersguthaben auf wie der Standard-Plan.

Die Auffangeinrichtung hat zwei Pläne: AN und AN Plus

Als Arbeitgeber bist du frei, welcher Pensionskasse du dich anschliesst. In der Praxis nehmen die meisten Familien die Stiftung Auffangeinrichtung BVG - schlicht, weil sie die einzige Kasse ist, die jeden Arbeitgeber aufnehmen muss (Anschlusspflicht, Art. 60 BVG), auch für eine einzige angestellte Person. Kein Verkaufsgespräch, keine Ablehnung.

Der wichtige Punkt: Die Auffangeinrichtung ist nicht gleich «nur das Minimum». Sie führt zwei Vorsorgepläne. Der Plan AN wendet das gesetzliche Minimalmodell mit vollem Koordinationsabzug an. Der Plan AN Plus versichert den ganzen Lohn ohne Koordinationsabzug. Der Fehler ist also nicht, die Auffangeinrichtung zu wählen - sondern beim Standard-Plan AN zu bleiben, ohne AN Plus zu kennen.

Du musst deshalb weder rund 150 Kassen durchforsten noch fürchten, dass eine Sammelstiftung deine einzelne Hausangestellte nicht aufnimmt. Die Kasse, die dich ohnehin aufnehmen muss, hat die bessere Option bereits im Angebot - du musst sie nur verlangen.

Das Problem im Standard-Plan AN: der Koordinationsabzug frisst die Rente

Im Plan AN wird nicht der ganze Lohn versichert, sondern nur der «koordinierte Lohn»: Bruttolohn minus Koordinationsabzug (CHF 26'460 im Jahr 2026). Bei einem hohen Lohn stört das kaum. Bei einer Reinigungskraft mit CHF 25'000 im Jahr ist der Abzug aber grösser als der ganze Lohn:

Jahresbruttolohn (Reinigungskraft, Teilzeit)CHF 25'000
− Koordinationsabzug− CHF 26'460
= koordinierter Lohn (rechnerisch)CHF −1'460
→ versichert: minimaler koordinierter LohnCHF 3'780

Weil das Ergebnis unter null liegt und der Lohn trotzdem über der Eintrittsschwelle ist, greift der gesetzliche minimale koordinierte Lohn von CHF 3'780. Statt auf CHF 25'000 spart deine Angestellte im Plan AN also nur auf CHF 3'780 fürs Alter. Genau hier setzt der Plan AN Plus an.

Plan AN Plus: der ganze Lohn versichert, ohne Koordinationsabzug

Im Plan AN Plus der Auffangeinrichtung wird der ganze massgebende Jahreslohn versichert - ohne Koordinationsabzug, ab einem Lohn von mehr als CHF 2'500 und bis zum oberen Grenzbetrag von CHF 90'720. Die Sparbeiträge sind dieselben Prozentsätze wie im Standard-Plan (7 bis 18 % je nach Alter), aber sie laufen auf dem vollen Lohn statt auf dem gekürzten. Der Plan ist ausdrücklich für Teilzeit-, Haushalts- und Betreuungslöhne gemacht.

Was das bei CHF 25'000 Jahreslohn und einer Angestellten zwischen 35 und 44 (Altersgutschrift 10 %) ausmacht:

Plan AN (Standard)Plan AN Plus
Versicherter LohnCHF 3'780CHF 25'000
Altersgutschrift pro Jahr (10 %)CHF 378CHF 2'500
Differenz fürs Alterssparen-+ CHF 2'122 / Jahr

Beide Seiten tragen die Beiträge je zur Hälfte. AN Plus kostet dich als Arbeitgeber also etwas mehr - aber für einen überschaubaren Zusatzbetrag pro Monat baut deine Angestellte eine echte Rente statt einer symbolischen auf.

Plan AN vs. Plan AN Plus: worauf es ankommt

Beide Pläne laufen bei derselben Auffangeinrichtung. Diese vier Punkte machen für einen Haushaltslohn den Unterschied:

KriteriumPlan AN (Standard)Plan AN Plus
Koordinationsabzugvoll (CHF 26'460)keiner (ab dem 1. Franken)
Versicherter Lohn bei CHF 25'000nur CHF 3'780 (Minimum)die vollen CHF 25'000
Eintrittsschwellemehr als CHF 22'680ab CHF 2'500
Sinnvoll vor allem fürhohe oder Vollzeit-Löhnetiefe oder Teilzeit-Löhne (Haushalt)

AN Plus ist freiwillig - du musst ihn bei der Anmeldung aktiv verlangen. Neben der Auffangeinrichtung bieten einige Sammelstiftungen ähnliche Pläne «ab dem ersten Franken» an, aber nicht alle nehmen einen einzelnen Haushalt auf. Für die meisten Familien ist AN Plus deshalb der einfachste Weg.

Und die rund 150 anderen Kassen?

Es gibt in der Schweiz gegen 150 Sammelstiftungen und Pensionskassen - mit sehr unterschiedlichen Kosten, Verzinsungen und Umwandlungssätzen. Vergleichen kannst du sie mit unabhängigen Daten. Wichtig: dass eine Kasse ausgewertet wird, heisst nicht, dass sie einen Privathaushalt mit einer einzigen angestellten Person auch aufnimmt.

Nutze den unabhängigen Pensionskassenvergleich von pensionskasse.com und den jährlichen PK-Award als erste Auswahl. Hol danach nur bei Kassen eine Offerte, die Privathaushalte aufnehmen - und lass alle mit demselben Lohn, Alter und Plan rechnen. Für einen typischen Haushaltslohn bleibt AN Plus bei der Auffangeinrichtung meist die einfachste Lösung.

Was du als Arbeitgeber konkret tun kannst

Du musst kein Vorsorge-Profi werden. Drei pragmatische Wege:

  1. 1Nur Compliance nötig? Der Standard-Plan AN ist korrekt und schnell - fertig.
  2. 2Willst du deiner Angestellten eine echte Rente aufbauen? Verlang bei der Auffangeinrichtung ausdrücklich den Plan AN Plus (ganzer Lohn, kein Koordinationsabzug).
  3. 3Höhere oder Vollzeit-Löhne? Vergleiche zusätzlich Sammelstiftungen (siehe oben), aber prüfe zuerst, ob sie einen Einzelhaushalt aufnehmen.

Häufige Fehler bei der Kassenwahl

1. Blind beim Standard-Plan AN bleiben

Der Plan AN ist bequem, aber für tiefe Löhne selten die beste Rente. Ein kurzer Blick auf AN Plus lohnt sich fast immer.

2. Nur auf die Kosten für dich schauen

Zwei Pläne können dich ähnlich viel kosten - und trotzdem baut der eine ein Vielfaches an Guthaben auf. Der Koordinationsabzug entscheidet.

3. Den Koordinationsabzug übersehen

Bei tiefem Lohn ist er der wichtigste Hebel. «Ohne Koordinationsabzug» verändert die Rente stärker als jeder Zins.

4. Denken, man müsse eine andere Kasse suchen

Muss man nicht: AN Plus gibt es bei der Auffangeinrichtung selbst - der Kasse, die dich ohnehin aufnehmen muss.

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Häufige Fragen

Muss ich die Auffangeinrichtung nehmen?
Nein. Du kannst dich jeder Sammelstiftung oder Pensionskasse anschliessen. Die Auffangeinrichtung ist nur die Kasse, die dich aufnehmen muss, wenn du keine andere findest oder nicht suchen willst. Praktisch für Haushalte: Sie führt mit AN und AN Plus zwei Pläne, du musst dich also nicht anderswo umsehen.
Was ist der Koordinationsabzug - und warum ist er so wichtig?
Der Koordinationsabzug (CHF 26'460 im Jahr 2026) wird im Standard-Plan AN vom Bruttolohn abgezogen, weil dieser Teil schon durch die AHV gedeckt ist. Nur der Rest - der koordinierte Lohn - wird versichert. Bei tiefen Löhnen bleibt nach dem Abzug fast nichts übrig; genau deshalb versichert der Plan AN Plus ganz ohne diesen Abzug.
Was ist der Plan AN Plus?
Ein Vorsorgeplan der Auffangeinrichtung, der den ganzen Lohn ohne Koordinationsabzug versichert - ab einem Lohn von mehr als CHF 2'500 und bis CHF 90'720. «Ab dem ersten Franken» bezieht sich auf den Koordinationsabzug, nicht auf die Eintrittsschwelle. Für eine Hausangestellte mit tiefem oder Teilzeitlohn ist das der grösste Unterschied - das Altersguthaben kann sich vervielfachen.
Kostet mich AN Plus mehr?
Etwas mehr, ja. Ein höherer versicherter Lohn erhöht die Sparbeiträge, die du zur Hälfte trägst. Dafür baut deine Angestellte eine echte statt einer symbolischen Rente auf. Bei tiefen Löhnen ist der Zusatzbetrag pro Monat überschaubar - rechne ihn vorher durch.
Wo vergleiche ich andere Pensionskassen?
Die umfassendste öffentliche Quelle ist der Pensionskassenvergleich von pensionskasse.com; der jährliche PK-Award kürt zudem die leistungsstärksten Kassen. Beide werten publizierte Kennzahlen aus - ob eine Kasse einen Privathaushalt aufnimmt, ist damit aber nicht gesagt.
Hilft mir Clino bei der BVG-Abrechnung?
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Quellen

  • Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) - Berufliche Vorsorge, Grenzbeträge 2026: bsv.admin.ch
  • Bundesgesetz über die berufliche Vorsorge (BVG), SR 831.40 - Art. 2/7 (Versicherungspflicht), Art. 8 (koordinierter Lohn), Art. 60 (Auffangeinrichtung); Verordnung BVV 2
  • Stiftung Auffangeinrichtung BVG - Vorsorgeplan AN Plus 2026 (ganzer Lohn, ohne Koordinationsabzug): aeis.ch
  • Unabhängiger Pensionskassenvergleich und PK-Award: pensionskasse.com, pk-award.ch

Grenzbeträge und Sätze Stand 2026. Reglemente und Kosten der einzelnen Kassen ändern sich laufend - vor dem Anschluss aktuell prüfen.

Salvador Jovells

Salvador Jovells, Gründer von Clino

Geprüft Juli 2026